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Künstler demonstrieren für Corona-Hilfe

Vor dem Finanzministerium in Dresden haben sie sich am Mittwoch aufgebaut. Sie haben schlimmste Befürchtungen - und konkrete Forderungen.

Mit riesigen Jazzer-Bildern demonstrieren Künstler am Mittwoch am Dresdner Königsufer. Es geht um ihre Zukunft.
Mit riesigen Jazzer-Bildern demonstrieren Künstler am Mittwoch am Dresdner Königsufer. Es geht um ihre Zukunft. © Sven Ellger

Dresden. Sie waren nicht zu hören und wer etwas anderes erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Es ging nicht darum, laut zu sein, Musik zu machen, die Politiker und Verwaltungsmitarbeiter im nahen Finanzministerium aufzuwecken. Sie waren leise und nur zu hören, als ihre Forderungen vorgetragen wurden. Etwa 50 Künstler, Musiker und Sänger, darunter auch Mitarbeiter aus Veranstaltungsfirmen und Konzertagenturen, haben am Mittwochmittag am Dresdner Königsufer demonstriert. Sie bauten sich so an der Treppe unterhalb des Finanzministeriums auf, dass sie von dort aus gut zu sehen waren. Denn es ging um Geld, um Hilfe für sie, vor allem für freie Künstler.

Künstler-Demos wie diese am Mittwoch sollen ab sofort regelmäßig stattfinden.
Künstler-Demos wie diese am Mittwoch sollen ab sofort regelmäßig stattfinden. © Sven Ellger

Kilian Forster, der Intendant der Dresdner Jazztage, hatte die Demo mit Unterstützung seiner Frau und einiger Helfer organisiert. Sie bauten überlebensgroße Bilder von Musikern, die bei den Jazztagen aufgetreten sind, auf der Wiese auf. Stumme Musiker, denn sie alle können zurzeit nicht spielen. Zu den Demonstranten gehörten unter anderem Konzertveranstalter Rodney Aust, Schlagzeuger Günter "Baby" Sommer, Johannes Vittinghoff von der Pan GmbH, welche die Filmnächte und das neue Autokino im Ostragehege organisiert, und Sängerin Silvana Mehnert von der Dresdner A-capella-Band Medlz.

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Ihr Anliegen trug Manfred Breschke vor, Mitgründer und bis zu seinem Ruhestand Intendant des Dresdner Kabaretts Breschke & Schuch. Die Künstler fordern finanzielle Hilfe, Forster sprach sogar von Überlebenshilfe, ähnlich, wie sie Wirtschaftsunternehmen bekommen. "Die Jazztage sind unser viertes Kind", sagte der dreifache Vater, und das sei jetzt in Lebensgefahr. Es drohe, dass "die freien Veranstalter reihenweise in der Insolvenz landen", warnte Manfred Breschke. Die droht den Jazztagen im September, wenn es keine Unterstützung gibt. 

"Wir sind durch alle Förderprogramme gefallen"

Von "Substanzsicherung" war die Rede, was nichts anderes heißt als  Geld, das das Überleben der Unternehmen sichert. Foster hatte deshalb einen Hilfskredit von 100.000 Euro beantragt, ihn aber nicht bekommen. Auch für seine Band die Klazz Brothers wird es eng. "In den letzten drei Monaten hätten wir etwa 200.000 Euro verdient, das ist die Hälfte des Jahresumsatzes", berichtete der Bassist. Die Musiker der Band sind weltweit verstreut, sie müssen zu Konzerten gezielt zusammenkommen. Das klappt voraussichtlich auch im nächsten Jahr nicht, denn es sei schon so viel abgesagt worden, dass keine längere Tour geplant werden könne. Reisekosten, Technik, alles das sei nicht mehr bezahlbar. Auch für die Jazztage. "Wir sind durch alle Förderprogramme gefallen", sagt Forster.

Schlagzeuger Günter „Baby“ Sommer gehörte zu den Demonstranten und trug eine ihrer Forderungen vor.
Schlagzeuger Günter „Baby“ Sommer gehörte zu den Demonstranten und trug eine ihrer Forderungen vor. © Sven Ellger

Die Demonstranten haben einen Forderungskatalog aufgestellt. Zwölf Punkte, die zum Überleben freier Künstler und Veranstalter beitragen sollen. Dazu gehört ein Grundeinkommen, dazu gehören Kredite aus dem Programm "Sachsen hilft sofort" für gemeinnützige Veranstalter, dazu gehören aber auch Regeln, welche Veranstaltungen wieder erlaubt sind, und Vorgaben zum Ende der Abstandsregeln.

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Alle diese Forderungen hat die Initiative "Stumme Künstler" auf ihrer neuen Internetseite aufgelistet. Am Mittwochmittag hörte sie auch die sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU). Sie war zu der Kundgebung gekommen, hatte sich sogar zu den Demonstranten gestellt. Die Künstler hätten zu denen gehört, die zuerst von den Corona-Einschränkungen betroffen waren und gehörten nun zu denen, die zuletzt wieder Umsätze machen können, sagte Klepsch. Es seien zwar Lockerungen beschlossen worden, aber nun müsse Kultur auch wieder möglich gemacht werden. Sie verstand die Demonstration als Signal an die Politik, nicht nur in Dresden, sondern auch in Berlin entsprechende Regelungen einzuführen.

Ministerin Barbara Klepsch stellte sich zu den Demonstranten. Gemeinsam mit Kilian Forster hielt sie eines der überlebensgroßen Fotos.
Ministerin Barbara Klepsch stellte sich zu den Demonstranten. Gemeinsam mit Kilian Forster hielt sie eines der überlebensgroßen Fotos. ©  Foto: Sven Ellger

Kilian Forster schöpfte daraus etwas Hoffnung. "Wir schwanken zwischen Zuversicht und Depression", sagte der Jazztage-Intendant. Die Stumme-Künstler-Demo und die Reaktion der Ministerin sorgten für Optimismus. Doch die Zeit läuft. Im Moment gegen die Jazztage sowie gegen viele andere Veranstaltungen, freie Veranstalter und Künstler.

Hier können Sie alle Forderungen der Stummen Künstler lesen. Demonstrationen wie die am Mittwoch sollen ab sofort regelmäßig stattfinden.

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