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Baustart fürs Blaue Wunder in Sicht

Die Stahlkonstruktion des Dresdner Wahrzeichens bekommt frische Farbe. Welche Einschränkungen auf die Dresdner zukommen.

Brücken-Abteilungsleiter Andreas Gruner auf dem Blauen Wunder. Die Stahlkonstruktion der 1893 fertiggestellten Brücke soll saniert werden und einen frischen Anstrich bekommen.
Brücken-Abteilungsleiter Andreas Gruner auf dem Blauen Wunder. Die Stahlkonstruktion der 1893 fertiggestellten Brücke soll saniert werden und einen frischen Anstrich bekommen. © René Meinig

Dresden. Schon 127 Jahre ragt das Blaue Wunder im Elbtal empor. Die Stahlkonstruktion braucht nach 30 Jahren wieder frische Farbe. Die Stahlbau- und Korrosionsschutzarbeiten sollten eigentlich bereits 2018 beginnen. Doch der Baustart war geplatzt, weil sich nach der öffentlichen Ausschreibung nur zwei Firmen gemeldet hatten. Deren Angebote entsprachen jedoch nicht den Bedingungen.

Jetzt bereitet die Stadt den zweiten Anlauf vor. „Derzeit laufen die Planungen für den Stahlbau und den Korrosionsschutz“, sagt Brücken-Abteilungsleiter Andreas Gruner vom Straßenbauamt. Anfang 2022 soll der Bau beginnen. Dafür muss der Freistaat jedoch die nötigen Fördermittel für das 40 Millionen Euro teure Großprojekt bestätigen. Gruner erläutert, was geplant ist.

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Die Gerüste: Statiker haben Belastung genau geprüft

Während der Bauzeit soll der Verkehr weitgehend aufrechterhalten bleiben. Deshalb haben Baustatiker genau berechnet, wie die 3.800 Tonnen schwere Stahlkonstruktion während der Sanierung belastet werden kann. Aufgebaut werden jährlich jeweils zwei bis vier Gerüstabschnitte zwischen zwölf und 46 Metern Länge, die zum Schutz der Umwelt unter zweilagigen weißen Planen verschwinden. Je höher sie empor ragen, beispielsweise an den Pylonen, umso schmaler werden sie, erklärt Gruner. Schließlich soll das statische System nicht überlastet werden. „Wir fangen in der Mitte an und arbeiten uns zu den Seiten vor“, erläutert er den jährlichen Aufbau der Gerüste.

Der stählerne Überbau des Blauen Wunders soll bei der Sanierung abschnittsweise unter Gerüsten verschwinden.
Der stählerne Überbau des Blauen Wunders soll bei der Sanierung abschnittsweise unter Gerüsten verschwinden. ©  Foto: Rene Meinig

Die Farbe: Neuer Anstrich nach dem Vorbild von 1893

Das denkmalgeschützte Bauwerk erhält wieder den blauen Farbton wie zur Übergabe 1893. Bei Untersuchungen unterm Mikroskop waren sechs bis sieben Schichten gefunden worden, darunter auch die ursprüngliche Farbe von 1893. Ihren letzten Anstrich hatte die Brücke zu Wendezeiten erhalten. 

Am Blasewitzer Ende gibt es bereits Probefelder mit der neuen alten Farbe. Zu sehen ist sie bereits an den Außengeländern des elbabwärts liegenden Fußwegs, der bis Anfang dieses Jahres saniert wurde. Bis zu fünf Farbschichten werden auf die neue Stahlkonstruktion aufgebracht. Die Geländer des bis 2015 gestrichenen elbaufwärts liegenden Fußwegs bekommen auch diesen Anstrich. Er wird wieder etwa 30 Jahre halten.

Dieses Geländer am elbabwärts liegenden Fußweg hat schon den Farbton bekommen, mit dem die ganze Brücke gestrichen wird. Das Vorbild ist der erste Anstrich von 1893.
Dieses Geländer am elbabwärts liegenden Fußweg hat schon den Farbton bekommen, mit dem die ganze Brücke gestrichen wird. Das Vorbild ist der erste Anstrich von 1893. © René Meinig

Die Spalten: Lösung bei Tests im Labor gefunden

Die Farbe soll auf die Stahlkonstruktion gestrichen werden. An einigen Stellen, etwa an schmalen Spalten zwischen den Stahlstreben des Tragwerks, geht das mit dem Pinsel aber nicht. Um eine Lösung zu finden, habe es Versuche im Labor des Instituts für Stahlbau Leipzig gegeben. Zuerst muss die alte Farbe abgestrahlt werden. Das hintere Ende wird dann mit einer Stahlstrebe verschlossen. Letztlich wird Farbe hineingespritzt und mit einem speziellen Wischer glatt verteilt, so dass es ein qualitativ hochwertiger Anstrich wird.

Am Blauen Wunder gibt es viele Schäden. Stahlstreben sind verbogen, andere Teile sind verrostet.
Am Blauen Wunder gibt es viele Schäden. Stahlstreben sind verbogen, andere Teile sind verrostet. © René Meinig

Die Gitter: Farbe wird bei knapp 800 Grad abgebrannt

Gut sichtbar sind die Gitterfelder an den Wartungsaufgängen mit den Wendeltreppen zu den Pylonen und ganz oben auf den beiden Aussichtsplattformen. Sie vor Ort zu entrosten und neu zu beschichten, wäre sehr aufwendig. Deshalb wurde schon ein Feld von einer Spezialfirma abgebaut. Zum Auftakt wurde das Feld auf knapp 800 Grad erhitzt, sodass die alte Farbe abfällt. Letztlich beschichteten die Handwerker das Gitter neu. „Das hat sich als das effizienteste Verfahren erwiesen“, sagt Gruner. 

Diese Gitter an den Aufgängen zu den Pylonen werden abgebaut, um sie neu beschichten zu können.
Diese Gitter an den Aufgängen zu den Pylonen werden abgebaut, um sie neu beschichten zu können. © René Meinig

Der Zeitplan: Fünf Jahre fällt eine Fahrspur weg

Geplant ist, dass die Sanierung am 6. Januar 2022 beginnt, kündigt Gruner an. „Die wichtigste Voraussetzung ist aber, dass wir spätestens Mitte 2021 den Fördermittelbescheid vom Land haben.“ Dann könnte die öffentliche Ausschreibung des Auftrags starten. Er könnte dann im Herbst vergeben werden.

Wegen des Aufbaus der Gerüste muss während der Bauzeit eine der beiden Fahrspuren in Richtung Blasewitz gesperrt werden. 2016 und 2018 wurde der Verkehr an allen Zufahrten des Blauen Wunders gezählt, um unter anderem die Auswirkungen durch die wegfallende Spur in Richtung Schillerplatz auf einer Länge von 500 Metern abschätzen zu können. Mit zusätzlichem Stau wird dort im morgendlichen Berufsverkehr etwa für die Zeit zwischen 7.10 Uhr und 8.10 Uhr gerechnet. Die Alternative auf der rechten Elbseite ist vor allem die Verbindung über die Bautzner Straße und Waldschlößchenbrücke. 

Der elbaufwärts liegende Fußweg soll gesperrt werden. Dafür bleibt der auf der anderen Brückenseite während der gesamten Bauzeit offen.

Radfahrer müssen während der Sanierung das Blaue Wunder weiter auf der Straße überqueren. Die Fußwege sind zu schmal. Allerdings ist eine bessere Alternative für Radfahrer vorgesehen, die ins Zentrum wollen. Denn der rechtselbische Körnerweg wurde provisorisch asphaltiert. 

Die zweite Fahrspur in Richtung Schillerplatz wird bei der Sanierung gesperrt.
Die zweite Fahrspur in Richtung Schillerplatz wird bei der Sanierung gesperrt. © René Meinig

Die Sperrungen: Zweimal jährlich ist Brücke dicht

Zwar kann der Verkehr weitgehend weiter rollen. Es wird jedoch auch Sperrungen geben. Jeweils in den Winterferien bleibt das Blaue Wunder je eine Woche dicht, da die Gerüste aufgebaut werden müssen - erstmals im Februar 2022. Außerdem müssen bei der Sanierung die fünf Übergangskonstruktionen aus Stahl und Gummi zwischen den Fahrbahn-Abschnitten erneuert werden. Dafür ist jährlich eine zweiwöchige Vollsperrung in den Sommerferien nötig, erklärt Gruner.

Alle Arbeiten sind während der fünf Jahre jedoch nicht möglich. So sind hinterher noch weitere Instandsetzungen nötig, so an den Ankerkammern, den Pfeilern sowie Lagern und an der Fahrbahn.

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Zum Auftakt wird jetzt fünf Wochen lang die Farbe abgestrahlt. Der frische Anstrich soll wie bei der Übergabe 1893 aussehen.

Bei der letzten Bauwerksprüfung 2018 hatte das Blaue Wunder die Note 3,0 bekommen. Gutachter würden prognostizieren, dass die Brücke eine unbegrenzte Haltbarkeit hat, so der Abteilungsleiter. „Die Voraussetzung ist natürlich, dass man sich um die alte Dame kümmert.“

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