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Wolf tötet Ziege in Dresden

Erneut wurde in Weißig ein Tier gerissen. Dabei hatte der Halter diesmal zum Schutz alles richtig gemacht.

Der Wolf kommt bei der Futtersuche inzwischen nah an menschliche Siedlungen wie in Weißig heran.
Der Wolf kommt bei der Futtersuche inzwischen nah an menschliche Siedlungen wie in Weißig heran. © Lino Mirgeler/dpa

Dresden. Fast an derselben Stelle, an der Wölfe bereits am 30. Juni sieben Schafe an der Weißiger Forststraße gerissen haben, wurde jetzt eine Ziege Opfer eines Wolfes. Bereits in der Nacht zum Montag hat das Raubtier einen hohen Maschendrahtzaun eingedrückt und die Ziege mit einem Kehlbiss getötet. Der Gutachter der Fachstelle Wolf hat bestätigt, dass es sich um einen Wolfsriss handelt. 

Halter Jürgen Müller hatte seine dreiköpfige Herde richtig gesichert. Den Holz- und Maschendrahtzaun hatte er mit Drahtgeflecht erhöht, so dass er eigentlich nicht übersprungen werden konnte. "Deshalb erhält Herr Müller auch eine Entschädigung für seine Ziege", sagt Karin Bernhardt, die Pressesprecherin des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG).  

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Doch das Geld bringt Jürgen Müller seine Lieblingsziege Anni nicht zurück. "Ich hatte sie seit neun Jahren und sie war das Leittier meiner kleinen Herde", sagt Müller. Eigentlich hätte Anni auf der Weißiger Wiese einen schönen Lebensabend verbringen sollen. Der 73-Jährige hält die Tiere als Hobby, manchmal hat er sie auch decken lassen. Mikki ist die Tochter der getöteten Anni und ebenso schwarz wie sie. 

"Als ich am Montag in den Garten kam, sah ich im Gatter der Ziegen in der äußersten Ecke etwas liegen, was da nicht hingehörte. Die zwei anderen Tiere waren verängstigt, eine stand auf dem Dach der kleinen Hütte", erinnert sich der Rentner. Als er zum toten Tier kam, sah er erst den typischen Kehlbiss, dann den aufgerissenen Bauch und das zerfleischte Euter. "Da war mir klar, dass es nur der Wolf gewesen sein konnte. Ich habe gleich die Fachstelle informiert, deren Gutachter dann kam", sagt Müller. 

Jürgen Müller trauert um seine Lieblingsziege Anni, die vom Wolf gerissen wurde. Nun sind nur noch Annis Tochter Mikki (schwarz) und Leni aus der Herde übrig.
Jürgen Müller trauert um seine Lieblingsziege Anni, die vom Wolf gerissen wurde. Nun sind nur noch Annis Tochter Mikki (schwarz) und Leni aus der Herde übrig. © SZ/Kay Haufe

Eine neue Ziege will er sich nicht mehr anschaffen. "Ich mache mir schon Sorgen, dass der Wolf so nah herankommt und scheinbar keine Scheu vor menschlichen Siedlungen hat", sagt der Tierhalter und zeigt auf ein Wohnhaus, was keine zehn Meter vom Gatter der Ziegen entfernt steht. 

Der Wolf war in Dresden in diesem Jahr bereits sehr aktiv auf Futtersuche. Neben den sieben getöteten Schafen vom 30. Juni in Weißig hat er  bereits am 22. März in Schönfeld zugeschlagen, wo der Fachstelle zwei tote und ein vermisstes Schaf gemeldet wurden. 

In der Nacht zum 1. Juli starben zwei Schafe in Helfenberg durch den Wolf, außerdem wurde ein Schaf aus der Herde vermisst und eines so stark verletzt, dass es eingeschläfert werden musste. Auch in Ullersdorf riss der Wolf  in diesem Zeitraum ein Schaf. Der oder die Wölfe stammen aus dem in der Heide ansässigen Rudel, dessen Territorium sich über die Dresdner Heide und die angrenzenden Felder und Wiesen erstreckt, sagt die Fachstelle Wolf. Das Rudel hatte sich im Sommer 2019 in der Heide nahe dem Dachsenberg angesiedelt, was mit Fotos einer Wildkamera belegt werden konnte.    

Die diesjährigen Welpen des Rudels seien inzwischen so weit herangewachsen, dass sie aktiv mit auf die Jagd gehen, sagt Karin Bernhardt vom LfULG. Dabei hätten auch die Wildtiere und ihre Jungen gelernt, sehr schnell auf die Wolfsangriffe zu reagieren und zu flüchten. So weiche das Raubtier auch auf Nutztiere als Beute aus. 

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Umso wichtiger sei ein guter Herdenschutz. Die entsprechenden Zäune würden zu 100 Prozent gefördert und es gebe in ihrem Amt eine Herdenschutzberatung, sagt Bernhardt. "Nutztiere sind für den Wolf leichtere Beute, wenn sie nicht ausreichend geschützt sind, als Wildtiere."

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