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Dresden

Dresden bekommt einen neuen Park

Die vernachlässigte Grünfläche unterhalb der Kesselsdorfer Straße in Löbtau wird vom Wildpinkler-Paradies zum Stadtpark. Beginnt so der Image-Wandel der Ecke?

An den Löbtau-Passagen wird die Grünfläche umgestaltet. Im Hintergrund die Huschhalle.
An den Löbtau-Passagen wird die Grünfläche umgestaltet. Im Hintergrund die Huschhalle. © Christian Juppe

Dresden. Majestätisch thronte einst das Löbtauer Rathaus oberhalb der Weißeritz. Vom Glanz vergangener Zeiten ist auf der Grünfläche direkt neben der Huschhalle an der Tharandter Straße heute nicht mehr viel zu sehen. Einladend wirken die Büsche und Bäume nur auf jene, die sich dort erleichtern. Aus dem Wildpinkler-Paradies soll nun jedoch ein heller und offener Park werden - der Rathauspark Löbtau. Die ersten Bauarbeiten haben dort bereits begonnen, bis zum Sommer sollen neue Bäume gepflanzt sowie ein Spiel- und Sportplatz angelegt werden.

So sah der Rathaus-Park um 1907 aus. Die alte Postkarte zeigt den Blick vom Rathaus Löbtau über den Park zur Kesselsdorfer Straße, links ist der "Dreikaiserhof" zu sehen. 
So sah der Rathaus-Park um 1907 aus. Die alte Postkarte zeigt den Blick vom Rathaus Löbtau über den Park zur Kesselsdorfer Straße, links ist der "Dreikaiserhof" zu sehen.  © Archiv: Sammlung Naumann

An das monumentale Rathausgebäude erinnern heute nur noch eine Stele und die Reste einer Treppe. Der neue Park muss noch in diesem Jahr fertig gebaut sein, denn nur so lange kann die Stadt für dessen Gestaltung Fördermittel nutzen. In das Sanierungsgebiet Löbtau wurden seit 1993 bereits 23 Millionen Euro von diesen Fördermitteln investiert. Mit dem Park wird nun eines der letzten Projekte umgesetzt, das aus diesem Topf finanziert wird. Insgesamt kostet die Neugestaltung rund 560.000 Euro. 

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Der Dresdner Landschaftsarchitekt Florian Ehrler hat sich für die Neugestaltung mit der Historie des Platzes beschäftigt und mehrere Entwürfe erarbeitet, wie die neue Anlage aussehen könnte. Geplant sind Sitzbänke und Mülleimer, Lampen, Sport- und Spielgeräte. Der benachbarte Jugendtreff, Gewerbetreibende, Vereine und Anwohner durften im Herbst 2017 bei der Gestaltung mitreden, ihre Wünsche einbringen, Kritik äußern. Ein belebter Platz solle es werden, den vor allem Kinder und Jugendliche nutzen können - so der Tenor auf einer Bürgerversammlung damals. Die Grünanlage selbst sollte so offen wie möglich gestaltet und vor allem beleuchtet werden, um Wildpinkler und Kriminelle abzuhalten. 

Offen ist, wie die angrenzende "Huschhalle", die eigentlich "Imbiss Am Dreikaiserhof" heißt, in den Park einbezogen werden kann. Regelmäßig sorgt die Kneipe aufgrund von Schlägereien für Polizeieinsätze und entsprechende Schlagzeilen. 2017 wurde in der Toilette sogar ein Toter gefunden, der offenbar erschlagen worden war. Die Stadtplaner hatten zwar eine Variante vorgeschlagen, die vorsah, aus der Huschhalle ein Café zu machen. In Richtung Park sieht diese Idee Außenplätze vor - als Vergleich wurde der Rosengarten am Neustädter Carusufer herangezogen. 

Der jetzige Eigentümer hatte das Gebäude, das um 1900 als Wartehalle für die Pferdestraßenbahn gebaut wurde, in ruinösem Zustand gekauft, hat Dach, Fassade und Fenster erneuert und eine Gaststätte mit asiatischen Speisen eingerichtet. Weil der Ruf der Huschhalle so schlecht ist, wurde die Gaststätte aber nicht angenommen, die Kundschaft blieb aus. Derzeit ist der Imbiss an einen anderen Betreiber verpachtet.

Mitarbeiter der Firma Kühnapfel Spezialbau bereiten Betonarbeiten an der Weißeritzmauer vor. Bevor der Park umgestaltet wird, muss die Mauer saniert werden. 
Mitarbeiter der Firma Kühnapfel Spezialbau bereiten Betonarbeiten an der Weißeritzmauer vor. Bevor der Park umgestaltet wird, muss die Mauer saniert werden.  © Christian Juppe

Die Stadtplaner sehen im neuen Park eine Chance, das Image dieser Ecke aufzuwerten. Er soll aber nicht nur Anlaufpunkt für Freizeitsportler sein, sondern künftig auch noch deutlicher an das einstige Rathaus erinnern. Die Geschichte des imposanten Baus war übrigens eine recht kurze, dafür aber umso bewegter. Ein Jahr nach Baubeginn umfloss 1897 die Weißeritz das noch nicht fertige Gebäude, sodass der 43 Meter hohe Turm einstürzte. 1945 zerstörten Weltkriegsbomben nicht nur das Rathaus, sondern auch das gegenüberliegende Hotel und Restaurant Dreikaiserhof. Vom Rathauspark, der mit zwei Rondellen gestaltet war, blieb nicht viel übrig. 

Nun kehrt er also zurück, allerdings nicht nur als Ruheort oder für den Spaziergang, sondern auch für Hobbysportler. Für sie wird eine sogenannte Calisthenics-Anlage gebaut, eine Kombination aus Klettergerüst und Hangelstrecke. Für die Kleinen sollen verschiedene Spielgeräte, darunter Drehspiele und ein Trampolin, aufgestellt werden. Außerdem bietet der Park auch Platz für Kunst. Im Rahmen des Wettbewerbs "Neue Stadtteil-Identität" wurden dafür der "Weißeritzspitz" von Ina Weise und Markus Große sowie das Objekt "Quality Time" von Franziska Hoffmann und Sophia Hoffmann ausgewählt. 

24 neue Bäume werden gepflanzt

Und natürlich gehören in einen neuen Park auch reichlich Bäume. Die älteren Exemplare - eine Rotbuche, eine Roßkastanie sowie verschiedene Ahorn- und Robinienbäume - bleiben erhalten. Entlang der Tharandter Straße sollen 24 neue Bäume dazukommen. Neben einigen Gold-Gleditschien werden etliche Sträucher gepflanzt, unter anderem fünf Apfel-Rosen, vier Feuerdorn und drei dunkelrote Blasenspieren "Diabolo". 

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