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Wie die Leubnitzer Kirche gerettet wird

Die Hitze-Sommer lassen die Dresdner Kirche absacken. Die Gemeinde hat Geld gesammelt - nun wird das Gebäude gesichert. Wie die Corona-Krise dabei hilft.

Fehlendes Grundwasser hat an der Kirche in Dresden Leubnitz-Neuostra große Schäden verursacht. Jetzt muss dringend gehandelt werden.
Fehlendes Grundwasser hat an der Kirche in Dresden Leubnitz-Neuostra große Schäden verursacht. Jetzt muss dringend gehandelt werden. © Juergen Loesel

Dresden. Altar, Orgel und Kanzel in der Leubnitzer Kirche sind derzeit verhüllt, das Gotteshaus gleicht einer Großbaustelle. Das hat einen ersten Hintergrund: Weil das barocke Kirchgebäude in der Menzelgasse von Rissen durchzogen ist, muss es jetzt schnell gesichert werden. Für rund 300.000 Euro - 70 Prozent davon trägt das städtische Denkmalschutzamt - werden derzeit Bohrpfähle bis zu zwölf Meter tief in den Boden gebracht. In dieser Tiefe stoßen die Bohrungen auf festen Untergrund. 

Die Pfähle kommen dort in den Boden, wo sich die Stützpfeiler befinden. Sie werden von außen und innen in das Erdreich getrieben und anschließend mit Beton festgepresst. 

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Warum das nötig ist und wie es weitergeht:

Wie hat sich der bauliche Zustand entwickelt?

Im Herbst 2019 hatte die Gemeinde den besorgniserregenden Zustand der Leubnitzer Kirche öffentlich gemacht: Armbreite Risse durchziehen die Wände des Gebäudes, dessen Geschichte bis ins Mittelalter reicht, im schlimmsten Fall könnte es sogar einstürzen. Grund ist der aus Plänermergel bestehende Baugrund an der Südseite des Gotteshauses, der durch die beiden letzten trockenen Sommer geschrumpft war.

Mit der Folge, dass Mörtel- und Putzteile herabstürzten. Die Lage war so dramatisch, dass sogar der Altarraum gesperrt werden musste. Mittlerweile sind dort Gerüste hingestellt worden, um die lockeren Gewölberippen zu stützen. Einige Gottesdienste am Heiligabend mussten deshalb draußen im Pfarrhof stattfinden.

Gemeindepfarrer Wolf-Jürgen Grabner kann seine Hand im Riss verschwinden lassen. Das zeigt deutlich, wie dringend nötig eine erste Sicherung des Gebäudes jetzt ist.
Gemeindepfarrer Wolf-Jürgen Grabner kann seine Hand im Riss verschwinden lassen. Das zeigt deutlich, wie dringend nötig eine erste Sicherung des Gebäudes jetzt ist. © René Meinig

Wie kam es zu den Rissen?

Die Kirche wurde auf einem Hügel errichtet. Der besteht aus Tonmaterialien, wie ein Bauexperte erklärte. Durch den mangelnden Niederschlag in den vergangenen Jahren scheint der Ton ausgetrocknet zu sein. Das legen zumindest die Untersuchungen eines Geotechnikers nahe, der den Baugrund im Auftrag der Kirchgemeinde untersucht hat. Demnach ist in sechs Metern Tiefe kein Wasser mehr vorhanden, was den Hügel und mit ihm das Gebäude zum Absacken bringt. "Somit sind die Risse auch ein Stück weit Folgen der klimatischen Veränderungen", sagte Pfarrer Wolf-Jürgen im Herbst vergangenen Jahres.

Auch der Feuchtigkeitsgehalt und die Temperaturen vor Ort spielen eine Rolle: Mauerwerke bekommen Risse, wenn es auf der einen Seite sehr warm und auf der anderen Seite kalt ist. So lässt es sich nicht verhindern, dass Materialien entsprechend ihrer Temperaturen und Feuchtegehalte Dehnungen und Schwingungen unterliegen. 

Wie konnte die Kirche nun gesichert werden?

Um den Eigenanteil für die gesamten Baukosten in Höhe von rund 250.000 Euro aufbringen zu können, hatte die Kirchgemeinde im Advent 2019 unter dem Motto „Gib festen Halt“ einen Spendenaufruf gestartet. Etwa 5.500 Spendenbriefe, unterschrieben auch von bekannten Leubnitzer Handwerkern, wurden im Stadtteil verteilt. "Die Resonanz war überwältigend", berichtet Grabner. In knapp vier Monaten wurden dadurch mehr als 165.000 Euro an Spenden gesammelt, an diesem Dienstag lag die Summe schon bei 171.000 Euro. 

Bei vielen Unterstützern hat sich die Gemeinde mit einem persönlichen Gruß - einem Aquarell der Leubnitzer Kirche - bedankt. Das Bild wurde von Andreas Knoblauch gestaltet, der ebenfalls in Leubnitz wohnt. 

Was soll nun noch geschehen, um das Gebäude zu retten?

Nachdem die Stützpfeiler an der südlichen Außenwand inzwischen mithilfe der Bohrpfähle fest im Boden verankert sind, beginnt nun die Sanierung der Gewölbe im Inneren der Kirche. Metallnadeln verbinden künftig Gewölbeschalen und -rippen. Parallel dazu werden derzeit die Bohrarbeiten im Gebäude fortgeführt. Durch den begrenzten Platz sind das deutlich kompliziertere Arbeiten als im Außenbereich.  

In diesem wie im nächsten Jahr muss weiter am Gebäude gebaut werden. Bizarr: Ausgerechnet die Corona-Krise hat dabei ihr Gutes. "Dass wir derzeit gottesdienstenthaltsam leben, ist im Moment eine Chance für uns", sagt Pfarrer Wolf-Jürgen Grabner. Größere Veranstaltungen müssen also nicht verschoben werden, sodass die Fachleute zügig mit ihrem Projekt vorankommen.

Aktuelle Informationen und ein Bautagebuch finden Interessierte unter: www.gib-festen-halt.de

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