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Die Katzenmutter von Pirna

Trotz der Corona-Krise und Schließung des Pirnaer Tierheimes bleibt Christel Otto ihren Lieblingen treu.

Christel Otto arbeitet ehrenamtlich im Tierheim Pirna. Ihrem Lieblingskater Purzi geht es gut.
Christel Otto arbeitet ehrenamtlich im Tierheim Pirna. Ihrem Lieblingskater Purzi geht es gut. © privat

Donnerstagmittag. Es ist merkwürdig ruhig im Tierheim Pirna. Kein Wunder, denn wegen der Corona-Krise hat die Einrichtung für den Besucherverkehr geschlossen. Trotzdem öffnet sich gegen 13 Uhr die Tür zum Katzenzimmer. Kater Purzi weiß Bescheid. "Seine" Christel Otto ist da und hat auch heute wieder ein Extra-Leckerli mitgebracht. Aber zuerst wird der dicke Kater erst mal ordentlich durchgekrault, was ihm sichtlich gefällt. Danach begrüßt die Katzenmutter des Tierheimes ihre anderen Lieblinge, ebenso zugewandt.

Seit  gut zehn Jahren arbeitet Christel Otto aus Königstein ehrenamtlich in der Einrichtung in Pirna-Krietzschwitz und ist hauptsächlich für die Katzen verantwortlich.  "Es ist für mich eine Art Lebensaufgabe", meint die 66-jährige ehemalige Grundschullehrerin.

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Wie ist es dazu gekommen? Eigentlich mochte Christel Otto haarende Katzen früher nicht sonderlich. "Ich hatte mit Tieren nicht viel am Hut", sagt sie. Das ändert sich schlagartig, als ihr Mann ein kleines Kätzchen vor mehreren Jahren  mit nach Hause bringt. Er hatte den Vierbeiner hilflos auf dem Wismut-Gelände bei Leupoldishain gefunden. Christel Otto überlegt nicht lange, nennt die Fundkatze Lumpi und zieht sie liebevoll mit der Flasche auf. Seitdem gehört Lumpi mit zum Haushalt der Ottos. Fassungslos ist Christel Otto, als ihre Lumpi vor zehn Jahren von einem Auto überfahren wird. "Ich habe damals sehr gelitten." So sehr, dass ihr die Ärztin empfiehlt, sich im Tierheim umzusehen und Kontakt zu den Katzen dort aufzunehmen.

Das macht Christel Otto. Zunächst ist sie nur manchmal nachmittags in dem Pirnaer Tierheim, setzt sich in das Katzenzimmer und versucht, scheue Katzen, die keine Chance auf Vermittlung haben, handzahm zumachen. Es gelingt, und zwar so erfolgreich, dass sie später auch die Vermittlungsgespräche mit Interessenten führt. Die Tierheimmitarbeiter beziehen sie immer mehr in die tägliche Arbiet mit ein und sind froh, dass sie entlastet werden. Denn soviel Aufmerksamkeit wie Christel Otto können sie den Stubentigern während ihrer regulären Arbeitszeit nicht geben.

"Wenn ich komme, um zu schauen, ob es den Katzen gut geht, spüre ich, dass sie sich freuen", sagt Otto. Oftmals bringt sie ihren Lieblingen eine leckere Kleinigkeit extra mit. Auch das schafft Vertrauen und Zuneigung.

Bei den Vermittlungsgesprächen achtet sie sehr genau darauf, welche Katze in welchen Haushalt gut passen könnte. "Wenn eine Katze besonders schmusebedürftig ist, die Eigentümer aber den ganzen Tag arbeiten, ist es nicht so gut. Das sage ich dann auch in den Gesprächen ganz ehrlich. Schließlich geht es darum, dass die Tiere nach der Probezeit möglichst nicht wieder zurückgebracht werden", erläutert die Katzenmutter ihr Konzept. Ihre absoluten Lieblinge geleitet sie auch schon mal selber in das neue Zuhause. "Dann setze ich mich mit der Katze auf die Couch, die neuen Besitzer kommen dazu, wir streicheln das Tier, sodass eine gute Übergabe gewährleistet ist. Das Tier kann auf diese Weise Vertrauen zum neuen Herrchen oder Frauchen aufbauen", weiß Otto.

Meistens telefoniert sie zwei oder drei Tage später mit den neuen Besitzern und freut sich, wenn alles läuft und über die ersten Bilder von einem zufriedenen Haustier und glücklichen Eigentümern.

Natürlich muss sie auch traurige Geschichten erzählen. Nicht alle Katzen, die im Tierheim abgegeben werden, schaffen es. Einige sind so krank, dass sie eingeschläfert werden müssen. "Es ist furchtbar", sagt Christel Otto und wischt sich bei diesen Worten über die Augen.

Dann fasst sie aber wieder Mut und macht für diesen Donnerstag ihre Abschlussrunde. "Morgen komme ich wieder", ruft sie den Tieren noch zu. Purzi spitzt die Ohren und schnurrt. Er weiß, dass er sich auf die Katzenmutter von Pirna verlassen kann. Auch in Zeiten von Corona.

Wegen der Corona-Pandemie ist das Tierheim Pirna ab sofort für den öffentlichen Besucherverkehr geschlossen. Das gilt auch für Besucher, die ihre vorbestellten Tiere aufsuchen, oder ein Tier adoptieren möchten.


Gassigeher dürfen keine Hunde mehr ausführen

Das Tierheimfest im April findet nicht statt. Wenn möglich wird ein Ersatztermin bekanntgeben.

Fundtiere und Abgabetiere werden nach telefonischer Anfrage weiterhin aufgenommen. Nassfutterspenden sind sehr gern gesehen und können  "kontaktlos" vor die Tür gestellt werden. Von Trockenfutter- oder Sachspenden bittet das Heim  vorerst abzusehen.

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