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Ferdinandplatz: Wehrmachts-Druckerei entdeckt

Dort wo das neue Verwaltungszentrum entsteht, suchen Archäologen nach Dresdner Geschichte. Sie haben erst angefangen und bereits einiges gefunden.

Am Ferdinandplatz graben Archäologen nach alten Schätzen.
Am Ferdinandplatz graben Archäologen nach alten Schätzen. © Sven Ellger

Dresden. Weltkriegsbomben wurden bisher nicht unter dem Ferdinandplatz gefunden. Dafür aber andere Zeugnisse der Zerstörung Dresdens 1945.

Vor dem Bau des neuen Verwaltungszentrums gegenüber vom Rathaus untersucht das Landesamt für Archäologie derzeit, was sich unter der Oberfläche befindet, auf der bisher Autos standen. Die Experten sind begeistert von den Funden.   

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"Ich mache das mittlerweile seit 25 Jahren, aber in dem Umfang kenne ich das nicht", mit diesen Worten beschreibt Grabungsleiter Lutz Jansen vom Landesamt für Archäologie die bisherigen Funde und die Erkenntnisse, die daraus gewonnen wurden.

Zum Teil erhaltene Keller, in denen Regale mit mehreren Hundert Weinflaschen stehen, eine alte Verkorkungsmaschine, Reste von Weinfässern, etliche Teller aus Meißner Porzellan - allerdings zweite Wahl - Tabletts für Häppchen. Hier muss bis 1945 eine Art Catering-Service gearbeitet haben. Damals hieß es Traiteurgeschäft, abgeleitet aus dem Französischen. Im ehemaligen Gebäude Georgplatz 14 waren der Keller und die Weinabfüllung des "Café Sommer". Das eigentliche Café befand sich dort, wo heute die Straßenbahngleise an der St.-Petersburger-Straße liegen. 

Einige Meter weiter ist die ehemalige Waisenhausstraße 34. Dort befand sich die Druckerei Baensch. verkohltes Zeitungspapier, angebrannte Papierballen und geschmolzene Bleilettern zum Zeitungsdruck wurden dort entdeckt.

"Wir haben auch Formulare für die Wehrmacht gefunden", so Jansen. "Die Druckerei war im Dritten Reich offenbar kein unbedeutender Betrieb." Das ganze Papier kann nicht mehr geborgen werden, es wird nur dokumentiert. Alles ist angebrannt. "Die Häuser hier wurden durch die Bombardierung stark zerstört", erklärt Thomas Westphalen. Er ist der Chef der der archäologischen Denkmalpflege in Sachsen. "Der Zustand der Funde beweist, dass die Bedingungen in diesem Bereich absolut tödlich waren, es aber keinen Feuersturm gab, der Menschen quasi aufgelöst hat." Damit spielt er auf Kritiker der Historikerkommission an. Immer wieder wird behauptet, in Dresden habe es viel mehr Tote durch die Bombardierung am 13. Februar 1945 gegeben, als die Kommission herausgefunden hat.

Die Grabungen und Funde am Ferdinandplatz in Bildern:

© Sven Ellger
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Landesarchäologin Regina Smolnik erklärt: "Wir sind noch ganz am Anfang der Grabungen, mussten die Arbeit wegen Corona auch eine Weile unterbrechen." Derzeit werde das Areal freigeräumt. "Dadurch sehen wir, was 1945 zerstört wurde, die Keller sind zum Teil erhalten." Später gehe es auch tiefer in die Erde.

Interessante Funde erwarten die Experten auch auf dem Teil des Geländes, wo bis 1945 noch die Reichsbank stand. Damals ein Neubau, der für die Bank errichtet wurde. Geld erwarten sie allerdings nicht zu finden, aber vielleicht alte Aktien.

Da das Areal außerhalb der historischen Stadtmauern lag, standen dort anfangs Gartenhäuser und Scheunen. Die richtige Bebauung begann im späten 16. Jahrhundert, verdichtet wurde diese dann im 18. Jahrhundert. Wohn- und Geschäftshäuser mit Kellern entstanden erst im Königreich Sachsen ab den späten 1870er-Jahren. 1945 waren dann etwa 95 Prozent der Fläche bebaut.

"Deshalb haben wir auch die Hoffnung, unter den ehemaligen Höfen und Freiflächen auf ältere Funde zu stoßen", so Smolnik. Aus Abfällen wie Keramikscherben und auch der Beschaffenheit des Bodens können Archäologen konkrete Schlussfolgerungen schließen, wie die Menschen damals gelebt haben. Am Ferdinandplatz standen auch bis 1945 keine Wohnhäuser, sondern Werkstätten.  

Bis zum März 2021 wollen die Archäologen mit den Grabungen fertig sein. Zwischendurch rücken auch die Kampfmittelsucher erneut an, damit der nächste Bereich des Areal bombenfrei ist, bevor gegraben wird. Bei den ersten Untersuchungen gab es keine Funde. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass dort noch Kriegsbomben im Boden liegen.

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Für rund 140 Millionen Euro soll am Ferdinandplatz das neue Verwaltungszentrum entstehen. "Im März 2021 wollen wir entscheiden, welche Baufirma den Auftrag dafür bekommt und die Verträge unterschreiben", so Hochbauamtschef Marcus Felchner. "Momentan befinden wir uns im wettbewerblichen Dialog mit zwei Unternehmen. Geplant sind Plätze für 1.300 Mitarbeiter der Stadt. "Wenn Gott will, sind wir 2025 fertig", so Felchner.

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