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Dresden

So sah der Striezelmarkt früher aus

Von Petroleumlampen bis Riesenstriezel und Nizzasperren: Die Geschichte des ältesten deutschen Weihnachtsmarkts in historischen Bildern.

Der Dresdner Striezelmarkt auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1978.
Der Dresdner Striezelmarkt auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1978. © SZ-Archiv: Werner Mohn

Der allererste Striezelmarkt soll nur einen Tag gedauert haben. "Anno 1434 bewilligten Kurfürst Friedrich II. und sein Bruder Herzog Sigismund 'am Tage vor dem Heiligen Christabend' einen freien Markt auf dem Altmarkt". So schreibt es die Stadt Dresden auf ihrer Website. 

Heute ist der Markt einer der traditionsreichsten und beliebtesten Weihnachtsmärkte Deutschlands. Laut Stadt reisen jedes Jahr mehr als 240 Händler und Schausteller dazu an. Ob es tatsächlich der älteste Markt ist, an dieser Frage scheiden sich die Geister. Der Streit zwischen Dresden und Bautzen ging am Ende so aus: Der Dresdner Striezelmarkt ist "Deutschlands ältester beurkundeter Weihnachtsmarkt". Der Bautzener Wenzelsmarkt  darf sich "Deutschlands ältester in einer Chronik genannter Weihnachtsmarkt" nennen. 

Das ist die Geschichte des Marktes in Bildern.  

1937: Der Striezelmarkt wandert

Vor 1945: Der Striezelmarkt im alten historischen Stallhof.
Vor 1945: Der Striezelmarkt im alten historischen Stallhof. © SZ-Archiv: Presse Foto Koch

Im Stallhof, zwischen Georgentor und Johanneum, wird im Jahr 1937 ein "nostalgischer Striezelmarkt" durchgeführt, mit sächsischen Erzeugnissen nach historischem Vorbild.  

Wechselnde Standorte prägen die Geschichte des Marktes, darunter sind Neumarkt, Hauptstraße, Postplatz, Johanngeorgenallee, Antonsplatz, Stallhof, Stadthalle, Theaterplatz, Weiße Gasse, Fucikplatz (jetzt Straßburger Platz), Ferdinandplatz. 

Darüber machte sich Ratsaktuar Carl Canzler schon 1865 seine Gedanken:

"Welch' verändertes Bild gewährt gegen sonst unser guter Striezelmarkt! Wo ehedem an den Häuserfronten des Altmarkts und den angrenzenden Straßen die kleine lebensfrohe Verkaufswelt mit ihren Pyramiden, Feuerrüpeln ... und anderen historischen Christkindherrlichkeiten feilhielt, ist alles öd und leer! Es heißt, Dresden werde Großstadt, und einer Bekanntmachung zufolge sind alle diese armen Menschen, die hier ihr Weihnachtsgeschäft machten und auf die Barmherzigkeit mitleidiger Menschen angewiesen waren, von nun an auf den Antonsplatz verwiesen. Wer wird die Ärmsten dort aufsuchen?" (Quelle: Stadt Dresden)

Ab 1945:

Nach dem Krieg begann der Markt zunächst als Weihnachtsmesse in der Goehle-Fabrik an der Riesaer Straße (heute teilweise Zentralwerk in Pieschen), dann zog er in die Stadthalle am Nordplatz. Erst 1954 kam der Markt zurück in die Innenstadt, erst auf den Theaterplatz, dann ab 1977 wieder fest auf den Altmarkt. Erst dort boomte das Geschäft wieder, wie die Dresdner Neuesten Nachrichten vor wenigen Jahren beschrieben: 

"Wie aus einer damaligen Statistik hervorgeht, verzehrten die Striezelmarktbesucher 1977 insgesamt rund 18 Tonnen Broiler, 50 Tonnen Bock- und Bratwürste, 23 Tonnen Schaschlyk, 180.000 Pfannkuchen und kauften 23.000 Stollen. Derweil investierte die Kommune in die Traditionsveranstaltung, allein zwischen 1981 und 1985 steckte der Rat der Stadt etwa 1,2 Millionen Mark in diverse Aufhübschungen."

1972: "Armselige Petroleumlampen"

1972: Besucher des Striezelmarktes.
1972: Besucher des Striezelmarktes. © SZ-Archiv: Gerhard Hammer

1972 berichtet der Autor Werner Ehlich in seinen "Advendserinnerungen eines Dresdners":

"Acht Tage vor Weihnachten begann der Striezelmarkt. Da waren die Buden mit Pulsnitzer Pfefferkuchen, erzgebirgisches Spielzeug, Posamenten, Bänder und Plauener Spitzen, Kunstblumen, Pantoffeln und Hausrat. Im warmen Schein der armseligen Petroleumlampen, welche die Buden erhellten, wirkte alles zauberhaft, erst recht, wenn Schnee lag. Wie blinkte da der angebotene Christbaumschmuck, zu dem nicht nur Thüringer Glaskugeln, Sterne und Lametta gehörten, sondern auch die bunten, oft verzierten Wachskerzen und die Wachsstöcke. Kam man dann am ersten Feiertag über die Striezelmarktplätze, war bereits jede Bude über Nacht verschwunden und alle Reste zusammengekehrt. Das war bezeichnend für die als besonders sauber geltende Stadt."(Quelle: Stadt Dresden)

1977: Der Weihnachtsmann schnitt früher noch selbst den Stollen auf dem Striezelmarkt an. Erste Stücke gab es bereits damals zur Eröffnung. Im Hintergrund sieht man den beliebten Adventskalender. 
1977: Der Weihnachtsmann schnitt früher noch selbst den Stollen auf dem Striezelmarkt an. Erste Stücke gab es bereits damals zur Eröffnung. Im Hintergrund sieht man den beliebten Adventskalender.  © SZ-Archiv: Hans Dieter Opitz
1978: Der Weihnachtsbaum ist auf dem Ferdinandplatz (damals Ort des Marktes) eingetroffen. Zum Boden hin wird er zwar schon etwas lichter, dafür macht er den Makel mit Größe wett. 
1978: Der Weihnachtsbaum ist auf dem Ferdinandplatz (damals Ort des Marktes) eingetroffen. Zum Boden hin wird er zwar schon etwas lichter, dafür macht er den Makel mit Größe wett.  © SZ-Archiv: Werner Mohn
1978: Geschmückt sieht der Baum zur Eröffnung des Striezelmarktes dann gar nicht mehr so schlecht aus.
1978: Geschmückt sieht der Baum zur Eröffnung des Striezelmarktes dann gar nicht mehr so schlecht aus. © SZ-Archiv: Werner Mohn
1984: Hütten mit "Spielwaren" und Dingen "Für den Gabentisch" stehen auf dem Striezelmarkt auf dem Altmarkt. Davor ein Riesennussknacker.
1984: Hütten mit "Spielwaren" und Dingen "Für den Gabentisch" stehen auf dem Striezelmarkt auf dem Altmarkt. Davor ein Riesennussknacker. © SZ-Archiv: Gunter Hübner
1986: Kleine Pflaumentoffel tanzen auf der Bühne des Striezelmarktes.
1986: Kleine Pflaumentoffel tanzen auf der Bühne des Striezelmarktes. © SZ-Archiv: Gunter Hübler
1988: Der Weihnachtsmann spricht zum Volk.
1988: Der Weihnachtsmann spricht zum Volk. © SZ-Archiv: Waltraut Kossack
1989: Der Dresdner Striezelmarkt im Wendejahr.
1989: Der Dresdner Striezelmarkt im Wendejahr. © SZ-Archiv: Gunter Hübner
Wahrscheinlich Ende der 80er-Jahre: Ein Stand des CENTRUM-Warenhauses auf dem Striezelmarkt verkauft unter anderem Spielwaren.
Wahrscheinlich Ende der 80er-Jahre: Ein Stand des CENTRUM-Warenhauses auf dem Striezelmarkt verkauft unter anderem Spielwaren. © SZ-Archiv: R. Schelbe
1993: Besucher drängen sich auf dem Dresdner Striezelmarkt rund um die Pyramide, im Hintergrund der Kulturpalast.
1993: Besucher drängen sich auf dem Dresdner Striezelmarkt rund um die Pyramide, im Hintergrund der Kulturpalast. © SZ-Archiv

1994: Das Stollenfest wird geboren

Seit 1994 wird das Dresdner Stollenfest immer am Sonnabend vor dem 2. Advent gefeiert. Das Fest um den Riesenstriezel geht zurück auf das Zeithainer Lustlager August des Starken im Jahr 1730. Für seine Gäste aus ganz Europa ließ der Kurfürst damals von Bäckermeister Johann Andreas Zacharias und dessen Knechten einen 1,8 Tonnen schweren Riesenstollen backen. 1994 ging der neue Riesenstollen mit einem Gewicht von gut 2.700 Kilogramm ins Guinness-Buch der Rekorde ein. Später wurde dieser Rekord mehrmals wieder gebrochen. 

Seit 1995 gibt es auch ein Stollenmädchen. Und seit 1997 steht die weltgrößte erzgebirgische Stufenpyramide auf dem Markt. 

1995: Oberbürgermeister Herbert Wagner schneidet den Stollen an. Der Bäckermeister gibt gute Ratschläge und der Weihnachtsmann darf immerhin das Mikro halten. 
1995: Oberbürgermeister Herbert Wagner schneidet den Stollen an. Der Bäckermeister gibt gute Ratschläge und der Weihnachtsmann darf immerhin das Mikro halten.  © SZ-Archiv: Hornig

2007: Der Striezelmarkt zieht um

Im Jahr 2007 fand der Striezelmarkt aufgrund des Umbaus des Altmarkts ausnahmsweise auf dem Ferdinandplatz statt. 

2007: Wegen der Bauarbeiten auf dem Altmarkt findet der Striezelmarkt in diesem Jahr auf dem Ferdinandplatz statt. Im Hintergrund sieht man das Dresdner Rathaus (Mitte) und die Kreuzkirche (links).
2007: Wegen der Bauarbeiten auf dem Altmarkt findet der Striezelmarkt in diesem Jahr auf dem Ferdinandplatz statt. Im Hintergrund sieht man das Dresdner Rathaus (Mitte) und die Kreuzkirche (links). © Archiv: dpa-Zentralbild
2008: Etwas zu wenig Platz zwischen Weihnachtsbaum und Bühne gab es im Jahr 2008 auf dem Striezelmarkt. Aber: Der Weihnachtsmarkt war zurück auf dem Altmarkt. 
2008: Etwas zu wenig Platz zwischen Weihnachtsbaum und Bühne gab es im Jahr 2008 auf dem Striezelmarkt. Aber: Der Weihnachtsmarkt war zurück auf dem Altmarkt.  © Archiv: Karl-Ludwig Oberthuer

2009: Ein ganz neues Konzept

Im Jahr 2009 sollte der Striezelmarkt in ganz neuem Licht erstrahlen, doch vorher gab es jede Menge Streit, unter anderem um das Märchenschloss, das im neuen Konzept von Holger Zastrow nicht mehr vorgesehen war. Am Ende musste das Schloss gehen und wurde durch eine kleinere Bühne ersetzt. Dafür kam ein neuer großer Hingucker dazu: Der Striezelmarkt erhielt den größten begehbaren Schwibbogen, 13 Meter lang und fünf Meter hoch. 

Im Jahr 2009 wurde der Striezelmarkt umgestaltet. Die Firma Erzgebirgische Holzkunst GmbH aus Oederan fertigte dazu den größten begehbaren Schwibbogen der Welt. Er ziert seitdem den Eingang zum Markt. Im Bild: Bürgermeister Dirk Hilbert (Mitte) und die be
Im Jahr 2009 wurde der Striezelmarkt umgestaltet. Die Firma Erzgebirgische Holzkunst GmbH aus Oederan fertigte dazu den größten begehbaren Schwibbogen der Welt. Er ziert seitdem den Eingang zum Markt. Im Bild: Bürgermeister Dirk Hilbert (Mitte) und die be © Archiv: Wolfgang Wittchen
2010: Blick vom Turm der Kreuzkirche aus auf den Dresdner Striezelmarkt.
2010: Blick vom Turm der Kreuzkirche aus auf den Dresdner Striezelmarkt. © Archiv: dpa-Zentralbild
2013: Der begehbare Schwibbogen ist mittlerweile ein fester - und sehr beliebter - Bestandteil des Striezelmarktes geworden.
2013: Der begehbare Schwibbogen ist mittlerweile ein fester - und sehr beliebter - Bestandteil des Striezelmarktes geworden. © Wolfgang Wittchen

2017: Die Nizzasperren kommen

Nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2016 wurde auch der Dresdner Striezelmarkt ab 2017 mit "Nizzasperren" genannten Betonklötzen gesichert. Immerhin: festlich verkleidet. Im Jahr 2019 werden neue Schutzelemente getestet

2017: Die Nizza-Sperren auf dem Striezelmarkt in Dresden wurden weihnachtlich dekoriert.
2017: Die Nizza-Sperren auf dem Striezelmarkt in Dresden wurden weihnachtlich dekoriert. © Archiv: Fabian Schröder
2018: Das Herrnhuter Sternenmädchen Linda und der Weihnachtsmann freuen sich auf dem Striezelmarkt auf den ersten Advent
2018: Das Herrnhuter Sternenmädchen Linda und der Weihnachtsmann freuen sich auf dem Striezelmarkt auf den ersten Advent ©  Archiv: Ronald Bonss

2019: Es ist angestriezelt

2019: Der 585. Striezelmarkt hat am Mittwoch eröffnet. 
2019: Der 585. Striezelmarkt hat am Mittwoch eröffnet.  © Sven Ellger

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