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Zieht die Dampfschifffahrt nach Laubegast?

Zurzeit residiert das Unternehmen dicht am Neumarkt. Mehrere Gründe sprechen für einen Umzug.

Hier in Laubegast, wo die Dresdner Schiffe repariert werden, könnte künftig wenigstens auch ein Teil der Flottenverwaltung zu Hause sein.
Hier in Laubegast, wo die Dresdner Schiffe repariert werden, könnte künftig wenigstens auch ein Teil der Flottenverwaltung zu Hause sein. © Archiv/Christian Juppe

Dresden. In Laubegast macht das Thema schon die Runde. Platz wäre auch, und die Idee klingt nicht unlogisch, schließlich wären dann nicht nur die Dresdner Ausflugsschiffe dort zu Hause. Die Sächsische Dampfschiffahrt (SDS) erwägt einen Umzug auf die Werft. Wenigstens Teile des Unternehmens, zum Beispiel alle Mitarbeiter, die unmittelbar für die Schiffe und deren Technik zuständig sind, könnten künftig dort arbeiten. Vielleicht auch die Leitung der Flotte. Dafür müsste sie die aktuellen Geschäftsräume am Georg-Treu-Platz räumen.

2015 ist die Flottenverwaltung ins historische Stadtzentrum umgezogen. Zuvor war ihre Adresse das Eckhaus Hertha-Lindner-Straße/Schweriner Straße. Im Gegensatz dazu ist der Neubau in Sichtweite der Brühlschen Terrasse eine Topadresse. Mehrere Stockwerke belegt das Unternehmen, auf dem Dach gehört eine Terrasse dazu. Links geht der Blick zur Fama auf der Kunstakademie, rechts zum Albertinum und dazwischen kann man über die Brühlsche Terrasse hinweg auf ein Stück Elbe sehen. Im Erdgeschoss befindet sich ein großzügiges Geschäft, dort gibts normalerweise Fahrkarten, Fahrpläne sowie Andenken aus Dresden und von der Flotte. 

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Adresse nicht ausnahmslos beliebt

Eine fast perfekte Adresse, führten die Laufwege der meisten Touristen nicht knapp daran vorbei. Von Dresdens Touristen-Zentrum aus, sind es nur ein paar Schritte bis zum Haus, doch dazu muss man um eine Ecke. Zu sehen ist es vom Neumarkt aus nicht und nicht einmal jeder Dresdner kann etwas mit dem Namen des Platzes anfangen.

Bei den Kommanditisten, den Eigentümern der Flotte, ist diese Adresse nicht ausnahmslos beliebt. Zu teuer, vor allem der Laden, lautet die Kritik aus ihren Reihen, wobei niemand den Mietpreis nennt. Schon lange vor der aktuellen Notlage und vor Corona habe sich die Unternehmensleitung deshalb mit erneuten Umzugsplänen befasst. Das wollen Geschäftsführerin Karin Hildebrand und ihr Kollege Jeffrey Pötzsch allerdings nicht bestätigen.

Die Firma, in der Sven Spielvogel einer von zwei Geschäftsführern ist, hat die Werft 2019 übernommen. Er hält es für möglich, dass auch ein Teil der Flottenverwaltung auf das Gelände umzieht.
Die Firma, in der Sven Spielvogel einer von zwei Geschäftsführern ist, hat die Werft 2019 übernommen. Er hält es für möglich, dass auch ein Teil der Flottenverwaltung auf das Gelände umzieht. © Archiv/Christian Juppe

Trotzdem hält sich das Gerücht in Laubegast und die Eigentümer der Immobilie, um die es geht, bestätigen die Umzugsidee. Das ist das Immobilienunternehmen Richert & Co., das die Werft Mitte 2019 für einen mittleren einstelligen Millionenbetrag übernommen hat. Der Firma gehört das Grundstück samt den Gebäuden und technischen Anlagen, sogar die Maschinen, an denen Holz- und Metallteile bearbeitet werden, wenn ein Dampfer repariert werden muss. "Wir haben mit den Verantwortlichen der Flotte gesprochen", bestätigt Richert & Co.-Geschäftsführer Sven Spielvogel. Das sei schon lange vor der Zeit gewesen, zu der die "Schieflage" des Unternehmens bekannt wurde. Früher sei Laubegast eine Schiffsbauwerft gewesen, jetzt würden dort nur noch Schiffe repariert und deshalb gebe es freie Flächen. Dazu gehören derzeit große Räume unter dem Dach des historischen Werftgebäudes. Spielvogel meint, die Dampfschifffahrt, für die die Werft ja wichtig ist, könnte dort "Funktionen bündeln".

"Das muss kostenneutral sein"

Hinter den Glasfenstern im Dach des alten Werftgebäudes ist Platz für Büros.
Hinter den Glasfenstern im Dach des alten Werftgebäudes ist Platz für Büros. © Archiv/Christian Juppe

Dass das gesamte Unternehmen inklusive seiner Töchter, dem Cateringunternehmen Elbezeit und der Personalvermittlung Crashice, in die Werft umzieht, kann er sich aber nicht vorstellen. Für die technischen Abteilungen sei das der richtige Ort, vielleicht auch für die Flottenverwaltung. "Das muss kostenneutral sein", erklärt der Immobilienfachmann. Das heißt, die Firma darf keinesfalls draufzahlen, zieht sie aus dem historischen Stadtzentrum nach Laubegast um.

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Ob es dazu kommt, hängt laut Spielvogel vor allem davon ab, wie es mit dem Unternehmen weitergeht. Zur Zeit wird ein Investor gesucht, der die finanziell angeschlagene Firma rettet. Er müsse letztlich auch darüber entscheiden, wo die SDS-Gruppe künftig zu Hause ist, heißt es von der Geschäftsführung der Flotte zu den Umzugsgerüchten.

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