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Soll das Verkehrsmuseum umziehen?

Der Mietvertrag mit dem Land läuft bis 2025. Offen ist, ob das Haus danach am Neumarkt bleiben kann. Eine Idee schließt der Direktor bereits aus. 

Joachim Breuninger leitet das Dresdner Verkehrsmuseum, das seit Jahren im Johanneum am Neumarkt beheimatet ist. Doch nach 2025 könnte ein Umzug anstehen.
Joachim Breuninger leitet das Dresdner Verkehrsmuseum, das seit Jahren im Johanneum am Neumarkt beheimatet ist. Doch nach 2025 könnte ein Umzug anstehen. © Sven Ellger

Die Debatte zur Zukunft des Verkehrsmuseums ist in den vergangenen Jahren leiser gelaufen. Nach vielen Auseinandersetzungen wurde es ruhiger. Bis jetzt. Wieder stehen nun Gespräche vor der Tür. Das kündigt Joachim Breuninger, Direktor des Hauses im Johanneum, an.

Nach der Landtagswahl am 1. September soll laut Breuninger ein intensiver Austausch mit dem Freistaat Sachsen starten, dem Eigentümer des historischen Gebäudes am Neumarkt. Das Ziel laut Museumschef: Eine dauerhafte Lösung für das Verkehrsmuseum in der Altstadt finden.

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Das Haus hat bis zum Jahr 2025 eine Perspektive im Stadtzentrum. Bis dahin läuft der Mietvertrag mit dem Land. Die Pläne darüber hinaus sind offen. Und mitten in dieser Schwebesituation kommt eine alte Idee wieder ins Gespräch: Könnte das Verkehrsmuseum perspektivisch an den Alten Leipziger Bahnhof ziehen?

Das Brachareal zwischen Leipziger und Großenhainer Straße wollte zuletzt das Einzelhandelsunternehmen Globus bebauen. Die Stadt hat die Pläne jedoch abgewendet, um die rund 40 Hektar große Fläche zu einem neuen innerstädtischen Wohn- und Kreativquartier zu entwickeln. Könnte in diese Zukunftspläne auch die Ansiedlung eines Museums passen?

Ja, erklärte kürzlich in der SZ der Vorsitzende des Dresdner Vereins Haus und Grund, Christian Rietschel. Auf einer Podiumsdiskussion zum Alten Leipziger Bahnhof warf zudem Christian Helms, Grünen-Stadtbezirksbeirat in Pieschen, die Überlegung einer rechtselbischen Museumsmeile in den Ring. Jedoch erteilt Breuninger vom Verkehrsmuseum dem Vorschlag eine Absage. Schon vor Jahren hatte er sich dagegen ausgesprochen. Damals waren Spekulationen aufgekommen, ob die Staatlichen Kunstsammlungen in das Gebäude ziehen könnten. Derzeit ruhen die Pläne. Auf Nachfrage beim Freistaat heißt es aus dem Finanzministerium, aktuell bestehe kein Anlass, Gespräche zu Veränderungen zu führen. 2014 wurde auf Nachfrage des Dresdner Stadtrats erklärt, das Verkehrsmuseum könne allenfalls bis 2025 im Johanneum verbleiben. Zudem: Ein neuer Standort sei nur in einer für die Museumsarbeit geeigneten Immobilie denkbar – und in einer für den Tourismus bestmöglichen Lage. Beides sei laut Breuninger etwa am Alten Leipziger Bahnhof nicht gegeben. Und für ihn gibt es noch weitere Gründe, die gegen einen Umzug sprechen.

„Wir sind seit 1956 in diesem Haus – und das ist kein Zufall. Der Stall des Schlosses wurde einst für Verkehrszwecke genutzt.“ Das sei die eine historische Anbindung. Hinzu komme, dass Reichseisenbahner das Gebäude nach dem Zweiten Weltkrieg als Verkehrsmuseum wieder aufgebaut haben. Ebenso wichtig wie diese moralische Verpflichtung dem Ort gegenüber – so nennt es Breuninger – seien klare wirtschaftliche Erwägungen. Das Verkehrsmuseum ist seit 2006 eine gGmbH in Trägerschaft der Stadt, die sich selbst finanziert. „Wir sind stark auf die Besuchereinnahmen angewiesen. Sie tragen zu 40 Prozent dazu bei, dass das Museum wirtschaftlich funktioniert.“ 50 Prozent der rund 200 000 Besucher im Jahr seien Touristen. Diese Zahlen könne man am Alten Leipziger Bahnhof nie erreichen. Es fehlten im Gebiet andere kulturelle Leuchttürme. Am Neumarkt hingegen seien allein zum Stadtfest 12 000 Besucher gekommen.

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Sollte das Johanneum tatsächlich zur Debatte stehen, käme für Breuninger nur ein neuer Standort in Altstadtnähe infrage. Die Argumentation, dass der historische Bezug zum Leipziger Bahnhof groß sei, ist für ihn nicht schlüssig. Zwar sei dort die erste Ferneisenbahn gestartet, aber am Flughafen wurde auch das erste Passagierflugzeug mit Düsenantrieb entwickelt. „Der Flughafen könne demnach ebenso als Standort taugen, denn wir sind ja kein Eisenbahnmuseum, sondern ein Haus des Eisenbahn-, Automobil-, Luft- und Schifffahrtverkehrs.“ Breuninger hat einen klaren Wunsch: den Verbleib im Johanneum.

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