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Warum die Augustusbrücke teurer wird

Die Arbeiten dauern nicht nur länger, sondern kosten auch mehr. Zumindest ist jetzt ein Ende in Sicht.

Komplett erneuert wurde die Sandsteinoberfläche auf dem achten Brückenbogen auf der Neustädter Elbseite. Das war nötig, da er im Zweiten Weltkrieg von der Splitterbombe getroffen wurde.
Komplett erneuert wurde die Sandsteinoberfläche auf dem achten Brückenbogen auf der Neustädter Elbseite. Das war nötig, da er im Zweiten Weltkrieg von der Splitterbombe getroffen wurde. © René Meinig

Dresden. Trotz der großen Hitze wird derzeit an vielen Stellen der Augustusbrücke gearbeitet. Direkt auf den neu betonierten Bögen der elbabwärts liegenden Brückenseite werden Dichtungen aufgebracht. Und hinter dem Altstädter Ende an der Haltestelle vor der Hofkirche verlegen Pflasterbauer die letzten Steine. 

Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) und Straßenbauamtschef Robert Franke zeigten sich am Freitag bei einem Vor-Ort-Termin zufrieden, dass die Sanierung weit fortgeschritten und nun ein Ende in Sicht ist. Denn Schwierigkeiten hatte es an Dresdens traditionsreichster Brücke genug gegeben.

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Die Kosten: Sechs Millionen Euro mehr als geplant

Aus mehreren Gründen wird die Sanierung deutlich teurer als geplant. Waren vor dem Baubeginn noch rund 22 Millionen Euro vorgesehen, so seien jetzt etwa 28 Millionen Euro nötig, erklärte Franke. Die genaue Summe werde derzeit noch ermittelt, fügte der Baubürgermeister allerdings später noch hinzu. Ende November 2019 waren die Gesamtkosten auf 24,9 Millionen Euro geschätzt worden. 

Straßenbauamtschef Robert Franke (l.) und Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain zeigen einen Bauplan mit den Etappen auf der Augustusbrücke. Die Arbeiten dauern länger und sind teurer geworden.
Straßenbauamtschef Robert Franke (l.) und Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain zeigen einen Bauplan mit den Etappen auf der Augustusbrücke. Die Arbeiten dauern länger und sind teurer geworden. © René Meinig

Die Arbeiten hatten im April 2017 begonnen. Damals war noch geplant, dass sie bis März 2019 abgeschlossen werden. Doch daraus wurde nichts. Zuerst musste die Fertigstellung auf Ende 2019, dann auf Sommer 2020 und schließlich auf Sommer 2021 verschoben werden. Begründet werden die geplatzten Zeitpläne mit zahlreichen Überraschungen an dem alten Bauwerk, so musste eine alte Dichtung aus Steinkohlenteer entfernt werden. Die Schäden seien deutlich größer als erwartet gewesen.

Der Bombentreffer: Bogen muss neu verkleidet werden

Der achte Bogen über dem Neustädter Elberadweg und die benachbarten Pfeiler seien durch eine Splitterbombe im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt worden, sagt Schmidt-Lamontain. Zwar war der Bereich 1948 mit viel handwerklichem Geschick, aber nur notdürftig ausgebessert worden. Deshalb musste nun die gesamte Fassade des Bogens und der beiden Pfeiler entfernt und komplett erneuert werden. Die Sichtflächen wurden mit neuen Sandsteinen verkleidet. Diese Arbeiten sind jetzt komplett abgeschlossen.

Der achte Bogen ist der einzige auf der Augustusbrücke, der aufgrund seiner starken Schäden komplett mit neuem Sandstein verkleidet werden musste.
Der achte Bogen ist der einzige auf der Augustusbrücke, der aufgrund seiner starken Schäden komplett mit neuem Sandstein verkleidet werden musste. © René Meinig

Der Sandstein: Stärkere Schäden als erwartet

Aber nicht nur am achten Bogen war der traditionsreiche Postaer Sandstein aus der Sächsischen Schweiz besonders gefragt. Denn das Material an der 1910 fertiggestellten Brücke war teilweise stärker geschädigt als erwartet. Da viele Steine ersetzt werden müssen, benötigen die Sächsischen Sandsteinwerke Pirna rund 1.500 Tonnen dafür. So sind jetzt die 120 Konsolsteine an der elbabwärts liegenden Seite wieder komplett. Dort waren 65 Konsolsteine so stark beschädigt, dass sie durch neue ersetzt werden mussten. Der wohl markanteste von ihnen ist seit Ende Mai wieder auf der Neustädter Seite über dem Elberadweg zu sehen. Den acht Tonnen schweren Konsolstein ziert eine Frau, die ihr Kind mit einem Fischleib fest im Arm hält. Er musste nach dem Vorbild des historischen Originals neu hergestellt werden.

Am zweiten Bogen am Altstädter Ufer ist sichtbar, dass zwar viele neue Konsolsteine eingebaut werden mussten, aber auch noch alte erhalten werden konnten.
Am zweiten Bogen am Altstädter Ufer ist sichtbar, dass zwar viele neue Konsolsteine eingebaut werden mussten, aber auch noch alte erhalten werden konnten. © René Meinig

Der Pflasterbelag: Alte Steine nicht mehr verwendbar

Durch größeren Aufwand seien auch Zusatzkosten beim Pflasterbau entstanden, nennt Franke einen weiteren Punkt. Das einst buckelige Holperpflaster der Straße war nicht nur eine Sturzfalle für Fußgänger, sondern auch nicht gerade einfach für Radfahrer zu nutzen. Deshalb sollen die Brücke und auch ihre Anschlüsse einen Belag aus geschnittenem Pflaster erhalten, der auch dem historischen Bild entspricht. Auf der Brücke war schon vor der Sanierung eine kleine Testfläche mit geschnittenen alten Steinen angelegt worden. Doch die Ecken der Steine waren unter der Belastung abgebrochen. Deshalb hatte die Stadt gemeinsam mit dem Denkmalschutz neue Pflastersteine mit einer rauen Oberfläche ausgewählt. 

Derzeit bietet sich dieses Bild am Brückenanschluss auf der Sophienstraße. Die Fugen zwischen den Pflastersteinen sind Stolperfallen.
Derzeit bietet sich dieses Bild am Brückenanschluss auf der Sophienstraße. Die Fugen zwischen den Pflastersteinen sind Stolperfallen. © René Meinig

An der neuen, behindertengerechten Haltestelle vor der Hofkirche sind diese Steine schon weitgehend verlegt. Mit ihnen wird auch die gesamte Sophienstraße bis zum Postplatz ausgebaut. „Das ist ein echter Mehrwert, wenn man als Radfahrer nicht mehr so durchgeschüttelt wird“, sagt der Baubürgermeister als passionierter Radfahrer. Allerdings wird er – zumindest dienstlich – nicht mehr über den neuen Belag fahren. Denn am 1. Oktober tritt er sein neues Amt als Klimabürgermeister in Heidelberg an.

Straßenbauer Sven Eichler von der Firma Hausdorf setzt die neuen, geschnittenen Steine an der Haltestelle vor der Hofkirche. Diesen Belag erhält auch die Fahrbahn mit den Radwegen auf der Augustusbrücke.
Straßenbauer Sven Eichler von der Firma Hausdorf setzt die neuen, geschnittenen Steine an der Haltestelle vor der Hofkirche. Diesen Belag erhält auch die Fahrbahn mit den Radwegen auf der Augustusbrücke. © René Meinig

Der Baufortschritt: Sechs Bögen neu abgedichtet

Nachdem die elbabwärts liegende Seite im August 2019 saniert war, sind die Arbeiter der Firma Hentschke Bau auf der anderen Brückenhälfte weit voran gekommen. Nach dem Abriss wurde die Oberfläche neu betoniert. Derzeit sind schon sechs der insgesamt neun Bögen abgedichtet, auf die eine Schicht schützender Beton aufgebracht wird. Über den Konsolsteinen am Brückenrand sind auch weitgehend die Gesimssteine eingebaut. Geplant ist, dass darüber ab dem Spätsommer die Sandsteinbrüstungen wieder eingehoben werden.

Bis zum sechsten Bogen sind die Brückenbögen schon abgedichtet.
Bis zum sechsten Bogen sind die Brückenbögen schon abgedichtet. © René Meinig

Straßenbauamtschef Franke zeigte sich zufrieden, dass der Bau dieses Jahr trotz der Coronakrise so wie geplant voran gekommen ist. Das sei eine enorme Herausforderung sowohl für die Kollegen von Hentschke Bau als auch für die des Straßen- und Tiefbauamtes gewesen, die sie gut gemeistert hätten.

Die erste Freigabe: Zweiter Fußweg zum Jahresende fertig

Franke kann jetzt ein Bauende in Aussicht stellen. Ende dieses Jahres soll die Sanierung so weit fortgeschritten sein, dass auch der zweite Fußweg eröffnet werden kann. Mit zwei Fußwegen gebe es dann wieder bessere Querungsmöglichkeiten für Fußgänger zwischen der Alt- und der Neustadt. Zumal in Coronazeiten anderthalb Meter Abstand eingehalten werden sollten.

Die Fertigstellung: Letzte Arbeiten bis Ende 2021

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Danach können Anfang kommenden Jahres die Arbeiten für den Gleis- und Straßenbau beginnen. Die Straße auf der Brücke soll im Sommer 2021 fertig werden. Sie bleibt aber für Autos bis auf Ausnahmen gesperrt. Ist die Brücke ausgetrocknet, sind noch Arbeiten an den Fassaden und an der Unterseite nötig. Der Baubürgermeister hofft, dass diese bis Ende 2021 abgeschlossen werden können.

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