Dresden wird weiter Bäume verlieren, vor allem alte und sehr große Bäume. Diese Prognose stammt aus dem Rathaus. Der Grund: Ihnen setzt die Trockenheit besonders zu. Und die hat inzwischen ein Ausmaß erreicht, das zu Notfällungen zwingt. So musste die Stadt im Oktober des vergangenen Jahres an einer großen alten Blutbuche am Albertplatz die Säge ansetzen lassen. Sie war nicht mehr zu retten.
78 sogenannte Baumausfälle registrierte das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft 2017. Im Jahr darauf waren es bereits 140, im vergangenen Jahr bis zum November sogar 385. Vor allem die jüngeren Exemplare bis 15 Jahre waren betroffen. Bei ihnen handelt es sich vor allem um einheimische Arten wie Linde, Buche, Esche und Ahorn. Sie haben es unter den Bedingungen des sich wandelnden Klimas offenbar schwerer, hieß es zuletzt in einer Analyse des Amtes für Stadtgrün.
Jetzt testet die Verwaltung Bäume, die laut der Deutschen Gartenamtsleiter-Konferenz besser mit Hitze und Trockenheit klar kommen. Dazu gehören spezielle Ahornarten und die Hopfenbuche. Doch das wird teuer. Eine Straßenbaumpflanzung kostet mit Planung, eventuellen Tiefbauarbeiten, Aushub, Substrat und spezieller Jungbaumpflege durchschnittlich 3.500 Euro. Insgesamt gibt es derzeit rund 54.200 Straßenbäume in der Stadt.
Die Wetterbilanz der Stadt zeigt, wie deutlich die Veränderungen in den vergangenen zwei Jahren waren. Schon 2018 war ein Rekordwärmejahr mit einer Durchschnittstemperatur von 11,1 Grad. Erstmals seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1961 sei damals die Elf-Grad-Marke überschritten worden, teilte die Stadtverwaltung mit. 2019 war es noch wärmer. 11,2 Grad betrug die Durchschnittstemperatur. "Bis auf den Monat Mai lagen die Mitteltemperaturen aller Monate über dem langjährigen Durchschnitt", heißt es in einer Pressemitteilung. Besonders heftig war es im Juni. Da lag sie 5,8 Grad über dem Klimareferenzwert. "Eine Überschreitung ... um fünf Grad ist extrem selten", ordnen die Verantwortlichen diesen Wert ein. 2019 sei das Jahr mit dem wärmsten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen.
Dazu kommt die Trockenheit: In den letzten 24 Monaten fiel in 18 Monaten zu wenig Regen, vergleicht man die Werte mit dem Mittelwert aus den Jahren 1961 bis 1990. Doch nicht nur die Zahl der Regentage spielt eine Rolle. Wichtig ist auch, wie viel Regen jeweils gefallen ist. Das Gesamtergebnis: 2019 lag die Niederschlagssumme 25 Prozent unter dem Normalwert. Das Fazit aus dem Rathaus: 2019 war ein Jahr mit einem neuen Wärmerekord und anhaltender Trockenheit. (mit SZ/kh)