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Was wird aus dem Hochhaus am Pirnaischen Platz?

Seit Jahren wird versprochen, dass der Koloss im Dresdner Zentrum saniert werden soll. Passiert ist bisher nichts. Das sagt der Projektentwickler.

Das Hochhaus am Pirnaischen Platz verfällt.
Das Hochhaus am Pirnaischen Platz verfällt. © Sven Ellger (Archiv)

Dresden. Die Baugenehmigung feiert bald ihren zweiten Jahrestag. Doch passiert ist bisher nichts am Hochhaus am Pirnaischen Platz. Der 14-Geschosser im Herzen Dresdens sollte umfassend saniert werden. Aber was dauert so lange?

Projektentwickler Stefan Stift begründet den Verzug mit Hürden. Die Bauaufsichtsbehörde hätte einen Gutachter beauftragt, der die Statik prüfen sollte. Die Unterlagen seien aber erst im Mai geliefert worden - nach mehr als einem Jahr, sagt Stift, betont aber, dass er damit keinesfalls Kritik an der Stadt üben möchte. Eine weitere Hürde: Genau dort, wo das neue Treppenhaus gebaut werden soll, nämlich an der Nordseite des Gebäudes zur Elbe hin, befindet sich noch ein Fernwärmeschacht.

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Kontakt zur Bauaufsicht eingeschlafen

Die Bauaufsicht stellt die Situation rund um den 14-Geschosser etwas differenzierter dar. Ja, die Behörde habe Prüfingenieure für Brandschutz und Standsicherheit beauftragt. Das sei bei einem solchen Vorhaben vorgeschrieben. Die Experten hätten ihre Arbeit umgehend aufgenommen, so die Stadt. Der Standsicherheitsprüfer habe dann zahlreiche Punkte gefunden, die vom Bauherren nachgebessert werden sollten. Nach Kenntnis der Bauaufsicht begann Stifts Team daraufhin, einen Teil der Mängel abzuarbeiten. "Aber eben nicht alles." 

Und dann? Dann sei erst einmal gar nichts passiert. Planungen und Bauvorbereitungen wurden vom Bauherren unterbrochen, heißt es von der Behörde. Die übrigen Mängel und Nachforderungen blieben liegen. "Warum hier die Planung eingestellt wurde und auch der Kontakt der Planer zur Bauaufsicht eingeschlafen ist, weiß das Bauaufsichtsamt nicht." Weil nicht klar war, ob und wann die Planungen weitergehen würden, habe der Prüfingenieur schließlich seinen Bericht erstellt, der all die unbearbeiteten, aber auch die abgearbeiteten Mängel enthält. Er habe seinen Bericht nicht schon früher verfasst, weil er davon ausgegangen sei, dem Bauherren am Ende ein mängelfreies Zeugnis ausstellen zu können, so die Behörde weiter.

Und was ist mit dem Fernwärmeschacht? Die Drewag kann nicht so recht nachvollziehen, wo genau das Problem des Projektentwicklers liegt. Ja, an besagter Stelle existiere ein Fernwärme-Schacht. Man habe aber bereits Mitte 2018 umfangreiche Gespräche geführt und verschiedene Lösungen aufgezeigt, sagt Sprecherin Gerlind Ostmann. Seither frage die Drewag immer wieder beim Projektentwickler nach, wann die Sanierung beginnen soll, damit entsprechende Planungen in die Wege geleitet werden können. Einen Termin habe der Energieversorger bis heute nicht genannt bekommen. "Der Ball liegt jetzt beim zuständigen Architekturbüro", so Ostmann weiter.

"Ein Plattenbau hat viele statische Tücken"

Was heißt das nun für das Sanierungsvorhaben - wird weiter daran gearbeitet, wie es der Projektentwickler behauptet, oder ruht das Projekt? "Ein Plattenbau hat für eine zeitgerechte Nutzung viele statische Tücken, welche bearbeitet und überwunden werden müssen", sagt Stift zur SZ. "Das braucht Zeit." Er spricht von dynamischen Arbeitsprozessen und wiederholt, schnellstens beginnen zu wollen. Spätestens im Frühjahr 2021 wolle er loslegen, sofern alles geklärt sei. Zwei Jahre sollen die Arbeiten dann dauern. 

Ein ambitionierter Zeitplan, wenn er denn in Gang kommt. Denn vorgesehen sind nicht nur ein neues Treppenhaus, schicke Wohnungen und eine Fassadenerneuerung. Laut Bauantrag soll das Gebäude auch mit einem Staffelgeschoss ausgestattet werden, in dem drei Penthouse-Wohnungen geplant sind. Damit würde die alte Dachterrasse zwar überbaut. Allerdings soll das Staffelgeschoss ein Schmetterlingsdach erhalten, wodurch wieder mehr an das originale Flugdach aus den 60er-Jahren erinnert werden würde. An der Höhe des rund 50 Meter hohen Hochhauses ändert sich nichts. Insgesamt sollen laut Stadtverwaltung 160 Wohnungen entstehen. Vorher waren es 180.

Tatsächlich ist das neue Treppenhaus an der Nordseite ausschlaggebend dafür, dass das Hochhaus überhaupt saniert werden darf. Denn bisher fehlte ein zweiter Fluchtweg. Kein theoretisches Problem, denn kurz vorher brannte es in dem Gebäude. Deshalb und wegen weiterer Brandschutzmängel mussten die bisherigen Bewohner ausziehen. Die Bauaufsicht hatte die Zwangsräumung für Anfang 2018 verfügt. Eine einfache Nachbesserung des Brandschutzes hatte der Eigentümer, die Creo 7 GmbH, stets abgelehnt. Stattdessen wurde immer wieder betont, dass das Gebäude saniert werden solle. "Dresden Cityloft Apartments" taufte man die zukünftigen Wohnungen in dem bröckeligen Riesen.

Auch vorm Hochhaus soll sich einiges ändern: Der Flachbau vorm Hochhaus, in dem sich ein Lidl-Markt befindet, bleibt den Plänen zufolge zwar grundsätzlich erhalten, bekommt aber eine Etage aufgesetzt. Ihr Flachdach soll über den Baukörper hinausragen und an den Rändern Stützen erhalten – eine Hommage an die Pergola-Idee, welche die Architekten früher hatten. In der Zukunft könnten dort Künstler und Firmengründer in Büros arbeiten, die sich beispielsweise wochen- oder monatsweise mieten lassen, sagte Stift früher einmal.

Baugenehmigung erlischt nächstes Jahr

Unbegrenzt Zeit gibt es für das Vorhaben nicht mehr. Denn die Baugenehmigung erlischt nach drei Jahren, also im zweiten Halbjahr 2021. So sieht es die sächsische Bauordnung vor. Eine Möglichkeit gibt es jedoch, den Baustart noch weiter hinauszuzögern. Der Antragsteller kann eine Verlängerung um zwei weitere Jahre beantragen. Von 14 bis 15 Millionen Euro Baukosten war einmal die Rede.

Gebaut wurde der 14-Geschosser von 1964 bis 1966 nach Plänen des Architekten Peter Sniegon sowie dem Architektenkollektiv Herbert Löschau, Hans Kriesche und Gerhard Landgraf. Zum Geburtstag der DDR am 7. Oktober 1966 wurde das Gebäude eröffnet. Wer eine für damalige Zeiten moderne Wohnung bekam, gehörte zu den Gewinnern. Die DDR-Fachpresse lobte die "hervorragende Gestaltung". Der Schriftzug "Der Sozialismus siegt" war stadtbekannt. 1969 – zum 20. Jahrestag der DDR – wurde er am Dach angebracht. Der Dresdner Volksmund deutete es in seiner weichen Mundart in "Der Sozialismus siecht" um. Die Buchstaben haben nicht einmal die politische Wende erlebt. 1987 wurden sie abgebaut und existieren heute wahrscheinlich nicht mehr.

Das Hochhaus mit dem Gastmahl des Meeres davor war einmal ein Hingucker.
Das Hochhaus mit dem Gastmahl des Meeres davor war einmal ein Hingucker. © Sammlung Holger Naumann

Vor rund zehn Jahren verkaufte die Stadt das Gebäude für vier Millionen Euro an die israelische Segal-Group. Man vereinbarte eine umfassende Sanierung. Es geschah aber nichts. Das Haus wurde zu einem Symbol für den Verfall. Im Sommer 2017 veräußerte die Segal-Group das Haus an die Creo7 GmbH mit Sitz in Schönefeld. Diese kündigte kurz darauf an, das Hochhaus sanieren zu wollen. Die letzten Mieter mussten am 28. Februar raus.

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