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Dresden

Corona: "Stornierungen für 100.000 Euro"

Lokale wie das Italienische Dörfchen und der Luisenhof kämpfen mit den Folgen des Virus, sogar Hochzeiten werden storniert. Manche Wirte werden nun kreativ.

Janet und Maik Kosiol vor dem Italienischen Dörfchen.
Janet und Maik Kosiol vor dem Italienischen Dörfchen. ©  Foto: Sven Ellger

Dresden. Schulen und Kitas bleiben zu, von sozialen Kontakten raten Politiker ab: Das Coronavirus schränkt das öffentliche Leben immer weiter ein, auch in Dresden. Eine Branche, die es besonders hart trifft, ist die Gastronomie. Positiv in die Zukunft zu schauen, fällt den Wirten dieser Tage schwer.

"Wir haben sehr viele Stornierungen", sagt Maik Kosiol, Chef des Italienischen Dörfchens und des Brunetti, der Elbterrasse Wachwitz und des Kitzo Alpenstübels. "In der Elbterrasse werden Hochzeiten storniert , aber auch viele Geburtstagsfeiern und Veranstaltungen gerade mit älteren Gästen." 

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Allein im Italienischen Dörfchen belaufen sich die Ausfälle durch die Stornierungen ihm zufolge auf 100.000 Euro. Und das, wie er sagt, in der Zeit, in der die Dresdner Gastronomen und er persönlich gerade aus der Saure-Gurken-Zeit herauskommen. Traditionell laufe das Geschäft im Januar und Februar bei allen eher bescheiden. 

"Das Virus fegt uns die Buchungen heraus"

Gerade für die Kosiols ist die Lage schwer, nicht zuletzt  wegen der Bauarbeiten auf dem Theaterplatz. Auch die Baustelle auf der Augustusbrücke macht  das Geschäft immer schwerer. Um das Objekt weiter wirtschaftlich betreiben zu können, muss Familie Kosiol schwierige Wege gehen. "Wir haben uns dazu entschieden, mit Montag und Dienstag zwei Schließtage einzuführen", sagte der Wirt im Januar. Das gelte für alle drei separaten Restaurants im Dörfchen, also für das Schankhaus Stadtwaldschlösschen, das Milchmädchen Kaffeehaus und das Brunetti Centro. 

Nun folgt der Knick wegen Corona. "Die Bücher waren voll, jetzt fegt uns das Virus die Buchungen heraus", sagt er. Der Druck, die Verantwortung für 75 Mitarbeiter in diesen Zeiten tragen zu müssen, sei enorm. Kosiol ist jetzt gespannt, ob und wann die Regierung eine Entscheidung trifft, ob in Sachsen die Lokale weiter geöffnet bleiben dürfen.

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So geht es auch Carsten Rühle, Chef im Luisenhof. "Wir haben eine richtige Stornowelle in den letzten Tagen erleben müssen", sagt er. Von zehn Anrufen im Restaurant seien sechs Absagen gewesen. Familienfeiern und Kongresse wurden verschoben oder abgesagt. Er und seine Frau Carolin würden jetzt von Woche zu Woche entscheiden, wie sie weitermachen. Kurzarbeit oder Reduzierungen der Öffnungszeiten stehen zur Debatte. "Ich möchte aber niemanden entlassen", betont er. 

Auch Rühle berichtet, dass er nach dem traditionell ruhigen Winter auf neuen Schwung gehofft hatte. Viele Überstunden hätten seine Mitarbeiter bereits im Januar und Februar abgebaut. Wie alle anderen Dresdner Eltern müssen jetzt auch die beiden Wirte den Alltag ihrer Schulkinder organisieren. "Meine Frau macht Homeoffice, und wir leiten alle Anrufe um", sagt Carsten Rühle. Seine anderen Mitarbeiter hätten bisher alle Betreuungslösungen gefunden.

Café bietet Lieferservice nach Hause an

Einen dramatischen Appell an seine Kunden startet unterdessen das Café Aha nahe des Altmarkts. "Mit rasender Geschwindigkeit ändert sich das soziale Leben und wie Ihr Euch / Sie sich sicher denken können, sind vor allem Kulturschaffende, Gastronomen, Hoteliers und ähnliche Gewerbe davon extrem betroffen", so die Inhaber bei Facebook. 

Das Aha wird in diesem Jahr  25 Jahre alt. "Noch haben wir geöffnet, aber im Prinzip ist die halbe Stadt in häuslicher Isolation oder Quarantäne - Tendenz exponentiell steigend. Doch da nützen auch geöffnete Türen nicht", heißt es. Das Aha sei in großer Gefahr. "18 Festangestellte und 12 Pauschalkräfte hoffen, trotz der Krise ihren Lohn zu bekommen. Was ohne Umsatz nicht möglich ist." Da es als Non-profit-Unternehmen angetreten sei, habe man auch keine Rücklagen. 

Die Betreiber haben sich Wege überlegt, wie man das Café retten könnte. Sie bieten an, das Essen und die Produkte des Ladens wie Kaffee vorzubestellen und in eigenen Behältern abzuholen, oder das Café bietet auch einen Lieferservice nach Hause an. Außerdem bittet das Café um Spenden. 

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Auf verstärkte Hygienemaßnahmen und nur noch bargeldlose Bezahlungen setzen unterdessen das Wenzel am Postplatz und das Terence-Hill-Eiscafé auf der Hauptstraße. "Wir merken auch den Umsatzeinbruch, aber bekommen gutes Feedback für unsere Hygienemaßnahmen", so Geschäftsführerin Viktoria Franke. 

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