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Dresdner Dampfer sind insolvent

So schlimm wie derzeit war die Situation der Sächsischen Dampfschiffahrt noch nie. Es gibt nur einen Ausweg.

2019 bei der Flottenparade zum Stadtfest schien alles noch gut bei der Dampfschifffahrt. Jetzt ist das Unternehmen insolvent.
2019 bei der Flottenparade zum Stadtfest schien alles noch gut bei der Dampfschifffahrt. Jetzt ist das Unternehmen insolvent. © Archiv/Rene Meinig

Dresden. Jetzt wissen es alle aus erster Hand. Auch die Eigentümer der Dresdner Dampfer. Die Flotte ist in Not, das Unternehmen ist zahlungsunfähig, die Sächsische Dampfschifffahrt (SDS) überschuldet. Das haben die mehr als 400 Anteilseigner, die sogenannten Kommanditisten, am Dienstag erfahren. Sie haben einst rund 36 Millionen Mark eingezahlt, um die Schiffe zu übernehmen. Vier Tage nach der Belegschaft bekamen sie die schlechte Nachricht von der Geschäftsführung. Für sie bedeutet das im schlimmsten Fall: Ihr Geld ist verloren, wenigstens ein großer Teil davon.

Aus einem Online-Portal konnten sie sich zwei Dokumente herunterladen: eine Pressemitteilung vom vergangenen Donnerstag und fünf A4-Seiten mit Fragen und Antworten zur aktuellen Situation. Der SZ liegen beide Schreiben vor. Die Fragen und Antworten hat die Geschäftsführung verschickt, also Karin Hildebrand und ihr neuer Chef-Kollege Jeffrey Pötzsch. 

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Die wichtigste Nachricht: Das Unternehmen hat kein Geld mehr, es muss Insolvenzantrag stellen. Die Löhne und Gehälter für den Mai konnten nicht mehr zum Monatsende gezahlt werden, Lieferanten würden jetzt nur noch gegen Vorkasse liefern. Aber auch diese Zahlungen seien nicht möglich. "Der SDS-Gruppe ist bildlich gesprochen 'das Geld ausgegangen'." Kurzfristig könne dieser Finanzbedarf nicht gedeckt werden. "Die Geschäftsführung ... ist damit verpflichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen." Das ist am Mittwoch geschehen, wie Roland Wirlitsch, der Sprecher des Dresdner Amtsgerichts bestätigt.

Schlimmer hätte es nicht kommen können, nachdem es Karin Hildebrand im Sommer 2019 gerade noch einmal gelungen war, ein Sanierungskonzept zu erstellen, alle Beteiligten davon zu überzeugen und das Unternehmen so vorläufig auf Kurs zu halten. Laut diesem Konzept war vorgesehen, dass die Dampfschiffahrt finanzielle Hilfe vom Freistaat bekommt, welche die Sächsische Aufbaubank (SAB) auszahlen sollte. Es ging um zwei Millionen Euro. Die erste Million kam, die zweite Million sollte im Mai 2020 überwiesen werden. Doch sie kam nicht. 

Das habe die Flotte in die neuen finanziellen Schwierigkeiten gebracht, begründet die Geschäftsführung die prekäre Lage. Die Bank habe "förderrechtliche Gründe" für den Zahlungsstopp genannt. In dem Schreiben an die Kommanditisten heißt es dazu, Corona-Soforthilfe gebe es vom Bund und den Ländern nur für Unternehmen, die nicht schon vor der Krise in wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren. Das heißt: Trotz der Corona-Fahrpause und der deshalb fehlenden Einnahmen kann die Dampfschifffahrt nicht mit finanzieller Hilfe für diese Zeit rechnen.

Die SAB begründet das etwas anders. Der Förderkreditzusage aus dem vergangenen Jahr habe ein Sanierungskonzept zugrunde gelegen. Weitere Auszahlungen des Förderkredits würden gegen die Bedingungen dieses Konzepts verstoßen, teilte Sprecherin Beate Bartsch mit. Deshalb seien sie "aus Rechtsgründen zurzeit nicht möglich". Das kann man übersetzen: Nicht Corona und die Regeln, die für die Soforthilfe von Bund und Ländern gelten, sind Ursache der Insolvenz, sondern das Sanierungskonzept, das die Flotte selbst beschlossen hat. Daran war aber auch der Freistaat beteiligt, der sowohl im Verwaltungsrat der Kommanditgesellschaft als auch in der Dampfer-GmbH die Mehrheit hat, die das tägliche Geschäft steuert.

Für die SDS-Geschäftsführung heißt das: Die Insolvenz war unter diesen Bedingungen nicht zu vermeiden. Jetzt versuchen Hildebrand und Pötzsch, das Unternehmen zu retten. "Im vorläufigen Insolvenzverfahren besteht die Möglichkeit, die Löhne und Gehälter über das Insolvenzgeld vorzufinanzieren", heißt es in dem Schreiben an die Kommanditisten. Außerdem bauen sie auf einen sogenannten Massekredit, damit der Geschäftsbetrieb weitergehen kann. Dabei handelt es sich um einen Kredit, den die Flotte jetzt aufnehmen will, um den Geschäftsbetrieb zu sichern. Um also dafür zu sorgen, dass die Dampfer weiter fahren und dass die SDS-Tochter Elbezeit, die unter anderem für das Catering im Zoo zuständig ist, weiter Speisen und Getränke anbieten kann. 

Ob das gelingt, ist offen. Die Flotte strebe ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an, teilt die Geschäftsführung mit. Ziel sei letztlich, den Schiffsbetrieb auf der Elbe zu erhalten und langfristig zu sichern. "Aufgrund der aktuellen Signale der Landesregierung und der Landeshauptstadt sind Geschäftsführung und Verwaltungsrat verhalten optimistisch, dass dies gelingen wird."

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