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Die neue Landrätin auf Zeit

Janet Putz erklärt, weshalb sie nicht zur Landratswahl antritt. Jetzt muss sie trotz Corona einen Haushalt aufstellen.

Janet Putz wird wohl im September dieses Jahres für einige Wochen Landrätin.
Janet Putz wird wohl im September dieses Jahres für einige Wochen Landrätin. © Claudia Hübschmann

Frau Putz, Sie werden am 1. September dieses Jahres für einige Wochen neue Landrätin von Meißen. Ist das so richtig?

Wenn Landrat Arndt Steinbach am 31. August aus seinem Amt ausscheidet und als Geschäftsführer der kommunalen Versicherung Kommunaler Schadensausgleich für die neuen Bundesländer nach Berlin wechselt, werde ich als 1. Beigeordnete des Landkreises die Aufgaben des Landrates übernehmen. Das ist nicht automatisch so, aber offensichtlich hat der Kreistag, der auch anders entscheiden könnte, das Vertrauen in meine Person und in die Arbeit der Verwaltung für die Übergangszeit.

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Für welchen Zeitraum wird das sein? Bis Weihnachten etwa?

Ja, so etwa. Maximal bis Januar 2021 beziehungsweise bis zu dem Zeitpunkt, zu dem der neue Landrat seinen Dienst antritt. Laut Sächsischer Landkreisordnung hat die Wahl spätestens ein halbes Jahr nach Freiwerden der Stelle zu erfolgen. Das wäre der Februar 2021. Die Wahl war vor der Corona-Pandemie für den 20. September geplant, aber noch nicht beschlossen. Jetzt einigte sich der Ältestenrat dazu, dass die Wahl zu einem späteren Termin stattfindet. Nach neuester Regelung in der Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung ist die Durchführung von Nominierungsveranstaltungen zwar wieder erlaubt. Jedoch sollten die Kandidaten genügend Zeit zur Führung des Wahlkampfes erhalten. Die Wahl des neuen Landrates könnte am 1. November oder am 8. November stattfinden. Ich persönlich bin für den 8. November, denn der 1. November ist der letzte Tag der Herbstferien. Die Entscheidung darüber trifft aber der Kreistag.

Sie haben lange gezögert und dann entschieden, sich nicht zur Wahl zu stellen. Was sind die Gründe?

Es ist eine persönliche Entscheidung. Ich habe lange gezögert, auch weil erstaunlich viele mich zu einer Kandidatur bewegen wollten. Da habe ich schon überlegt und abgewogen. Meine aktuelle Tätigkeit mache ich sehr gern, sie ist anspruchsvoll und füllt mich voll aus. Es bleibt schon so wenig Zeit für die Familie. Als Landrätin wäre es noch weniger, wenn man Landrat richtig macht. Schließlich haben wir zu Hause einen Familienrat abgehalten und gemeinsam die Entscheidung gefällt.

Dass die Meißner CDU Sie nicht gerade mit offenen Armen empfing, hat nichts mit der Entscheidung zu tun?

Ein persönliches Gespräch, welches der CDU-Kreisvorsitzende mit mir führen wollte, konnte aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Unabhängig davon war er aber bereits über meine Entscheidung informiert. Mangelnde Unterstützung aus der Partei heraus habe ich nicht wahrgenommen. Im Gegenteil. Insbesondere in der Zusammenarbeit im Kreistag nehme ich Wertschätzung und Anerkennung für die Arbeit, die ich gemeinsam mit einem hoch motivierten Team leiste, wahr. Dies im Übrigen über die CDU hinaus.

Sie haben 2015 die Oberbürgermeisterwahl in Großenhain im zweiten Wahlgang gegen den parteilosen Sven Mißbach verloren. Spielte das eine Rolle bei Ihrer Entscheidung?

Nein. Dass einen diese Wahlniederlage beschäftigt hat, ist doch menschlich. Für die Landratswahl wäre die Ausgangsposition eine andere. Aber da ich Ihnen meine Beweggründe zur Nichtkandidatur geschildert habe, spielte es für diese Entscheidung keine Rolle.

Sie gelten als Fachfrau für Finanzen und Soziales. Aber irgendwie trauten Ihnen einige den Auftritt auf großer Bühne und vielleicht das Ziehen von Strippen hinter den Kulissen nicht so richtig zu. Ist da etwas dran?

Dass ich auch große Bühne kann, dürfte ich bewiesen haben. Insbesondere wenn ich stellvertretend für unseren Landrat unterwegs war. Denn regulär gehört die große Bühne ihm. Als 1. Beigeordnete obliegt mir gleichzeitig die Leitung von sechs Ämtern und dem Jobcenter. Bestandteil meiner Tätigkeit ist dabei, für mehrheitsfähige Lösungen zu sorgen. Das ist bisher, so meine ich, gut gelungen.

Wird es eine Abschiedsfeier für Arndt Steinbach geben?

Unbedingt. Er hat es nach 17 Jahren an der Spitze des Landkreises verdient, in einem würdevollen Rahmen verabschiedet zu werden. Der Juli als Termin ist zur Zeit nicht umsetzbar, wir avisieren jetzt den September und werden dazu im Ältestenrat Konkreteres beraten. Übrigens habe ich wie Arndt Steinbach an der Verwaltungsfachhochschule Ludwigsburg studiert. Und dort auf dem Campus erfahren, dass einer der Absolventen Bürgermeister von Wilsdruff geworden ist. Später sollte sich herausstellen, dass es Arndt Steinbach war. Er war damals jüngster Bürgermeister Deutschlands.

Als Kandidaten für die Nachfolge sind bis jetzt bekannt der CDU-Kreisvorsitzende Sebastian Fischer, der Zeithainer Bürgermeister Ralf Hänsel und die Radebeulerin Elke Siebert für die Grünen. Es werden sicher noch mehr werden. Haben Sie einen persönlichen Wunschkandidaten?

Wir brauchen eine Person, welche kommunale Verwaltungserfahrung mitbringt, unseren wunderbaren Landkreis gemeinsam mit dem Kreistag und der Verwaltung weiterentwickeln möchte und es auch versteht, Menschen zu verbinden.

Ihr nächster wichtiger Job ist die Aufstellung eines Doppelhaushaltes für 2021 und 2022. Geht das überhaupt, angesichts der unklaren Lage in der Corona-Pandemie?

Zumindest wird es sehr schwer. Uns fehlen verlässliche Aussagen. Bereits vor der Corona-Pandemie zeichnete sich ab, dass die Haushaltsaufstellung sowie der erforderliche Haushaltsausgleich im Vergleich zu den vergangenen Haushaltsjahren noch deutlich anspruchsvoller wird. Durch die Pandemie verschlechtert sich die Situation nun noch mal deutlich. Steigende Soziallasten, wegbrechende Einnahmen, auch steigende Ausgaben beim ÖPNV und vieles mehr. Teilweise lassen sich aktuell noch keine verlässlichen Prognosen zum tatsächlichen Ausmaß stellen. Daher werden wir noch im Sommer über das weitere Verfahren beraten. Eins ist mir wichtig: Wir brauchen eine Lösung, welche für den Landkreis und seine Städte und Gemeinden tragbar ist. Wir sitzen in einem Boot.

Das Gespräch führte Ulf Mallek.

Janet Putz

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  • 1973 in Meißen geboren
  • 1980 – 1992 Schulzeit (POS Priestewitz und EOS Großenhain) - Abitur 
  • 1992 – 1996 Studium an der Fachhochschule Ludwigsburg/Hochschule für öffentliche Verwaltung – Diplom-Verwaltungswirtin (FH)
  • 1996 – 1998 Kämmerin in Heynitz 
  • 1998 – 2001 Sachgebietsleiterin Haushalt in der Kreiskämmerei Landkreis Riesa-Großenhain
  • 2001 – 2008 Kreiskämmerin Landkreis Riesa-Großenhain, zwischendurch zwei Elternzeiten
  • 2008 – 2016 Kreiskämmerin Landkreis Meißen
  • seit 2016 (April) 1. Beigeordnete und Leiterin des Dezernates für Soziales (mit Finanzen) 

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