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Die Dresdner Wurzeln von Miss Germany

18 Jahre wuchs Nadine Berneis als schüchternes Mädchen in Sachsen auf – bis sie der Beruf in den Westen führte.

Mut zur Lücke: Die neue Miss Germany Nadine Berneis steht zu ihrer charakteristischen Zahnlücke und zeigt sie in diesen Tagen oft und gern.
Mut zur Lücke: Die neue Miss Germany Nadine Berneis steht zu ihrer charakteristischen Zahnlücke und zeigt sie in diesen Tagen oft und gern. © dpa/Uli Deck

Manchmal, wenn sie sonst nichts mit sich anzufangen wusste, setzte sich Nadine Berneis einfach in die nächstbeste Straßenbahn und fuhr allein bis zur Endhaltestelle. „Das klingt zwar bescheuert, aber das hat mir als 14-Jährige Spaß gemacht“, erinnert sie sich. Sie war eben keine Schickimicki-Partymaus und erfreute sich an alltäglichen Dingen. Später ist sie auch mal gern in eine Shisha-Bar in der Neustadt eingekehrt und eine Disko in der Altstadt. Heute ist beides nicht mehr so ihre Welt. Alkohol trinkt sie nur noch selten.

Die ersten 18 Jahre ihres Lebens hat Nadine in ihrer Geburtsstadt Dresden verbracht. Wird heute über die frisch gekürte Miss Germany berichtet, wird dieses Detail aber meist nur am Rande erwähnt. Die 1,81 Meter große Contest-Siegerin ist längst Stuttgarterin und trat auch bei der Wahl vor zwei Wochen für Baden-Württemberg an. Tief in ihrem Herzen hat Nadine Berneis Dresden aber noch immer genauso lieb wie früher. Nicht nur, weil ihre Familie hier lebt. „Ich versuche, mindestens vier Mal im Jahr heimzukommen“, sagt sie. Weihnachten ist gesetzt. „Ich schlendere dann immer noch gern durch die Straßen. Es ist Wahnsinn, was dort alles passiert ist in den vergangenen Jahren. Dresden ist einfach so wunderschön. Da kommt keine andere Stadt ran.“

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Als Kind erfreute sich Nadine vor allem an alltäglichen Dingen, Mini-Jeep-Fahren inklusive. 
Als Kind erfreute sich Nadine vor allem an alltäglichen Dingen, Mini-Jeep-Fahren inklusive.  © privat

Wenn Nadine von damals erzählt, dann ist bei ihr beim besten Willen kein Dialekt herauszuhören. Weder ein schwäbischer, noch ein sächsischer. „Hatte ich noch nie“, sagt sie – ganz anders als ihre Eltern. Bei aller Liebe zur Heimat: Dauerhaft zurückkommen wird die 28-Jährige so schnell nicht. In Stuttgart hat sie ihr privates Glück gefunden und ist außerdem als Polizistin verbeamtet. Dieser Berufswunsch war es auch, für den Nadine Berneis 2008 Dresden gen Westen verlassen hat. Da war sie gerade durch ihr Abitur am St. Benno-Gymnasium gerasselt – hatte aber glücklicherweise die Zusage von der Polizei schon in der Tasche. Elf Jahre später jagt sie als Polizeihauptmeisterin Kriminelle im Internet und träumt davon, einmal Teil der Hubschrauberstaffel zu werden.

Jetzt macht sie aber erst einmal Pause. Für ihr Amt als Miss Germany hat sich Nadine Berneis für ein Jahr vom Dienst freistellen lassen. Als schönste Frau hat sie schließlich ein ganzes Land zu repräsentieren. Nach mehr als 100 Vorwahlen mit über 9 500 Kandidatinnen entschied sich die Jury für sie. Im Publikum bei der Preisverleihung in Rust bei Freiburg drückten vor zwei Wochen ihr Eltern, ihr Freund und ihre zwei Schwestern die Daumen.

Mit ihren Schwestern Nancy (M.) und
Svenja verbrachte Nadine Berneis viel Zeit in Dresden.  
Mit ihren Schwestern Nancy (M.) und Svenja verbrachte Nadine Berneis viel Zeit in Dresden.   ©  privat

Zurück daheim in Löbtau kommt ihrer Mama die ganze Geschichte immer noch wie ein Traum vor. „Sie hat erst neulich zu mir gesagt, dass sie es nicht glauben kann, was für ein Mensch aus mir geworden sei“, sagt Tochter Nadine. „Sie ist megastolz auf mich.“ Es ist noch nicht lange her, da war Nadine ein schüchternes Mädchen, dem es schwer fiel, auf andere Menschen zuzugehen. „Ich habe mich nie hübsch gefühlt, hatte zwölf Kilo mehr auf den Rippen und habe nur selten gelacht“, sagt sie. Ein Grund dafür sei immer auch ihre ausgeprägte Zahnlücke zwischen den oberen Schneidezähnen gewesen. Drei Jahre lang trug sie deswegen eine Spange, doch als die raus war, kam die Lücke wieder.

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So ändern sich die Zeiten: Heute ist die Zahnlücke Nadines Markenzeichen, zu dem sie offen und gern steht. Auf jedem Foto mit Krone und Schärpe zeigt sie ihre Zähne. Ihr war es wichtig, dass auch die Miss-Wahl ein bisschen mit der Zeit geht und nicht mehr nach perfektem Gesicht und Körper ausmisst. Zum ersten Mal gab es in diesem Jahr keine Bikini-Vorstellungsrunde. Dafür wurde mehr geredet. Vor allem über Nadine.


Nadines Krönung zur Miss Germany

Nadine Berneis bekam in Rust die Krone aufgesetzt.
Nadine Berneis bekam in Rust die Krone aufgesetzt. © dpa
Ihre Zahnlücke ist zu ihrem Markenzeichen geworden.
Ihre Zahnlücke ist zu ihrem Markenzeichen geworden. © dpa
Lässig überstrahlte die 28-Jährige ihre Konkurrenz.
Lässig überstrahlte die 28-Jährige ihre Konkurrenz. © dpa
Die Krone sitzt wie angegossen.
Die Krone sitzt wie angegossen. © dpa
In den nächsten Monaten wird sie ein beliebtes Fotomotiv sein.
In den nächsten Monaten wird sie ein beliebtes Fotomotiv sein. © dpa