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Die großen Meister des Zwinger

An Dresdens wichtigstem Bauwerk haben die bedeutendsten Architekten und Künstler ihrer Zeit ihre Spuren hinterlassen.

Der Figuren des Nymphenbades
gehören zu denn schönsten Werken dekorativer Skulpturen in Deutschland. Viele von
ihnen stammen von der Hand
Balthasar Permosers.
Der Figuren des Nymphenbades gehören zu denn schönsten Werken dekorativer Skulpturen in Deutschland. Viele von ihnen stammen von der Hand Balthasar Permosers. © Sammlung H. Naumann/SZ Archiv

Von der unbezahlten Hilfskraft zum Stararchitekten: Matthäus Daniel Pöppelmann, der Erbauer des weltbekannten Dresdner Zwingers, musste sich mühsam emporarbeiten. Sein Name sowie der des Bildhauers Balthasar Permoser und des Architekten Gottfried Semper sind eng mit der Geschichte des Bauwerks verbunden.

Über die Jugend Pöppelmanns ist nur wenig bekannt. Er kam 1662 in Herford in Westfalen als Spross einer durch den Dreißigjährigen Krieg verarmten Kaufmannsfamilie zur Welt. Nach den Wanderjahren verschlug es ihn nach Dresden, das er bis zu seinem Tod 1736 nur selten verlassen sollte. Im Alter von nur 18 Jahren begann er im kurfürstlichen Oberbauamt mit Hilfsjobs, fertigte Zeichnungen an, wurde nach sechs Jahren zum Bau-Conducteur. Als solcher hat er sich um den Erhalt der kurfürstlichen Gebäude gekümmert. Sein späteres bautechnisches und künstlerisches Wissen dürfte er sich in jener Zeit vor allem von seinen damaligen Vorgesetzten wie Caspar von Klengel, Johann Georg Starcke und auch Johann Friedrich Karcher angeeignet haben. Nachdem Landbaumeister Markus Conrad Dietze in Polen tödlich verunglückt war, rückte Pöppelmann 1705 in dessen Stellung auf und erbte dessen Aufgabe: die Planungen für eine neues Schloss. Doch Pöppelmann war vielseitig. Er baute am Taschenbergpalais, plante für die neue Königsstadt, der jetzigen Inneren Neustadt, die Warschauer Königsresidenz, das Japanische Palais, die Augustusbrücke, für Kirchen, baute in Pillnitz das Wasser- und Bergpalais im Stil der Chinamode und entwarf Gartenanlagen. Erst 1718 wurde er zum Oberlandbaumeister befördert.

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1710 wurde Pöppelmann von August wegen des Schlossprojektes auf Bildungsreise nach Prag, Wien, Salzburg, und Italien geschickt. Doch wichtig sollte für ihn ein anderes Projekt werden: 1709 sollte Pöppelmann in den Zwingergärten im Festungsbereich eine Orangerie errichten. Doch nach einem Staatsbesuch des dänischen König Friedrich IV. entstand die Idee, dort ein höfisches Festgelände zu etablieren. Der Zwinger wurde für Pöppelmann das Werk seines Lebens. Zehn Jahre wird er mit ihm zubringen, ohne es je vollenden zu können.

Beim Zwinger gelang die Symbiose von Bauwerk und plastischem Schmuck auch deshalb so perfekt, weil Pöppelmann im Bildhauer Balthasar Permoser den idealen Künstler zur Seite hatte. Dieser war der Sohn eines Bauern aus Kammer bei Traunstein in Bayern. Nach einigem Schnitzunterricht zu Hause lernte er in Salzburg Bildhauerei, ging als 19-Jähriger nach Wien, dann für 14 Jahre nach Italien – Rom, Florenz, Venedig und Genua. Kurfürst Johann Georg III., der Vater Augusts des Starken, holte ihn 1689 als Hofbildhauer nach Dresden. Da war dieser schon 39 Jahre alt. Er soll ein schwieriger Mensch gewesen sein mit einem mächtigen Vollbart. Er fertigte kleinfigürliche Werke aus Elfenbein mit der gleichen Sorgfalt wie große Skulpturen.

Ab1711 war Permoser mit dem Figurenschmuck des Zwingers beschäftigt. Zu dieser Zeit war er schon 60 Jahre alt. In seiner Werkstatt gingen ihm Gesellen und Mitarbeiter zur Hand. Deshalb lässt sich nur schwer sagen, welche der Figuren von Permoser selbst stammen und welche er nur beaufsichtigt hat. Der Herkules auf dem Wallpavillon etwa trägt sein Namenszeichen und kann deshalb ihm zugeordnet werden. Auch die Hermen am Wallpavillon sind wohl von ihm, ebenso wie ein Teil der Figuren im Nymphenbad, die zu den schönsten Werken dekorativer Skulpturen in Deutschland gehören.

Nachdem der Zwinger mit den Feierlichkeiten zu der Hochzeit des Sohnes Augusts des Starken, des Kurprinzen Friedrich August II., mit der Kaisertocher Maria Josepha 1719 prunkvoll eingeweiht worden war, wurde es wieder ruhig um den Prachtbau. Die Kassen waren leer. Für August den Starken wurden andere Projekte wichtiger wie etwa die Schlösser Moritzburg, Pillnitz und Großsedlitz. Erst ab 1723 ging es am Zwinger zögernd weiter. Gefeiert wurde dort nur noch selten. Hinzu kam, dass der Hochbarock langsam aus der Mode kam. Mit Oberlandbaumeister Zacharias Longuelune gewann die klassizistische Richtung an Einfluss. Schließlich gab Pöppelmann die Hoffnung auf, sein Werk noch vollenden zu können.

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Erst mit dem aus Hamburg stammenden Gottfried Semper kam wieder Bewegung in das Baugeschehen. Er war 1834 als Professor an die Kunstakademie berufen worden und hatte 1837 einen „Forumplan“ vorgeschlagen: Der Zwingerhof sollte zur Elbe mit Orangerie und Opernhaus auf der einen und einer Gemäldegalerie auf Hofkirchenseite erweitert werden, mit Freitreppe und Anlegestelle am Fluss. Zehn Jahre kämpfte Semper vergeblich um seine Idee. Gebaut wurde lediglich das erste Opernhaus, das 1869 einem Brand zum Opfer fiel. Semper wurde beauftragt, die offene Zwingerseite mit einem Galeriebau zu schließen. Der Deutsche und der Französische Pavillon wurden im Erdgeschoss miteinander verbunden, im Obergeschoss aber blieben die Gebäude eigenständig. Die von Semper für den Bau gewählte Formensprache der italienischen Hochrenaissance atmete nicht mehr die spätbarocke Heiterkeit. Der Figurenschmuck der Bildhauer Ernst Hähnel und Ernst Rietschel wirkte mehr dekorativ, ohne mit dem Bauwerk zu verschmelzen, wie bei Pöppelmann und Permoser. 1847 wurde der Grundstein gelegt. Semper wollte eigentlich eine höhere Kuppel und mehr Figuren. Doch er hat die Fertigstellung der Galerie 1854 nicht mehr miterlebt. Er war nach der Beteiligung am Maiaufstand von 1849 aus der Stadt geflohen.

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