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Dresden

Wie Dresden in Zukunft Sport treiben kann

Der Verein Motor Mickten weiß, wie kostbar Lebenszeit ist. Durch eine neue Idee sollen Familien sie besser nutzen.

Auf der Brachfläche könnte der große Campus samt Schwimmhalle entstehen (rechts). Als Ergänzung sind  Gewerbeansiedlungen denkbar (links).
Auf der Brachfläche könnte der große Campus samt Schwimmhalle entstehen (rechts). Als Ergänzung sind Gewerbeansiedlungen denkbar (links). © Visualisierung: IPROconsult

Drei Kinder, drei Interessen, drei Nachmittage an denen Mama oder Papa die Kleinen durch die Stadt kutschieren müssen, um dann an irgendeinem Spielfeldrand den Kindern beim Sport zuzusehen.

„Für Menschen im Familienleben ist das Zeit, die sie dadurch unter der Woche verlieren“, sagt Frank Elsner – und will das ändern. Der 48-Jährige bildet gemeinsam mit Steffen Tampe den Vorstand des Sportvereins Motor Mickten. Gleich mehrere Probleme begegnen ihnen seit Jahren permanent im Breitensport: Es gibt immer mehr Hobbysportler bei zu geringen Hallenzeiten, weite Wege zu stadtweit verstreuten Hallen, und zu wenig Angebote für behinderte Sportler.

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Warum also nicht eine große Lösung suchen, eine Vision für die Moderne? Vor drei Jahren haben Elsner und Tampe, die dem Verein mit rund 1.600 Mitgliedern vorstehen, einen Blick über die große Hauptstraße vor ihrem Vereinsgelände geworfen. Auf der anderen Seite der Riesaer Straße befindet sich eine 40.000 Quadratmeter große Brachfläche, an zwei Seiten begrenzt von Bahnschienen und derzeit noch im Eigentum der Deutschen Bahn – aber mit vielen Möglichkeiten zum Entwickeln. Laut Tampe will die Deutsche Bahn dieses besagte Gelände Harkortstraße 2 verkaufen, die Stadt habe ein Vorkaufsrecht. Schon seit Jahren ist für diese Fläche der Bau einer neuen Schwimmhalle im Gespräch. Ein überraschender Stadtratsbeschluss aus dem April hat dafür die Weichen gestellt.

Nun legen Elsner und Tampe eine kleine Projektstudie des Dresdner Unternehmens Iproconsult vor, die der Verein selbst finanziert hat. Einen fünfstelligen Betrag hat das gekostet. In der Studie ist eine Schwimmhalle berücksichtigt – und noch vieles mehr. Der Verein möchte dort einen „Motor Mickten Campus“ errichten. Neben der Schwimmhalle samt Wellnessbereich sind eine multifunktionale Dreifeld-Sporthalle, ein Kletterbereich, eine Tauchanlage und ein kleinteiliger Sport- und Fitnessbereich geplant. Von 7 bis 23 Uhr soll es durchgängig Angebote geben.

Die Ideengeber verstehen das künftige Sport- und Vereinszentrum als „Supermarkt für die Freizeit“. Während die Kinder einen Sportkurs oder die Musikschule auf dem Gelände besuchen, können Eltern oder Großeltern in derselben Zeit etwas für sich tun. Auch von einer Hausaufgabenhilfe ist die Rede. Noch ist nicht klar, ob Motor Mickten allein oder mit anderen Vereinen als Betreiber auftritt. Davon hängt wiederum ab, wie die Angebote genutzt werden können. Elsner bevorzugt eine Lösung für Vereinsmitglieder und auch Nichtmitglieder.

Das Potenzial im dicht besiedelten Bereich Pieschen/Neustadt ist da. Prognosen gehen in einigen Jahren von 115.000 Einwohnern aus. Hinzu kommen zahlreiche große Firmen, die sich hier angesiedelt haben und die ihre Mitarbeiter gesund erhalten sollten. „Bisher werden zwar die Firmenwagen regelmäßig gehegt und gepflegt, aber nicht die Mitarbeiter“, sagt Elsner. Er argumentiert mit kurzen Wegen im Stadtteil – auch für die Trainer.

Bis zu 200 neue Arbeitsplätze

Bisher müssen sie mit ihren Materialien immer wieder zu den 30 verschiedenen Hallen in der gesamten Stadt fahren. Besser wäre es, deren Kraft gezielt an einem Ort einzusetzen, meint Elsner. Und: Sollte das Projekt Realität werden, wäre vieles nicht mehr mit dem Ehrenamt zu stemmen. Die Initiatoren rechnen mit bis zu 200 neuen Arbeitsplätzen, die entstehen könnten. Auch durch Dienstleistungen rund um den Sport, wie Physiotherapien oder ein Hostel.

Das soll, genauso wie der Rest des gesamten Campus, zu 100 Prozent behindertengerecht gebaut werden. Der Verein will, dass Inklusion nicht nur auf dem Papier, sondern in der Realität stattfindet. So, dass sich Behinderte komplett unabhängig durch das dreigeschossige Gebäude bewegen können. Inklusive großen, automatisch öffnenden Türen, Hörschleifen und Blindenleitsystem.

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Um die restliche Fläche des Areals zu entwickeln, könnte ein mehrteiliger Gebäudebereich für Gewerbe entstehen. Es bleibt die Frage, wer all das finanzieren und bauen soll. Bis September will Motor Mickten noch einen Geschäftsplan vorlegen. Schon jetzt geht Vorstand Steffen Tampe von einem zweistelligen Millionenbetrag für das Projekt aus. Dieses könnte ab 2025 entstehen. Er sieht dafür auch Stadt und Land in der Pflicht. Ihre Ideen seien dort schon gut aufgenommen worden. Der Verein solle erst einmal weiterplanen, hieß es. Tampe verweist auch auf die Kulturhauptstadtbewerbung und Fördergelder, die für vergleichbare Projekte geflossen sind. Der Verein ist nicht dafür bekannt, Luftschlösser zu bauen – ganz im Gegenteil. 2001 wurde die eigene große Turnhalle mit Vereinssitz am Pestalozziplatz eingeweiht. Seit März ist der 500.000 Euro schwere Kredit abbezahlt. „Zeit für das nächste Großprojekt“, meint Tampe.