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Die Querulantin vom Hain

Erika Blume will das Zittauer Gebirge für den Durchgangsverkehr sperren lassen. Dafür kämpft die 65-Jährige mit allen Mitteln. "Verrückt", sagen die Leute.

Es ist die pure Idylle für Erika Blume hier oben im Oybiner Ortsteil Hain. Wenn nur die vielen Autos und Motorräder nicht wären.
Es ist die pure Idylle für Erika Blume hier oben im Oybiner Ortsteil Hain. Wenn nur die vielen Autos und Motorräder nicht wären. © Foto: Rafael Sampedro

Erika Blume ist verrückt! So sagen es die Leute. Und so haben es ihr zu DDR-Zeiten auch die Ärzte bescheinigt. Gegen die Ärzte hat sich die studierte Sportlehrerin ein Leben lang gewehrt. Aber was die Leute sagen, das ist ihr ziemlich schnuppe. Sollen sie doch alle reden und sie verachten! Sie macht sich nichts draus. Sie wird nicht aufgeben zu kämpfen. Niemals! 

Wie zum Trotz steht Erika Blume auf der kleinen Wiese ganz oben auf dem Hain. Hier oben, genau gegenüber, hat sie ein Gartengrundstück, direkter Blick zum Johannisstein. Die pure Idylle. Wenn da nicht die vielen Autos und Motorräder wären, die vor allem an den Wochenenden die Ruhe stören. Nicht nur ihre eigene Ruhe, betont die Rentnerin.

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Erika Blume kämpft dafür, dass nicht mehr so viele Autos hier heraufkommen, dass am besten gleich das ganze Zittauer Gebirge für den Durchgangsverkehr gesperrt wird. "Die Leute können doch ganz bequem mit dem Bus oder der Kleinbahn anreisen", findet sie. So wie sie selber es doch auch tut. Heute Vormittag hat sie wieder als einziger Fahrgast im Bus aus Zittau gesessen. Hinter dem Bus eine Autoschlange. "Muss das so denn sein?", fragt sie.

Ihren Kampf für ein vom Durchgangsverkehr befreites Gebirge führt  Erika Blume mit allen Mitteln: Die 65-Jährige schreibt Briefe ans Landratsamt, an Bürgermeister, an den Wirtschaftsminister. Sie schickt Leserbriefe an die Zeitung. Sie verfasst Petitionen, die außer ihr aber noch niemand unterschrieben hat.

Viele in Oybin sind genervt von dieser nimmermüden Frau und ihren Aktivitäten. Sie vertreibt uns die Gäste, schimpfen die Nachbarn. Man müsse sich das mal vorstellen: Da wollen Wanderer oder Skifahrer auf der kleinen Wiese gegenüber ihrem Gartengrundstück ihr Auto parken - und diese Frau erscheint und jagt die Touristen davon.  

Erika Blume zuckt mit den Schultern. "Die kleine Wiese ist doch kein Parkplatz", sagt sie. "Wie soll sie denn im Sommer eine Schmetterlingswiese werden, wenn die Autos hier alles plattfahren?" Auch der Wanderparkplatz oben auf dem Stern ist ihr ein Dorn im Auge. Die ständigen Falschparker am Straßenrand sind es sowieso. Sie marschiert hin, wenn sie die Leute aussteigen sieht und stellt sie zur Rede. Irgendjemand muss das doch mal machen, sagt sie. Sie notiert auch die Kennzeichen und schickt die Liste ans Ordnungsamt. 

Erika Blume liebt das Zittauer Gebirge und den kleinen Garten hier oben auf dem Hain seit Kindertagen. Sie hat sich ein Glas Apfelsaft eingeschenkt, selbstgemacht vom aufgesammelten Fallobst. Jetzt sitzt sie auf einem klobigen Holzstamm und blickt hinüber zum Johannisstein. "Ist das nicht wunderschön hier?" Dieser wilde Garten, in dem wächst, was der Wind bringt, die uralte Gartenlaube, die irgendwann mal renoviert werden muss, der Sauerampfer, den sie in den Salat pflückt.

Wenn der Zittauer Gebirgsexpress vorbeikommt, der die Touristen auf den Hochwald kutschiert, dann stinkt es nach Diesel. "Dabei könnten die Leute doch laufen", sagt Erika Blume, die mal Sport studiert hat. "Die Menschen müssen doch begreifen, dass sie sich viel mehr bewegen müssen", sagt sie. "Wer seinen Körper und seine Hände bewegt, der wird auch nicht dement", ist sie überzeugt. 

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Erika Blume redet sich den Mund fusselig. Von den meisten Oybinern wird sie belächelt, von manchen auch böse angegangen. "Eine Querulantin", so hat eine Einwohnerin des Ortsteils sie kürzlich bezeichnet. Erika Blume lächelt milde. Die Schmetterlingswiese gegenüber soll jetzt ein offizieller Parkplatz werden, hat sie gehört. Sie wird versuchen, es zu verhindern. 

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