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Die kleine Anna und ihr großes Vorbild

Shorttrack und Anna gibt es jetzt in Dresden sogar zweimal. Eine 15-Jährige will Karriere machen wie ihre Namensvetterin - und startet bei Mini-Olympia in Sarajevo.

Anna Baber will bei Klein-Olympia groß rauskommen.
Anna Baber will bei Klein-Olympia groß rauskommen. © Ronald Bonß

Nach 35 Jahren schließt sich der Kreis. Sarajevo ist nach den Olympischen Winterspielen von 1984 ein weiteres Mal Gastgeber für ein sportliches Großereignis. Das ist allerdings eine Nummer kleiner – und jünger. Das 14. Europäische Olympische Jugend-Winterfestival vereint den Nachwuchs des Kontinents in acht Sportarten vom 9. bis zum 16. Februar in der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina.

Der Deutsche Olympische Sportbund nominierte 38 Nachwuchsathleten für die kleinen Winterspiele, darunter auch zwei Dresdner: die Shorttracker Jonas Hammermüller und Anna Baber, beide vom EV Dresden. „Unsere Nachwuchsathletinnen und -athleten sollen erstmals olympische Luft schnuppern. Darüber hinaus soll die Teilnahme den Traum wecken, auch einmal bei Olympischen Spielen zu starten“, sagt Katrin Weckmann, Chefin de Mission im deutschen Team.

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Mentale Belastung kann positiv sein und zu herausragenden Leistungen führen. Allerdings birgt sie auch eine Gefahr für die Gesundheit.

Baber passt perfekt in dieses Anforderungsprofil. Sie hat bereits eine wichtige Entscheidung in ihrem Leben getroffen, um genau dorthin zu gelangen: zu Olympia. Die gebürtige Meißnerin, die in der 130-Seelen-Gemeinde Naundörfel bei Meißen wohnt, hat ihre Karriere bei den Inline-Speedskatern des SSC Meißen begonnen und es bis in den Bundeskader und die Jugend-Nationalmannschaft geschafft. Seit 2013 ist sie parallel dazu im Winter beim Shorttrack unterwegs. „Bis zum vergangenen Jahr bin ich im Sommer noch beim Speedskating zu Wettkämpfen angetreten“, bestätigt die 15-Jährige. Mit dieser Doppelbelastung ist nun Schluss. „Wir haben 2014 die Olympischen Spiele in Sotschi gesehen. Das war so cool. Mir war klar: Da will ich auch hin. Speedskating ist leider nicht olympisch.“

Shorttrack ist es seit 1992. Also entschied sie sich dafür. „Im nächsten Jahr mache ich noch einen Speedskating-Wettkampf. Dann ist endgültig Schluss. Das ist schon traurig, weil ich da auch viele Freunde habe.“ Wenigstens zugucken will der Teenager bei den dann ehemaligen Vereinskollegen gelegentlich. „Deswegen ist das schon okay.“

Ein Praktikum im Kindergarten abgesagt

Sie fühlt sich nun erst recht in ihrer Entscheidung bestärkt, da sie als zweitbeste deutsche Shorttrackerin ihres Jahrgangs nach Sarajevo darf und dabei von Hammermüller, dem mit 14 Jahren jüngsten Starter des deutschen Teams, begleitet wird. „Das ist jetzt schon ein riesiger Ansporn, es mal zu den richtigen Olympischen Spielen zu schaffen“, sagt die nur 1,53 Meter große Athletin. Denn was sie in der Olympiastadt von 1984 erwartet, weiß nicht mal ihr Trainer Johannes Markert. „Über den Ablauf haben wir noch wenig Informationen“, sagt er. Fest steht, dass Baber im Einzel und in der Mixed-Staffel zum Einsatz kommt. Für den Auftritt musste sie ihr bereits genehmigtes Schüler-Praktikum in einem Kindergarten wieder absagen.

Das Eislauftalent wohnt im Sportinternat in Dresden und steht dort jeden Tag 5.30 Uhr auf, weil eine Stunde später das erste Training ansteht. „Wenn Anna so weitermacht, ist für sie im nächsten Jahr definitiv die Junioren-Weltmeisterschaft ein Thema“, sagt Markert. Dabei wissen beide genau, woran sie noch arbeiten müssen. „Den Start verschlafe ich regelmäßig“, sagt Baber und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Grundsätzlich sehe ich mehr Stärken als Schwächen. An der Technik muss man immer arbeiten. Bei den Gedanken, wie und wo sie am besten überholen kann, ist sie manchmal noch ein bisschen zu überhastet“, sagt Markert.

Dafür braucht man Erfahrung, persönliche und visuelle. Beim Weltcup in Dresden am vergangenen Wochenende war Baber als Helferin eingespannt. „Ich war als Springer eingeteilt, habe also alles mal ein bisschen gemacht, Listen von A nach B getragen oder Essen ausgegeben. Am liebsten haben wir natürlich den Großen zugeschaut. Da denkst du schon: Mit denen willst und kannst du vielleicht mal laufen“, sagt sie. Zu den Großen – zumindest in Deutschland – gehört auch Klubkollegin und Namensvetterin Anna Seidel, hierzulande das Gesicht dieser Sportart. „Anna ist schon ein Vorbild. An ihr orientiere ich mich natürlich“, sagt die kleine Anna.