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So gehen Baustellen mit Corona um

In Dresden werden gerade große Bauprojekte umgesetzt. Allerdings wirft das in der Krise auch Fragen: Dürfen etwa Gerüstbauer noch gemeinsam anrollen?

In diesem Wohnblock an der Steinstraße werden Balkonbrüstungen erneuert. Zudem erhält das Haus eine neue Wärmedämmung.
In diesem Wohnblock an der Steinstraße werden Balkonbrüstungen erneuert. Zudem erhält das Haus eine neue Wärmedämmung. © René Meinig

Dresden. Nicht nur die Carolabrücke wird derzeit saniert. Gleich nebenan lässt die Dresdner Wohnungsgenossenschaft Aufbau (WGA) jetzt die Fassade der langen Wohnzeile Steinstraße 1-5 sanieren. In der vergangenen Woche wurden die Gerüste aufgebaut.

Die Kritik: Gerüstbauer rollen gemeinsam an

Die Arbeiten hatte einer der Bewohner verfolgt, der aber namentlich nicht genannt werden möchte. Verwundert sei er darüber gewesen, dass mindestens sechs Gerüstbauer gemeinsam in einem Kleinbus zur Baustelle anrollten. Während der Pausen hätten sie ebenfalls zusammengesessen. Sollte ein Mitarbeiter infiziert sein, würde er doch auch andere anstecken. Das hätte er dem Ordnungs- und dem Gesundheitsamt gemeldet.

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Die Lage: Wie die Polizei den Fall sieht

„Die Stadt geht allen relevanten Hinweisen zu Verstößen gegen die geltenden Infektionsschutzbestimmungen nach und veranlasst bei Erfordernis die notwendigen Maßnahmen“, teilen das Gesundheits- und das Ordnungsamt auf SZ-Anfrage mit. Aufgrund der aktuellen Situation konnten sie sich jedoch nicht zum konkreten Fall äußern.

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Die Polizeidirektion Dresden, welcher die SZ den Fall schilderte, sieht darin jedoch keinen Verstoß. „Bei Ausübung der beruflichen Tätigkeit und bei allen Tätigkeiten, die damit zusammenhängen, ist das grundsätzlich gestattet“, erklärt die Polizeidirektion. Das betreffe auch die gemeinsame Anfahrt zur Baustelle. Bei den Arbeiten sollte zwar auf einen Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Bauleuten geachtet werden. Wenn sich ein geringerer Abstand jedoch nicht vermeiden lasse, sei auch das nicht verboten.

Die Sicherheit: Mundschutz und Schichtarbeit

Die WGA achte aber auch darauf, ihre 150 Mitarbeiter zu schützen, so die Genossenschaft. Zum Glück sei bisher kein Fall einer Corona-Infektion bekannt geworden. Mitarbeiter, die Kontakt mit Mietern haben, sind mit Mundschutz ausgestattet. Außerdem wird zeitversetzt gearbeitet. „Die eine Hälfte macht vormittags Homeoffice und kommt nachmittags“, erläutert der Vorstand. Die andere Hälfte ist vormittags im Büro. So werden unnötige Treffen bei Pausen vermieden. Außerdem werde auf den Mindestabstand von 1,5 Metern geachtet.

Der Eigentümer: Derzeit keine Arbeiten in Wohnungen

Das Haus auf der Steinstraße gehört der Wohnungsgenossenschaft Aufbau (WGA). Mit rund 17.000 Wohnungen ist sie die größte Genossenschaft in Ostdeutschland. Geplant ist, die Balkonbrüstungen zu erneuern und eine neue, zehn Zentimeter starke Wärmedämmung anzubringen, erklärt Vorstand Hans-Peter Klengel.

„Wir achten vor allem darauf, dass die Baufirmen nicht mit den Mietern zu tun haben“, sagt er. „Die Baufirmen wissen auch, wie sie sich zu verhalten haben. Das können wir aber nicht kontrollieren.“ Wie vorgeschrieben sei auf der Baustelle ein Sicherheits- und Gesundheitskoordinator eingesetzt, der aber nicht von der WGA kommt.

Außer auf den Balkonen werden auf der Steinstraße auch keine Arbeiten in Wohnungen ausgeführt. So gibt es bis auf das Gerüst vor den Fenstern kaum Einschränkungen. Zwar ist geplant, die Arbeiten bis zum Jahresende abzuschließen. „Wir wissen jetzt aber noch nicht, ob die Baufirmen die Arbeiten zeitweise einstellen müssen oder ob sie länger dauern“, sagt Klengel. „Um unsere Mieter zu schützen, haben wir alle Arbeiten in Wohnungen um vorerst einen Monat verschoben.“ In der Steinstraße, wo die WGA rund 4,8 Millionen Euro investiert, waren die ohnehin nicht vorgesehen, dafür aber auf der zweiten WGA-Großbaustelle auf der Enderstraße.

Die anderen Großprojekte: Hochhaus zum Glück fertig

In den Striesener Häusern auf der Enderstraße 2-14 wird deshalb derzeit nur außen an Balkonen und Fassaden gearbeitet. Dort sind künftig aber bei der Heizungserneuerung auch Arbeiten in den Wohnungen nötig, wenn das nach der Coronakrise wieder möglich ist.

Die Sanierung in den Wohnungen des Großzschachwitzer Hochhauses Rathener Straße 113 habe die WGA glücklicherweise Ende 2019 abschließen können. Dort wird nur noch in Fluren, Treppenhäusern und auf Außenanlagen gearbeitet.

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Andere Genossenschaft: Bauleute bleiben auf Abstand

Auf Sicherheit achtet auch die Sächsische Wohnungsgenossenschaft Dresden (SWGD), erklärt Sprecherin Katrin Papke. So auch auf ihrer derzeitigen Micktener Baustelle auf der Lommatzscher Straße 55-61 gegenüber vom Elbepark. Aufgestellt wurden große Baustellencontainer, sodass die Arbeiter auf Distanz bleiben können.

In Wohnungen wird dort zurzeit ebenfalls noch nicht gearbeitet. „Außerdem haben wir zusätzliche Toilettencontainer aufgestellt, sodass ausreichend Sanitäreinrichtungen vorhanden sind“, sagt Papke.

Die sächsische Wohnungsgenossenschaft Dresden hat mit der Sanierung von Häusern auf der Lommatzscher Straße in Mickten begonnen.
Die sächsische Wohnungsgenossenschaft Dresden hat mit der Sanierung von Häusern auf der Lommatzscher Straße in Mickten begonnen. © René Meinig

Der Service: Mieterkontakte nur per Telefon oder E-Mail

Die etwa 100 SWGD-Mitarbeiter sind alle im Dienst. In den Geschäftsstellen gebe es genügend Platz. „Wo es eng ist, haben wir andere Arbeitsplätze eingerichtet.“ Einen Coronafall gebe es nicht. „Allerdings haben wir keine persönlichen Sprechzeiten mehr“, verweist Papke auf eine Vorkehrung. Der Kundenkontakt werde nur noch über Telefon oder E-Mail abgewickelt.

Auch bei Wohnungsabnahmen oder -übergaben gibt es keinen direkten Kontakt zu dem Mietern mehr. So hinterlegt der vorherige Mieter den Schlüssel im Briefkasten. Dann kann sich der Wohnungsverwalter die Räume ansehen. Der neue Mieter holt sich den Schlüssel dann in der SWGD-Geschäftsstelle ab.

Die Geschäftsstellen: Viermal täglich wird desinfiziert

„In unseren Geschäftsstellen haben wir überall Desinfektionsspender und Einweghandschuhe, beispielsweise für unsere Hausmeister“, verweist die Sprecherin auf eine weitere Schutzvorkehrung. Zudem würden viermal täglich die Türklinken und andere sensible Stellen desinfiziert.

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