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Dresdner Kindermord-Prozess: neue Details

Der 55-jährige Angeklagte hatte einer Bekannten in einer Sprachnachricht offenbar angekündigt, sich das Leben nehmen zu wollen.

Der Angeklagte Laurent F.
Der Angeklagte Laurent F. © Ronald Bonß (Archiv)

Dresden. Der gewaltsame Tod der beiden zwei und fünf Jahre alten Geschwister lässt keinen Zeugen kalt. Seit Anfang Februar verhandelt das Landgericht Dresden gegen den 55-jährigen Franzosen Laurent F. Am 9. Mai vergangenen Jahres soll er seine Kinder aus Rache an seiner Ehefrau in seiner Wohnung in der Stetzscher Straße erwürgt haben. Darüber hinaus habe er an jenem Donnerstagabend auch versucht, die Frau, eine 27-jährige Senegalesin, umzubringen. Sie hatte sich ein Jahr zuvor von ihm getrennt. Dem Angeklagten wird unter anderem zweifacher Mord und versuchter Mord vorgeworfen.

Die 73-jährige Zeugin Monika O. kannte Laurent F. und seine Kinder. Der 55-Jährige sei mit ihrem verstorbenen Mann Horst einige Jahre befreundet gewesen, beide waren Motorrad gefahren. Als Horst schwer erkrankt war, habe Laurent F. ihn regelmäßig im Krankenhaus besucht, berichtete die Zeugin. Sie wusste von dem Trennungsstreit mit seiner Frau und dass F. vor dem Familiengericht um seine Kinder gekämpft habe.

Freitagsbesuche auf dem Lingner Markt

 „Er war sauer, dass das mit dem Sorgerecht nicht geklappt hatte“, sagte die 73-Jährige. Allerdings habe er ihr nicht viel darüber berichtet: „Er wollte mich damit wohl nicht belasten.“ Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Herbert Pröls, ob ihr zuletzt eine Verhaltensänderung des Angeklagten aufgefallen sei, sagte sie: „Ich glaube, er war traurig.“ Nach dem Tod ihres Mannes habe Laurent F. sie freitags oft am Lingner Markt besucht, wo sie als Händlerin in einem Stand arbeitet. Auch seine Kinder habe er immer wieder mitgebracht. Als Monika O. darüber berichtete, begann F. zu weinen.

Am Tattag hatte sich Laurent F. offenbar von seiner Freundin verabschiedet. Um 17.40 Uhr schickte er ihr eine Sprachnachricht aufs Handy, die sie jedoch nicht mehr abgehört habe. Er werde am Freitag nicht zum Markt kommen, er habe nun einen Platz gefunden, wo es besser sei, er werde auch Horst treffen. „Wenn Du probierst, mich zu erreichen, ich bin nicht zu Hause“, sprach er auf das Band. „Ich dachte, er wollte sich etwas antun“, sagte Händlerin O. Sie habe abends erfolglos versucht, F. zu erreichen. Erst am nächsten Tag habe sie auf dem Markt in der Lingner Allee erfahren, was passiert war. „Ich kann es nicht verstehen.“ F. habe die Kinder geliebt.

Wenige Wochen zuvor habe F. ihr einen Zeitungsartikel von einem laufenden Prozess gegen einen Mosambikaner aus Gorbitz gezeigt, der seine beiden Kinder im Sommer 2018 erschlagen hatte. Offenbar hatte F. den Täter gekannt. „Laurent sagte, er wolle den Prozess besuchen. Er könne nicht verstehen, wie man seine Kinder töten kann." Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass F. im Frühjahr 2019 tatsächlich die Hauptverhandlung gegen Eduardo A. besucht hatte. 

Mit Eisenstange auf Abstand gehalten

Ein anderer Zeuge berichtete von dem Geschehen, nachdem F. seine Kindert getötet und seine Frau angegriffen habe. Ein 31-jähriger Nachbar sagte, er habe die schreiende Frau im Hof gesehen und Hilfe angeboten. Da Polizei und Rettungsdienst bereits unterwegs waren, sei er die Straße entlang gegangen, wo ein anderer Mann Laurent F. am Boden gehalten habe. F. habe jedoch aufstehen und Richtung Antonstraße laufen können. 

An einer Baustelle habe er sich eine Eisenstange gegriffen. Er habe damit herumgefuchtelt und ihn und andere Passanten auf Abstand gehalten. Dann habe F. versucht, in der Nebenstraße ein Auto anzuhalten, um zu entkommen. Mit der Stange habe er die Scheibe eines Mercedes eingeschlagen, weil der Fahrer nicht gestoppt habe. Auch in der Antonstraße habe F. versucht, Autos anzuhalten. 

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Die meisten Autos hielten jedoch nicht. Der Angeklagte sei dann in den Fond eines Toyota gestiegen, dessen junge Fahrerin offenbar den Motor abgewürgt hatte.  Zusammen mit zwei weiteren Männern habe er den blutenden Mann herausgezerrt und festgehalten, bis die Polizei kam, so der 31-Jährige. Der Prozess wird fortgesetzt.

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