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Die Biker aus dem Bunker

Das Domizil des Motorradclubs liegt im Verborgenen – und trotzdem versuchen die Männer, das Leben im Dorf zu bereichern.

Die Biker rund um Vereinspräsident Maik Zscheile  präsentieren zwei ihrer Maschinen.
Die Biker rund um Vereinspräsident Maik Zscheile präsentieren zwei ihrer Maschinen. © L. Weidler

Nünchritz.  Die Männer vom Bikerclub Bunker in Nünchritz mussten sich vergangene Woche einiges anhören: Kurz zuvor war in der Sächsischen Zeitung ein Bild des Bunkers erschienen, darüber die Überschrift „Volltrunken durchs Dorf“. Die Biker erreichten daraufhin zahlreiche Nachrichten, Gönner und Neider wollten wissen, was da losgewesen ist. „Dabei hatten wir damit gar nichts zu tun“, sagt Vereinspräsident Maik Zscheile, der unter den Bikern nur Howard genannt wird.

Vielmehr war es die Geburtstagsparty einer Gruppe junger Leute, bei der im März 2018 osteuropäische Bauarbeiter für Furore sorgten und zwei von ihnen schlussendlich mit einem VW Caddy um den Friedrich-von-Heyden-Platz kreisten (SZ berichtete). Der Bunker war an diesem Tag nur angemietet, die Biker selbst gar nicht vor Ort.

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Dieses Foto ihres Domizils hatte die Biker zuletzt verärgert.
Dieses Foto ihres Domizils hatte die Biker zuletzt verärgert. ©  Sebastian Schultz

„Wir vermieten den Bunker hin und wieder für Feiern. Das reicht vom 18. bis zum 60. Geburtstag“, erklärt Maik Zscheile, während er die schweren Türen zum Bunker öffnet. „Hier stören die Leute doch niemanden.“ In liebevoller Kleinarbeit haben sich die Biker in den vergangenen zwei Jahrzehnten ihr Domizil eingerichtet. Neben einer kleinen Bar gibt es Platz für einen Kicker, eine Dartscheibe, eine Tischtennisplatte und verschiedene Sitzmöglichkeiten. Immer freitags kommen die Biker hier zusammen und schauen Fußball oder planen neue Unternehmungen. „Oft sind auch Leute aus dem Ort dabei, die nicht zum Club gehören, aber gern Zeit im Bunker verbringen“, so Zscheile.

Das Hobby der rund 20 Männer ist nicht nur kostspielig, sondern verlangt ihnen auch einiges Engagement ab. Schließlich gibt es rund um den Bunker immer etwas zu tun, hier und dort stehen Reparaturen an. Die Finanzierung läuft vor allem über die Veranstaltungen, notfalls auch aus eigener Tasche. „Wir stecken hier wirklich viel Herzblut rein“, so Zscheile. Mit Vorfällen wie dem aus dem März 2018 werden die Biker deshalb nur ungern in Verbindung gebracht. „Von uns selbst war niemand dabei“, erklärt Vereinspräsident Zscheile. Und für die schwarzen Schafe, die in der Nähe des Bunkers auffällig werden, könne man nun einmal nichts.

Vielmehr versuchen die Biker, durch ganz andere Aktionen für Aufsehen zu sorgen: Bereits zum 23. Mal organisieren sie dieses Jahr ein Motorradclubtreffen, zu dem wieder Biker aus ganz Deutschland erwartet werden. Aber auch sonst gibt es Konzerte und Feiern auf dem Gelände. Bei einer davon haben die Biker mit der Band „Außensaiter“ eine Spendenaktion gestartet. Insgesamt 1 500 Euro sind auf diese Weise für das Kinderhospiz Bärenherz zusammengekommen. Für die Biker „ein Gänsehaut-Moment“.

Ganz ähnlich geht es ihnen mit ihrer alljährlichen Ausfahrt. Seit sechs Jahren nehmen sich die Männer im Alter von 25 bis 60 kurz vor den Sommerferien eine Woche frei und fahren mit ihren Maschinen über die Straßen Europas. In Polen und Schweden sind sie schon gewesen, dieses Jahr geht es nach Ungarn an den Balaton. „Wir versuchen, es immer wie eine Rundfahrt zu organisieren“, verrät Maik Zscheile. „Meist sind wir zwei Tage an einem Ort und dann geht es weiter.“ Fast 2 500 Kilometer legen die Biker vom Bunker in Nünchritz auf diesen Ausfahrten zurück. „Ein paar unvergessliche Tage.“