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Dresden

Warum rufen Bibliotheken zu Demos auf?

CDU und FDP hatten zum ersten Mal gemeinsam zum Protest gegen Pegida aufgerufen. Zu dem Bündnis gehört auch die sächsische Bibliotheksgesellschaft.

Zu einer Gegendemo am Pegida-Montag hatte auch die sächsische Bibliotheksgesellschaft aufgerufen.
Zu einer Gegendemo am Pegida-Montag hatte auch die sächsische Bibliotheksgesellschaft aufgerufen. © Jürgen Loesel

Ungewöhnlich war am vergangenen Montag einiges: CDU und FDP hatten zum Demonstrieren gegen Pegida aufgerufen. Das gab es bisher weder getrennt, noch gemeinsam.

Zu dem Bündnis "Demokratie braucht Rückgrat" gehören die Katholische Kirche in Sachsen, die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen, der Landesverband der Jüdischen Gemeinden und eben die sächsische Bibliotheksgesellschaft.

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Bisher sind die Bibliotheken außerhalb ihres Tagesgeschäfts nicht sonderlich in Erscheinung getreten. Dass die Gesellschaft zu einer Demonstration aufgerufen hat, überraschte viele. Wie es dazu kam und weshalb sich die sächsische Bibliotheksgesellschaft nun auch öffentlich in die Gesellschaft einbringt - dazu sprach Sächsische.de mit Geschäftsführer Eric Hattke.

Der war bis vor ein paar Jahren Sprecher des Netzwerkes "Dresden für alle", das unter anderem Projekte fördert und sich gegen Ausgrenzung engagiert. Hattke weiß mindestens aus dieser Zeit, wie es ist, rechtem Hass ausgesetzt zu sein.

Was ist die sächsische Bibliotheksgesellschaft?

Hattke nennt es den "zivilgesellschaftlichen Arm" der Bibliotheken in Sachsen. Die Gesellschaft ist ein Verein, der Projekte organisiert und durchführt, die den Zielen der Bibliotheken entsprechen, wie Wissenstransfer, Bildungsgerechtigkeit, digitale Kompetenz und Digitalisierung des kulturellen Erbes, Demokratiestärkung und Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes.

Außerdem unterstützt er die Entwicklung der sächsischen Bibliotheken, deren Zusammenarbeit und die Kooperation mit wissenschaftlichen und kulturellen Institutionen. Er hat das Ziel, die Bibliotheken dabei zu unterstützen, immer mehr zu Orten des innovativen Wissensaustausches und der Begegnung aller Generationen zu werden.

Warum ruft die Gesellschaft zu Demos auf?

"Eines unsere drei Hauptthemen ist Demokratieförderung und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Das fällt somit in diese Kategorie", erklärt Eric Hattke. Er stellt aber auch klar, dass der Verein bei diesem Aufruf agiert. "Wir sprechen nicht im Namen der sächsischen Bibliotheken. Wir sind Dienstleister und Unterstützer der Bibliotheken."

Bibliotheken sind laut Hattke Orte, in denen das Wissen unterschiedlicher Kulturen gesammelt ist. Sie seien mehr als nur Bücher, sondern "Orte der Begegnung und Speicher des Wissens".

"Und sie sind Teil der Demokratie", so Hattke. "Ich meine, in einer Demokratie kann niemand neutral sein." Das Grundgesetz verpflichte zu Werten wie Freiheit, Gleichheit und der Würde des Menschen. "Pegida gefährdet  diese Grundsätze. Das ist ein Angriff auf unsere demokratischen Werte." Deshalb der Aufruf, dagegen zu demonstrieren.

Eric Hattke ist der Geschäftsführer der sächsischen Bibliotheksgesellschaft und war einer der Anmelder der Demonstration gegen den Besuch von Björn Höcke bei Pegida.
Eric Hattke ist der Geschäftsführer der sächsischen Bibliotheksgesellschaft und war einer der Anmelder der Demonstration gegen den Besuch von Björn Höcke bei Pegida. © privat

Wie ist es zu dem Bündnis gekommen?

"Es war das Anliegen der drei Veranstalter, für die demokratischen Grundwerte und gegen rechte Hetze zu demonstrieren", erläutert Hattke. CDU, FDP und Bibliotheksgesellschaft hatten gemeinsam die Idee und haben diese umgesetzt. "Das Umfeld politisch aktiver Menschen ist in Dresden überschaubar, dadurch kennt man sich", so Hattke.

Es sei ein gutes Zeichen für Dresden, dass nun auch CDU und FDP sich aktiv eingebracht haben. "Ich finde es gut, dass beide Parteien als erkennbare Akteure vertreten sind. Auch weil sie bisher nicht als Veranstalter von Gegendemos in Erscheinung getreten sind."

Wird es weitere Demonstrationen geben?

CDU und FDP haben bereits angekündigt, dass sie jeweils für sich intern auswerten wollen, ob und wie es weitergehen kann. "Ich respektiere das selbstverständlich", sagt Hattke. "Ich hoffe, dass es weitere gemeinsame Aktionen geben wird."

Dass es nun eine "bürgerliche" Gegendemo zu jedem Pegida-Spaziergang geben wird, ist jedoch unwahrscheinlich. Auch dazu hatten sich CDU und FDP bereits geäußert. Allerdings können sich die Parteiführungen zumindest vorstellen, bei größeren Anlässen wieder aktiv zu werden.

Ob es künftig auch bei Aufmärschen von Neonazis wie rund um den 13. Februar eine solche Demonstration geben wird, ist unklar. "Aus Respekt vor der Partnerschaft kann ich nicht sagen, was in Zukunft passieren wird", so Hattke. Das werde sich finden. "Aber ich würde es mir wünschen."

Werden sich weitere Parteien dem Bündnis anschließen?

Auch das bleibt offen. CDU und FDP haben bisher wenig Demoerfahrung, im Gegensatz zu SPD, Grünen und Linken. Sie haben sich nach eigenen Aussagen zunächst untereinander abgestimmt, um vor allem ihre Anhänger anzusprechen.

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"Egal in welchen Konstellationen, es ist das Wichtigste, dass alle für das Gleiche eintreten", meint Hattke. Das sei am Montag gelungen, gleichwohl es diese neue "bürgerliche" Demo und die bekannte Pegida-Gegendemo von "Nationalismus raus aus den Köpfen" gab. "Solange es keine Einteilung in gute oder böse Gegendemo gibt, ist es egal, ob es eine große oder mehrere kleinere davon gibt", so Hattkes Fazit.

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