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Der Tscheche und die Riesenantenne

Ein Journalist aus dem Nachbarland interessiert sich für den Mast – aus einem historischen Grund.

Der Wilsdruffer Sendemast soll erhalten werden, verlangt eine Initiative.
Der Wilsdruffer Sendemast soll erhalten werden, verlangt eine Initiative. © Andreas Weihs

Warum kämpfen einige Wilsdruffer für den Erhalt eines Sendemastes? Dieser Frage geht der Deutschland-Korrespondent des Tschechischen Hörfunks Pavel Polak nach. Am Dienstag traf er sich mit der Initiatorin der Internet-Unterschriftenaktion „Erhalt des Funkturms“, Sabine Neumann.

Polak, der von Berlin aus das Geschehen in der Bundesrepublik verfolgt, kam bei seiner Recherche in sächsischen Medien auf das Thema. Da der Sendemast auch einen Bezug zu seinem Heimatland hat, wollte er mehr darüber erfahren.

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Der Sender spielte vor 51 Jahren beim Prager Frühling eine Rolle. Damals versuchten Reformkräfte um Alexander Dubcek, einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz zu schaffen. Die anderen sozialistischen Länder wollten das verhindern. Auf Betrieben der Sowjetunion marschierten am 21. August 1968 Truppen des Warschauer Paktes in Tschechien ein und schlugen die Bewegung nieder. 2018 wurde daran in Tschechien erinnert. „Im Radio lief dazu eine mehrstündige Sendung, in der auch ausführlich auf den Sender Wilsdruff eingegangen wurde“, erzählt Polak. Von diesem wurde ein vorproduziertes Programm in sein Land abgestrahlt. Dieses sollte die moskautreuen Kräfte unterstützen.

Pavel Polak (li., Deutschlandkorrespondent von Czech Radio) im Gespräch mit Sabine Neumann (Mitte, Initiatorin der Unterschriftensammlung Erhalt des Funkturms) und Jürgen Juhrig (re., Technik-Verein Sender Wilsdruff e.V.) in Wilsdruff.
Pavel Polak (li., Deutschlandkorrespondent von Czech Radio) im Gespräch mit Sabine Neumann (Mitte, Initiatorin der Unterschriftensammlung Erhalt des Funkturms) und Jürgen Juhrig (re., Technik-Verein Sender Wilsdruff e.V.) in Wilsdruff. © Andreas Weihs

An das Programm, das aus Wilsdruff gesendet wurde, können sich die Ältern noch erinnern. Das Tschechisch, das die Moderatoren gesprochen haben, war sehr schlecht. „Die Menschen in Prag haben sich darüber lustig gemacht“, sagt Polak. Wahrscheinlich waren es Heimatvertriebene aus der Tschechoslowakei, die man auf die Schnelle dafür akquiriert hatte. Genau weiß er das aber nicht. „Das müsste noch erforscht werden.“

Ihm ist klar, dass viele Sachsen diese Geschichte nicht kennen. Deshalb dürfte sie mit Sicherheit auch nicht der Grund sein, weshalb Unterschriften für den Erhalt des Senders gesammelt werden, meint der 37-Jährige, der seit 2014 als Korrespondent des tschechischen Rundfunks in Deutschland arbeitet und sich schon zuvor für die Geschichte der deutsch-tschechischen Grenzregion interessiert hat. Ihm sei nach der Recherche bekannt, dass der 153 Meter hohe Turm bei vielen Sachsen Heimatgefühle hervorrufe. Ihm gehe es nicht so.

„Ich komme oft am Sender vorbei, weil ich viel auf den Autobahnen unterwegs bin“, sagt der junge Mann. Und auch er freue sich, wenn Dresden naht, denn dann ist es nicht mehr weit bis Prag. Ein Bezugspunkt ist für ihn aber nicht der Sender. Es sind vielmehr die Tankstellen, die er inzwischen schon sehr gut kennt.

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