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Dresdens neue Verwaltung: "Explodierende Baukosten"

Das Projekt am Ferdinandplatz wurde von 51.000 Quadratmeter Nutzfläche auf 26.000 reduziert - bei fast gleichen Kosten. Die Linke kritisiert fehlende Wirtschaftlichkeit.

Die Stadt Dresden plant ein neues Verwaltungszentrum am Ferdinandplatz.
Die Stadt Dresden plant ein neues Verwaltungszentrum am Ferdinandplatz. © BARCODE Architects/Landeshauptstadt Dresden

Dresden. Bis 2025 soll die Landeshauptstadt ein neues Verwaltungszentrum am Ferdinandplatz erhalten. Auf der Fläche suchten zunächst Archäologen nach Interessantem aus Dresdens Geschichte - und wurden fündig. Hunderte Weinflaschen, Meißner Porzellan und Reste einer Druckerei wurden unter anderem entdeckt.

Künftig sollen in der Baugrube die Bagger rollen, um das neue Verwaltungshaus zu bauen. Doch die Pläne dafür haben sich in den vergangenen Monaten verändert. Ursprünglich war die Stadt von 162 Millionen Euro für 50.875 Quadratmeter Nutzfläche ausgegangen. In der Ausschreibung zum wettbewerblichen Dialog ist ein Budget von 135 Millionen Euro veranschlagt. Heute geht die Stadt von einer Gesamtinvestitionssumme von 139 Millionen Euro inklusive Grundstück und Erschließung aus, wie Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) mitteilt.  

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Bei den archäologischen Ausgrabungen am Ferdinandplatz, wo später das neue Verwaltungszentrum entstehen soll, gab es interessante Funde.
Bei den archäologischen Ausgrabungen am Ferdinandplatz, wo später das neue Verwaltungszentrum entstehen soll, gab es interessante Funde. © Sven Ellger

Das Interessante dabei: Statt der rund 50.000 Quadratmeter Fläche sollen jetzt nur rund 26.000 Quadratmeter entstehen. Allerdings Bruttogeschossfläche, ohne Treppenhäuser und Flure. Der Baubürgermeister begründet das so: "Da wir im neuen Verwaltungszentrum moderne Arbeitswelten bauen, wird es keine klassische Trennung in Büro- und sonstige Flächen geben. Die Flächen gehen ineinander über."

Linken-Stadtrat Tilo Wirtz fühlt sich angesichts dieser Zahlen von der Stadtverwaltung getäuscht. In der Wirtschaftlichkeitsberechnung, die den Stadträten vorgelegt wurde, waren Baukosten von 3.200 Euro pro Quadratmeter veranschlagt. Nach seinen Berechnungen haben die sich im Zuge der Ausschreibung jetzt auf rund 6.000 Euro je Quadratmeter erhöht. "Damit ist der Bau nicht mehr wirtschaftlich gegenüber einer realistischen Anmietung und sprengt sogar den Baukostenindex für Bürobauten", sagt der Baufachmann. Für Bürobauten mit hohem Standard sei derzeit eine Spanne von 3.200 bis etwa 5.000 Euro pro Quadratmeter realistisch. "Damit liegen die veranschlagten Kosten ein Fünftel über der höchsten Spanne des Baukostenindex in der luxuriösesten Kategorie von Bürobauten. Das hat der Stadtrat nicht bestellt", sagt Wirtz. Es bleibe der Verdacht, dass sich die Verwaltung hier einen Palast bauen möchte.  

Drei Bieter, die das neue Verwaltungszentrum bauen wollen

Nach Aussage von Baubürgermeister Schmidt-Lamontain liegt der  Wirtschaftlichkeitsberechnung ein marktüblicher Mietzins zugrunde. "Für die Entscheidung, das neue Verwaltungszentrum zu bauen, sind aber auch andere Aspekte entscheidend: Die Verwaltung und die Dienstleistungen für die Bürger sollen zentral, verkehrsgünstig und gut erreichbar konzentriert werden", sagt er. Mit dem neuen Rathaus gegenüber entstehe ein zentraler Dienstleistungsort für die Dresdner. "Die Verwaltung soll in städtischem Eigentum untergebracht werden und die Stadt langfristig von der Entwicklung des Mietmarkts freimachen."

Der Forderung von Stadtrat Wirtz, nochmals nach geeigneten Mietflächen in Dresden zu suchen, hält Schmidt-Lamontain entgegen, dass auf dem privaten Mietmarkt keine zusammenhängenden Flächen im notwendigen Umfang und in einer vergleichbar guten Lage verfügbar sind.

Die Baugrube für das neue Verwaltungszentrum.
Die Baugrube für das neue Verwaltungszentrum. © René Meinig

Das sieht Wirtz anders. Signale für wirtschaftlich vertretbare Angebote lägen vor. Trotz einiger anfallender Kosten für das laufende Verfahren lohne es sich, noch über Alternativen nachzudenken, sagt Wirtz. Die Tiefbauarbeiten seien hinsichtlich archäologischer Untersuchungen und Altlasten nicht verloren und einigen hunderttausend Euro verlorenen Kosten lohne es nicht, mehrere Millionen hinterher zu werfen. 

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Nach Medieninformationen gibt es drei Bieter, die das neue Verwaltungszentrum bauen wollen. Sie haben zu Wochenbeginn einer Jury ihre Entwürfe vorgelegt. Diese sollen jetzt qualifiziert werden. Im Dezember ist eine Bürgerbeteiligung geplant, in der die Entwürfe öffentlich vorgestellt werden. Schon im Januar 2021 soll es die Entscheidung für einen der Bieter geben. Der Stadtrat wird über die Vergabe entscheiden, sagt der Baubürgermeister.  

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