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Apotheker stellen Desinfektionsmittel selbst her

Das ist dank einer neuen Ausnahmeregelung möglich. Denn die Nachfrage ist auch in Görlitz und Niesky riesig.

Von Gabriela Lachnit
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Anke van Rems bedient in der Linden-Apotheke Görlitz die Kunden hinter einer Plexiglasscheibe. Das dient dem Schutz der Kunden und der Mitarbeiter.
Anke van Rems bedient in der Linden-Apotheke Görlitz die Kunden hinter einer Plexiglasscheibe. Das dient dem Schutz der Kunden und der Mitarbeiter. © Nikolai Schmidt

Desinfektionsmittel für die Hände und Atemschutzmasken sind derzeit die wohl am häufigsten verlangten Waren in den Apotheken. Während die Masken schon geraume Zeit kaum noch zu erhalten sind, zeichnet sich für Desinfektionsmittel eine Lösung ab.

Apotheker dürfen ab sofort Lösungen zur hygienischen Händedesinfektion selbst herstellen. Dafür ist eine Ausnahmeregelung mit dem Bundesumweltministerium beschlossen worden. Die Mittel zur Händedesinfektion für den privaten Gebrauch werden mit Industriealkohol hergestellt.

Für den Kampf gegen das Coronavirus stellen Apotheken Desinfektionsmittel direkt vor Ort her. Dafür ist eine Ausnahmeregelung beschlossen worden.
Für den Kampf gegen das Coronavirus stellen Apotheken Desinfektionsmittel direkt vor Ort her. Dafür ist eine Ausnahmeregelung beschlossen worden. © dpa

In der Fortuna-Apotheke in der Reichenbacher Straße 19 in Görlitz ist in der letzten Woche eine Lieferung von Desinfektionsmitteln angekommen. Eine Flasche pro Person  gibt die Apotheke davon ab. "Die Nachfrage ist groß", sagt Stefanie Scheibe-Mimus, die Inhaberin der Fortuna-Apotheke. Sie wird aber auch selbst Desinfektionsmittel herstellen. 

In der Paracelsus-Apotheke in der Bismarckstraße in Görlitz werden ebenfalls Desinfektionsmittel hergestellt, "solange die Rohstoffe und die Gefäße dafür reichen", sagt Inhaberin Anne-Kathrin Rausch. Aber auch hier wird das Mittel nicht unbegrenzt abgegeben, sondern eingeteilt. 

Apotheken rüsten für den eigenen Schutz

In den Apotheken rüsten die Mitarbeiter für ihren eigenen Schutz auf. Stefanie Scheibe-Mimus berichtet, dass bereits Plexiglasscheiben für die Handverkaufstische aufgestellt werden. "Das ist zum Schutz der Mitarbeiter - und  auch der Kunden", sagt sie.

Zwar herrsche in der Apotheke der alltägliche Andrang, aber die Menschen achten sehr darauf, sich gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. "Sie schauen beispielsweise sehr genau hin, wenn sie mit EC-Karte bezahlen, ob wir das EC-Gerät auch wirklich gründlich desinfiziert haben", sagt die Apothekerin. Das wird in der Apotheke seit etlichen Tagen nach jeder Benutzung gemacht.

Zuerst Mittel für Leute, die das System aufrecht erhalten

In der Linden-Apotheke in Niesky wird Desinfektionsmittel aus Isopropanol hergestellt. "Allerdings erhalten wir den Rohstoff nur scheibchenweise", sagt Apothekerin Yvonne Gärtner. Da die Desinfektionsmittel knapp sind, teilt die Linden-Apotheke sie ein. Bestimmte Berufsgruppen, darunter Ärzte,  Krankenschwestern, Altenpfleger, Polizisten, müssten bevorzugt mit Desinfektionsmitteln ausgestattet werden. Denn das seien die Menschen, die das System aufrecht erhalten müssen, sagt Frau Gärtner. Die Apothekerin hat festgelegt, dass vorrangig auch Personen, die Angehörige pflegen oder im Gesundheitswesen tätig sind, mit den selbst hergestellten Desinfektionsmitteln versorgt werden. Und auch an den eigenen Bedarf für die Arbeit in der Apotheke ist gedacht.  

Das Wichtigste: Händewaschen mit Seife

Wer kein Desinfektionsmittel in Geschäften oder Apotheken erhält, könne als Notlösung auf hochprozentigen Alkohol ausweichen, Klosterfrau Melissengeist zum Beispiel. "Aber das Allerwichtigste ist das richtige Händewaschen mit Seife", betont die Apothekerin. Denn das Coronavirus lasse sich damit gut bekämpfen, erklärt Yvonne Gärtner. Häufiges Händewaschen und Abstand halten zu Mitmenschen seien jetzt äußerst wichtig. Kranke Menschen bittet sie, nicht selbst in die Apotheke zu kommen, sondern Angehörige oder Nachbarn zu bitten. Schwer kranke Menschen können in der Apotheke auch anrufen. Yvonne Gärtner hat den Botendienst erweitert.

Verringert hat sie dagegen die Zahl der Patienten, die sich gleichzeitig in der Apotheke aufhalten sollen. Darauf verweist ein Schild an der Tür. 

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