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Die Semperoper wird aufpoliert

Im Haus wird der Sommer für Umbau- und Sanierungsarbeiten genutzt, etwa im Champagnerzimmer, in dem schon Honecker angestoßen haben soll.

Dirk Lattermann schleift den neu verlegten Schwarzkiefern-Belag auf der Hauptbühne der Semperoper ab. Dort ist nächste Woche bereits die erste Aufführung nach der Sommerpause.
Dirk Lattermann schleift den neu verlegten Schwarzkiefern-Belag auf der Hauptbühne der Semperoper ab. Dort ist nächste Woche bereits die erste Aufführung nach der Sommerpause. © Sven Ellger

Dresden. Handwerker nutzen die warme Jahreszeit für umfassende Arbeiten an der Semperoper, die nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg am 13. Februar 1985 wiedereröffnet worden war. Gearbeitet wird sowohl hinter dem großen Bauzaun am Eingangsbereich, als auch auf der Bühne und im einstigen Gaststättenbereich mit dem Champagnerzimmer im Untergeschoss. Noch in diesem Monat sollen viele Arbeiten abgeschlossen werden, sagt  Sachgebietsleiter Knut Börner vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). Ein Blick hinter die Absperrung:

Die letzten Bauzäune vor der Semperoper verschwinden jetzt. Die Sanierung am Haupteingang wird abgeschlossen.
Die letzten Bauzäune vor der Semperoper verschwinden jetzt. Die Sanierung am Haupteingang wird abgeschlossen. © René Meinig

Der Eingang: Feuchte Außenwände abgedichtet

Etappenweise werden die vorderen Außenwände der Semperoper in Richtung Theaterplatz abgedichtet. „Das war nötig, weil die horizontale Abdichtung fehlte“, erklärt Börner. Das hatte mehrere Konsequenzen. Die Außenwände waren feucht. Zudem war Salz ins Mauerwerk eingedrungen. Im Laufe der Jahre hatten sich auch die Treppenanlagen gesenkt und leicht zur Gebäudeseite geneigt. 

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Neu abgedichtet sind jetzt auch die Außenwände im Bereich des Haupteingangs der Semperoper.
Neu abgedichtet sind jetzt auch die Außenwände im Bereich des Haupteingangs der Semperoper. © Sven Ellger

Deshalb mussten die Granitstufen sowie die dem barocken Vorbild nachempfundenen Laternen abgebaut und der Untergrund ausgehoben werden. Begonnen hatten diese Arbeiten 2018 an den Treppenanlagen auf der Zwingerseite. „Dabei wurden das Mauerwerk verfestigt und eine zusätzliche Betonschicht darauf aufgebracht“, sagt der Fachmann. Hergestellt wurden zudem ein vernünftiger Unterbau und gute Abdichtungen. 2019 kam die Elbseite der Freitreppen an die Reihe. In den vergangenen beiden Jahren waren die Arbeiten immer vor dem Stadtfest abgeschlossen. Im Frühjahr hatten sie am Hauptzugang begonnen. Dabei mussten auch Sandsteine im Sockelbereich und Skulpturen abgebaut werden, um Sicherungsarbeiten ausführen zu können. 

Der Pirnaer Straßenbaumeister Rico Kaßmann und seine Mitarbeiter pflastern derzeit die Fläche vor dem Haupteingang.
Der Pirnaer Straßenbaumeister Rico Kaßmann und seine Mitarbeiter pflastern derzeit die Fläche vor dem Haupteingang. © Sven Ellger

Jetzt sind die Arbeiten fast abgeschlossen. Alle Granitstufen sind bereits neu versetzt. Mitarbeiter der Pirnaer Firma Kaßmann pflastern derzeit noch die Flächen vor dem Zugang. Bis zur kommenden Woche soll diese Baustelle komplett beräumt sein, sodass auch die Bauzäune verschwinden. „So dürfte der Eingangsbereich bis zum nächsten Jahrhundert halten“, sagt Börner. Insgesamt hatte der SIB rund 1,1 Million Euro für diese Arbeiten investiert.

Die Bühne: Handwerker mit großer Erfahrung

Erforderlich war es zudem, den insgesamt 2.400 Quadratmeter großen Bühnenboden der Semperoper komplett zu erneuern. Die Unterkonstruktion war bis 1985 eingebaut worden. Der Bühnenboden hatte 2006 letztmalig einen neuen Belag erhalten, erklärt der SIB-Sachgebietsleiter. Aber nicht nur aus diesem Grund wird er jetzt erneuert. „Auf Grund der erhöhten Belastungen durch die Bühnentechnik entspricht das verbaute Material nicht mehr den technischen und nutzungsbedingten Anforderungen.“ Die Oberflächen waren verschlissen. Zudem waren die Spalten zwischen den beweglichen Bühnenelementen zu groß, sodass eine erhebliche Verletzungsgefahr bestand. 

Der neue Bühnenbelag wurde seit Januar dieses Jahres vorgefertigt. Die Arbeiten an der Hauptbühne konnten früher beginnen, als ursprünglich geplant. Denn zum Auftakt der Coronakrise musste der Spielbetrieb eingestellt werden.

Nebenbühnen im hinteren Bereich haben jetzt neues Parkett bekommen. Der Großteil der Bühne hat jedoch einen besonders tragfähigen Belag aus dreischichtigen Schwarzkiefern-Platten erhalten. Schließlich fordert die Semperoper, dass er einer Belastung von 1.000 Kilogramm pro Quadratmeter problemlos standhalten muss. In Österreich wird diese einheimische Holzart schon lange beim Bühnenbau verwendet.

Mit schweren Gewichten wird getestet, dass der neue Bühnenbelag auch die geforderte Belastung aushält.
Mit schweren Gewichten wird getestet, dass der neue Bühnenbelag auch die geforderte Belastung aushält. © Sven Ellger

Nächste Woche müssen die letzten Arbeiten abgeschlossen sein. Schließlich soll am Freitag bei der ersten Vorstellung nach der Sommerpause auf der Bühne der Barbier von Sevilla aufgeführt werden. Dirk Lattermann ist sich sicher, dass er und seine Kollegen vom Bühnenbau Wertheim das schaffen. Beim Vor-Ort-Termin ist der 38-Jährige gerade mit seiner Schleifmaschine auf der Hauptbühne aktiv, um dem Schwarzkiefern-Belag den letzten Schliff zu verpassen. Insgesamt elf Wochen hatte der gebürtige Thüringer dort gearbeitet. Erfahrungen hat er genügend. Schließlich habe er schon an Bühnen in der Berliner Staatsoper unter den Linden, im Friedrichstadtpalast und sogar in einem Pekinger Opernhaus gearbeitet.

Im kommenden Jahr sind dann noch die letzten Arbeiten nötig, erläutert der SIB-Sachgebietsleiter, unter anderem an der Drehbühne und im Orchestergraben. Für diese Arbeiten investiert der SIB weitere rund 1,3 Millionen Euro. 

Saniert werden auch die zuvor feuchten Außenwände des Rundfoyers im Untergeschoss. Das stand bei der Jahrhundertflut 2002 unter Wasser.
Saniert werden auch die zuvor feuchten Außenwände des Rundfoyers im Untergeschoss. Das stand bei der Jahrhundertflut 2002 unter Wasser. © Sven Ellger

Das Champagnerzimmer: Anschließender Tunnel verfüllt

Weitere Arbeiten werden im Untergeschoss ausgeführt. Dort sanieren Bauleute die zuvor feuchten Außenwände des Rundfoyers der einstigen Gaststätte, die seit der Jahrhundertflut 2002 nicht mehr genutzt wird. In dem Zuge wird auch das sogenannte Champagnerzimmer in Richtung Theaterplatz instandgesetzt. Für den Namen soll es Börner zufolge zwei Erklärungen geben. Einerseits soll dort früher Champagner gelagert worden sein. Zum anderen werde erzählt, dass bei der Eröffnung 1985 Staats- und Parteichef Erich Honecker mit anderen Promis in diesem Raum mit dem edlen Tropfen angestoßen hat. 

Ein Blick in das instandgesetzte Champagnerzimmer. Dort soll Erich Honecker zur Eröffnung der Semperoper den edlen Tropfen getrunken haben.
Ein Blick in das instandgesetzte Champagnerzimmer. Dort soll Erich Honecker zur Eröffnung der Semperoper den edlen Tropfen getrunken haben. © Sven Ellger

Das Champagnerzimmer wird ebenfalls so saniert, dass es dichte Wände bekommt. Dahinter befindet sich ein Stück eines Tunnels in Richtung Schloss. Der Zugang wurde mit einer Mauer verschlossen, sodass keine Feuchtigkeit mehr in die Semperoper eindringen kann. Nach Abstimmung mit der Stadt sei das Tunnelstück dann mit Kies verfüllt worden. So bleibt es späteren Generationen noch möglich, die historische Baukonstruktion zu erkunden. Bis Oktober werden alle Arbeiten in diesem Bereich abgeschlossen.

Die Gerüste: Standfestigkeit der Figuren geprüft

Noch eingerüstet ist die Semperoper in Richtung Zwinger. Dort wurde untersucht, ob die Skulpturen fest stehen.
Noch eingerüstet ist die Semperoper in Richtung Zwinger. Dort wurde untersucht, ob die Skulpturen fest stehen. © Sven Ellger

An der Zwingerseite des Opernhauses stehen noch Gerüste, die ebenfalls bald fallen werden. Im zweijährigen Rhythmus wird die Standfestigkeit der Skulpturen geprüft, erklärt Börner. Außerdem untersuchen Fachleute die Fassade, reinigen sie und bessern mögliche Schäden aus. Im nächsten Jahr ist dann wieder die Elbseite der Semperoper an der Reihe, wo Gerüste für diese Arbeiten aufgestellt werden.  

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