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Architektin rettet Rittergut

Laura Ehrlich suchte ländliche Ruhe und eine Herausforderung. Gefunden hat sie beides in Cunewalde.

Heute lässt sich nicht mehr erahnen, wie heruntergekommen das ehemalige Gutsverwalterhaus in Cunewalde war, bevor Laura Ehrlich und ihr Partner es saniert haben.
Heute lässt sich nicht mehr erahnen, wie heruntergekommen das ehemalige Gutsverwalterhaus in Cunewalde war, bevor Laura Ehrlich und ihr Partner es saniert haben. © SZ/Uwe Soeder

Cunewalde. Malerisch thront das Verwalterhaus des einstigen Rittergutes Niedercunewalde über der Straße an der Wolfsschlucht. Eine breite Auffahrt aus Natursteinpflaster windet sich – von Wildblumenwiesen gesäumt – die Auffahrt hinauf. Oben angekommen mischen sich ländliche Idylle und morbider Charme. Jenseits des Gartens erkennt man das ehemalige Gutshaus. Der dazu gehörenden Scheune fehlt das Dach. Die Wände sind zum Teil in sich zusammengestürzt.

Das Verwalterhaus präsentiert sich indes in gedecktem Weiß, schmückt sich mit Säulen aus Naturstein. Im Garten davor zeugen Kinderspielzeuge von Leben und Terrassenmöbel von Gemütlichkeit. Aus der Eingangstür kommt, mit Gartenclogs und breitem Lächeln, Hausherrin Laura Ehrlich.

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Sie bittet in den modernen Essbereich hinter meterdicken Granitmauern und fängt an zu erzählen. Die Geschichte handelt davon, wie aus einem dem Verfall preisgegebenen Haus ein Heim für eine Familie wurde. Sie beginnt mit Sehnsucht und Urwald.

Großstadtleben gegen Grün getauscht

Um Architektur zu studieren, ging Laura Ehrlich nach Dresden, blieb nach dem Abschluss zwei weitere Jahre dort. Während dieser Zeit wurde sie einige Eigenschaften der Landeshauptstadt leid: „Ich bin ein Mensch mit Heimat- und Familienbezug. Nur am Wochenende zu Hause zu sein, war mir zu wenig. In Dresden fehlte mir irgendwann der Erholungseffekt, kein Durchatmen war mehr möglich“, erinnert sie sich. In ihr reifte der Entschluss, in die Heimat zurückzukehren.

Kaum hatte sie 2013 eine Wohnung in Bautzen bezogen, wurde der jungen Architektin klar: „Ich wollte selbst etwas schaffen. Lebensgefühl ist für mich mit dem Gedanken Haus verbunden.“ Die Wohnortwahl ging Laura Ehrlich strukturiert an. Sie begann mit einer Entscheidung: „Viel Grün und Ruhe und Prager Straße und Semperoper – diese eierlegende Wollmilchsau eines Wohnortes – die gibt es nicht", stellte sie fest. Sie entschied sich für Grün und Ruhe.

Dann zog Laura Ehrlich einen imaginären Kreis um Bautzen. 15 Minuten – länger sollte die Autofahrt vom Wohnort in die Kreisstadt nicht dauern. Mehr oder weniger zufällig stieß sie bei diesem Verfahren auf Cunewalde und rannte dort offene Türen ein: „Der Bürgermeister ist sehr interessiert daran, Rückkehrern eine Perspektive zu geben“, sagt sie.  Außerdem habe die zwischen Czorneboh und Bieleboh gelegene Gemeinde einen guten Ruf und viel Infrastruktur. Laura Ehrlich sah sich einige Objekte an, war dabei auf der Suche nach „irgendetwas Altem mit Charme und Altbausubstanz“.

Dem Bauchgefühl vertraut

2015 schließlich stieß sie bei ihrer Suche auf das Gutsverwalterhaus und einen Urwald – so nennt sie es selbst. „Aus dem Haus wuchsen teilweise 20 Jahre alte Birken, als sei es einfach vergessen worden“, erinnert sie sich. Und dann vertraute Laura Ehrlich ihrem Bauch: „Wie das manchmal so ist, fühlte sich das Haus passend an.“

Der Rest ist schnell erzählt: Im August 2015, wenige Monate nach dem ersten Kontakt mit dem ehemaligen Eigentümer, wechselte das denkmalgeschützte Gebäude den Besitzer. Seitdem hat sich das seit der Wende leerstehende Anwesen komplett gewandelt. Laura Ehrlich erzählt: „Am Anfang haben wir nur Bäume gefällt und gerodet. Dann gab es natürlich viele Ideen, wie man das Gebäude denkmalgerecht sanieren, den Charakter bewahren, es aber trotzdem in die Neuzeit transportieren kann. Das Haus zu verschandeln oder zu verformen, kam nicht infrage.“

Laura Ehrlich und ihr Partner gingen behutsam vor. Die Deckengewölbe blieben erhalten, ein Großteil der Zimmeraufteilung auch. Die Granittreppe wurde abgerissen und durch ein neue ersetzt. Der Essbereich der Familie gewann dadurch luftige Höhe. Erhellt wird der Raum mit den tiefen Fensterbänken von einer hohen Glasfassade an der Nordseite des Giebels. „Dort gab es kein einziges Fenster“, erklärt Laura Ehrlich, lässt den Blick auf die Terrasse schweifen und sagt: „Das ist herrlich, ebenerdig in den Garten zu gehen.“

Alte Granitmauer ist als nächstes dran

Die Vorzüge der Großstadt vermisst sie kaum: „Dresden ist ja nicht weit und dafür, dass Cunewalde mitten im ländlichen Raum liegt, lebt es sich hier wirklich gut. Keine der jungen Familien, die ich kenne, haben es bereut, hergezogen zu sein.“

Wie zum Beweis führt Laura Ehrlich zum Abschied durch ihren Garten. Die alte Granitmauer, die das Grundstück zur Straße hin begrenzt, solle als nächstes saniert werden, erklärt sie. Was sie mit der Scheune machen wollen – da hätten ihr Partner und sie noch keinen Plan. Und auch die Gartengestaltung sei noch ein Vorhaben. Aber das ist nicht schlimm, findet sie: „Man muss mit dem Wissen an so ein Vorhaben rangehen, dass nicht alles sofort passiert. Fertig wird man nie. Aber mir macht das kein schlechtes Gefühl. Dafür genieße ich die Freiheit und den Platz hier viel zu sehr.“

So sah das Gebäude aus, bevor Laura Ehrlich und ihr Partner mit der Sanierung begannen.
So sah das Gebäude aus, bevor Laura Ehrlich und ihr Partner mit der Sanierung begannen. © privat
Das Gelände des ehemaligen Rittergutes war völlig zugewuchert.
Das Gelände des ehemaligen Rittergutes war völlig zugewuchert. © privat
Am Nordgiebel gab es früher kein einziges Fenster. Jetzt befindet sich dort eine große Glasfront. Davor liegt eine große Terrasse.
Am Nordgiebel gab es früher kein einziges Fenster. Jetzt befindet sich dort eine große Glasfront. Davor liegt eine große Terrasse. © SZ/Uwe Soeder

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