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Der Stahlkoloss an der Südumfahrung

Auf dem Pirnaer Sonnenstein montieren Spezialisten die ersten Teile für die Gottleubatal-Brücke. Ein erster Verschub ist noch für dieses Jahr geplant.

Südumfahrung-Baustelle auf dem Sonnenstein: Ein 500-Tonnen-Kran hievt die Brückenteile in den Taktkeller.
Südumfahrung-Baustelle auf dem Sonnenstein: Ein 500-Tonnen-Kran hievt die Brückenteile in den Taktkeller. © Thomas Möckel

Nach dem Signalton zieht die Seilwinde an, langsam hebt sich die Last vom Boden. Am Ausleger hängen 30 Tonnen Stahl. Um sie emporzuhieven, braucht es selbst ein Schwergewicht: einen Spezialkran mit acht Achsen, der bis zu 500 Tonnen heben kann.

Der Kranfahrer manövriert das Teil ein wenig nach links, dann lässt er es gemächlich herabsinken. Weiter unten ist Muskelkraft gefragt: Spezialisten drücken und ziehen das Stahlelement, um es passgenau über dem Unterteil zu positionieren. Die Männer sind geübt, nach wenigen Minuten sitzt das Teil an Ort und Stelle.

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Die gemeinsame Aktion von Maschinen- und Menschenkraft zeugt von einem weiteren Fortschritt an Pirnas derzeit größtem und teuerstem Bauvorhaben. Fachleute montieren seit dieser Woche die ersten Elemente der Gottleubatal-Brücke für die Pirnaer Südumfahrung, die die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) errichten lässt. Die Trasse wird einmal 3,8 Kilometer lang sein, die Brücke misst 916 Meter. Das Bauwerk besteht laut Ulrich Gawlas, Bauoberleiter der Südumfahrung, aus einer stählernen Grundkonstruktion, auf der später die Fahrbahn ruht.

Per Schwertransport über die Autobahn

Die Stahlteile waren in den vergangenen Monaten in Werken in Tschechien und Ungarn vorgefertigt worden, mehrere Hundert Meter sind schon produziert. In der Nacht zum Montag kamen die ersten Elemente nach Pirna. Die Schwerlasttransporte waren gegen 22 Uhr in Prag gestartet, Mitternacht erreichten sie die Grenze auf der Autobahn 17, bis 3 Uhr am Morgen waren die Lkws auf dem Sonnenstein eingeparkt. Laut Gawlas gibt es Anfang August drei dieser Transportnächte für den ersten Abschnitt der Brücke. 

Auf dem Sonnenstein rangieren die Lkw-Fahrer ihre Last rückwärts die asphaltierte Baustraße hinunter bis zur Hangkante an der Viehleite. Dort hievt der 500-Tonnen-Kran die Teile in den sogenannten Taktkeller - eine riesige ausbetonierte Wanne - in dem die Brücke vormontiert wird. 

Ein solches Stahlelement ist nach Aussage des Bauoberleiters reichlich 20 Meter lang und wiegt etwa 30 Tonnen. Jeweils vier dieser Teile ergeben zusammengefügt einen stählernen Hohlkasten, die Fachleute nennen es "Schuss". 

Die vier Viertel für den ersten Schuss sowie der Endquerträger für das Widerlager am Kohlberg kamen am Montag nach Pirna, insgesamt werden Anfang August die Teile für die ersten drei Schüsse angeliefert.

Baustraße auf dem Pirnaer Sonnenstein: Schwerlasttransporter liefern die Brückenteile an.
Baustraße auf dem Pirnaer Sonnenstein: Schwerlasttransporter liefern die Brückenteile an. © Deges

Schweiß-Roboter ziehen die Verbindungsnähte

Im Taktkeller liegen die Stahlelemente zunächst auf provisorischen Stützen. In Kürze montieren Experten unter den Teilen noch die sogenannten Wippen, die die gewaltigen Lasten austarieren. Ebenso lässt sich die Konstruktion an zwei bestimmten Punkten im Taktkeller befestigen und sichern, damit sie nicht von allein nach vorn rutscht. 

Im Taktkeller verschweißen die Fachleute zunächst vier Teile zu einem Schuss, anschließend die einzelnen Schüsse miteinander. Überwiegend ziehen spezielle Roboter die Schweißbahnen, nur an schwer zugänglichen Stellen müssen die Schweißer selbst ran. Nach Aussage von Gawlas werden diese Schweißnähte später alle geröntgt, um zu prüfen, dass sie einwandfrei sind und die Verbindungen halten. Künftig muss die Konstruktion mehrere Tausend Autos am Tag tragen. 

Die stählernen Hohlkästen, die jetzt entstehen, sind später durchgängig begehbar - allerdings nur für Monteure, die das Bauwerk inspizieren. Zudem gibt es an der Unterseite Montageöffnungen, durch die von unten Ersatzteile hinein gehoben werden können - beispielsweise, wenn einmal ein Lager auszutauschen ist. 

Blick auf den Brückenquerschnitt: In Pirna entsteht derzeit die Grundkonstruktion, ein stählerner Hohlkasten, unten im Bild zu erkennen. Die Fahrbahn wird später wesentlich breiter.
Blick auf den Brückenquerschnitt: In Pirna entsteht derzeit die Grundkonstruktion, ein stählerner Hohlkasten, unten im Bild zu erkennen. Die Fahrbahn wird später wesentlich breiter. © Deges

Im Dezember soll die Brücke wandern

In einem ersten Schritt werden bis Anfang Dezember die ersten drei Schüsse montiert und zusammengefügt. Sie ergeben insgesamt eine Länge von reichlich 60 Metern, das Gesamtgewicht beträgt 360 Tonnen. Am vorderen Ende wird noch der Endquerträger angeschweißt, er liegt später auf dem Brücken-Widerlager am Kohlberg auf.

Davor montieren die Fachleute noch den sogenannten Vorbauschnabel, 50 Meter lang, 100 Tonnen schwer - ein Hilfskonstrukt, unerlässlich für diese Art von Brückenbau. Die komplette Gottleubatal-Brücke wird vom Sonnenstein aus über die Pfeiler hinüber zum Kohlberg geschoben. 

Startet der Verschub, hängt der Vorbauschnabel zwischen den Pfeilern etwa fünf Meter nach unten, der Brückenstahl macht diese Biegung problemlos mit. Vor dem jeweils nächsten Pfeiler hebt eine spezielle Hydrauliktechnik den Vorbauschnabel an, damit die Konstruktion dann über die Pfeiler gleiten kann. 

Im Oktober ist laut Gawlas ein erster Probeverschub geplant, um zu schauen, ob alles funktioniert und um weiter hinten im Taktkeller weitere Brückenteile anzubauen. Läuft alles nach Plan, könnte es dann Ende dieses Jahres den ersten richtigen Brückenverschub geben. Bis die Brücke am Kohlberg ankommt, wird es etwa anderthalb Jahre dauern. 

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