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Bischofswerda: Zwei Arztpraxen gerettet

Für Diabetiker und Herzpatienten bleiben die bekannten Anlaufstellen in der Stadt erhalten. Mit einer Einschränkung.

Dr. Ellen Maneck arbeitet in Bischofswerda jetzt unter dem Dach der Oberlausitz Kliniken, aber weiterhin in ihren bisherigen Räumen.
Dr. Ellen Maneck arbeitet in Bischofswerda jetzt unter dem Dach der Oberlausitz Kliniken, aber weiterhin in ihren bisherigen Räumen. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Zwei neue Praxen gibt es jetzt im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ), das die Oberlausitz-Kliniken in Bischofswerda betreiben. Internistin Dr. Ellen Maneck, die bisher beim KfH Nierenzentrum als Fachärztin angestellt war, wechselte zum 1. Juli als Allgemeinmedizinerin mit dem Schwerpunkt Diabetologie ins MVZ der Oberlausitz-Kliniken (OLK).

Hinzu kommt eine Kardiologische Praxis, die nun die Bautzener Fachärztin für Innere Medizin Katharina Wiebelitz besetzt. Zweimal in der Woche - Dienstagvormittag und Donnerstagnachmittag - bietet sie jetzt in Bischofswerda Sprechstunden an. 

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Hausärztin mit dem Schwerpunkt Diabetologie

Das KfH-Nierenzentrum hatte in Bischofswerda bisher ein eigenes MVZ, das mit Fachärztin Dr. Ellen Maneck und bis Ende vergangenen Jahres einer Hausärztin besetzt war. Das Kuratorium für Hämodialyse (KfH) ist auf die Betreuung von Patienten mit schweren Nierenleiden spezialisiert. Ein Medizinisches Versorgungszentrum mit mehreren Arztpraxen zu unterhalten, gehört nicht zu dessen Kernaufgaben, sagt Ellen Maneck. Zudem sei vieles leichter zu organisieren, wenn die Ansprechpartner vor Ort in Bischofswerda oder in Bautzen sitzen statt in Hessen.

Nach der Übernahme durch die OLK können weiterhin alle bisherigen  Disziplinen angeboten werden, sagt OLK-Geschsäftsführer Reiner E. Rogowski. Das sind die hausärztliche Versorgung, die Betreuung von Diabetes-Patienten und die Kardiologie. 

Beide Praxen bleiben am angestammten Ort  im Haus des KfH im hinteren Bereich des Krankenhauses. Die Oberlausitz-Kliniken mieten dort die Räume. 

Dr. Ellen Maneck ist vielen in Bischofswerda seit Jahren gut bekannt. Sie war Oberärztin im Krankenhaus, ging 2002 in die eigene Niederlassung und wechselte im Jahr 2009 als Fachärztin ans Versorgungszentrum des KfH. 

Mit den Abteilungen des Krankenhauses arbeitete die Ärztin bereits in den vergangenen Jahren eng und auf kurzem Weg zusammen. Auch mit den Nierenspezialisten in der Etage über ihr wird sie weiterhin kooperieren, schon aufgrund ihrer Spezialisierung als Diabetologin. "Viele Patienten, die an Diabetes erkranken, bekommen früher oder später auch Probleme mit ihren Nieren und können Kandidaten für eine Dialyse sein", sagt Ellen Maneck. 

Gesundheitsstandort Bischofswerda wird gestärkt

Die Initiative für den Praxiswechsel ging von den Oberlausitz-Kliniken aus. "Damit stärken wir den Gesundheitsstandort Bischofswerda", betont Reiner E. Rogowski.  Er sieht den gesamten Krankenhauskomplex  an der Kamenzer Straße als ein medizinisches Zentrum, das beispielhaft nicht nur für Sachsen ist. 

Die Kliniken des Krankenhauses, die Tochtergesellschaft OL Physio, die Überleitungs- und Kurzzeitpflege in Trägerschaft der Volkssolidarität, ein ambulantes OP-Zentrum, das Nierenzentrum des KfH,  die Mehrzahl der Praxen des Mediznischen Versorgungszentrums und die Rettungswache befinden sich hier in direkter Nachbarschaft und sichern den Patienten und Mitarbeitern kurze Wege. 

Die Oberlausitz Kliniken und ihre Tochtergesellschaften, darunter die Oberlausitz Pflegeheim und Kurzzeitpflegegesellschaft,  sind der mit Abstand größte Arbeitgeber in Bischofswerda. Zusammen sichern sie 1.100 Arbeitsplätze in der Stadt, davon rund 300 im Krankenhaus. 

Weitere Wege zum Röntgen

Mit ihrem Wechsel von der Fach- zur Hausarztpraxis verbindet sich jedoch auch ein Wermutstropfen, sagt Ärztin Maneck. Sie hat damit die Berechtigung verloren, Patienten gleich ins benachbarte Krankenhausgebäude zum Röntgen zu schicken. Von nun an müssen diese für ein Röntgenbild nach Bautzen, Kamenz oder Dresden fahren. Das betrifft im Schnitt 200 vorwiegend ältere Menschen im Quartal. 

Auch eine Überweisung zur Duplex-Sonografie, einer speziellen Methode einer Ultraschalluntersuchung, ist jetzt nicht mehr möglich. Das liegt aber weder an der Ärztin noch an den OLK, sondern am Abrechnungssystem ärztlicher Leistungen in Deutschland. Hausärzte dürfen nicht alle Leistungen verschreiben, zu denen Fachärzte berechtigt sind.

Ellen Maneck hat dafür im Interesse ihrer Patienten kein Verständnis: "Meine Fähigkeiten als Fachärztin habe ich ja nicht über Nacht verloren, nur weil ich die Fachrichtung gewechselt habe", sagt sie. Trotzdem steht sie mit Blick auf ihre Spezialisierung zu diesem Wechsel: "90 Prozent aller Diabetologen in Deutschland sind Hausärzte." 

Dialysezentrum bleibt in Bischofswerda

Reiner E. Rogowski denkt bereits darüber nach, wie diese Leistungen eventuell kompensiert werden könnten. Für ältere, nicht mehr mobile Menschen könnte er sich eine Art Shuttleverkehr ins Bautzener Krankenhaus zum Röntgen vorstellen. Doch das wäre Neuland und müsste mit den Krankenkassen verhandelt werden. 

Das KfH-Nierenzentrum, das auch im Bautzener Krankenhaus mit einem Dialysezentrum  vertreten ist, hält am Standort Bischofswerda fest. Es beschäftigt hier knapp 30 Mitarbeiter, davon drei Ärztinnen. Neben der Dialyse wird auch eine Nieren-Sprechstunde angeboten. Aktuell  kommen etwa 85 Patienten aus der Region dreimal wöchentlich zur Dialyse nach Bischofswerda.  

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