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Neue E-Roller stehen unerlaubt in Dresden

Die Stadt Dresden teilt mit, dass die neuen E-Scooter von Tier ohne Absprache und in Verbotszonen aufgestellt worden seien. Nun antwortet der Anbieter.

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Auf der Waisenhausstraße wurden sie schon gesichtet: Die ersten von rund 200 Tier-Rollern, die seit Freitag in Dresden stehen.
Auf der Waisenhausstraße wurden sie schon gesichtet: Die ersten von rund 200 Tier-Rollern, die seit Freitag in Dresden stehen. © SZ/Henry Berndt

Kaum standen die ersten neuen Roller des Anbieters Tier Mobility in Dresden, da sorgten sie bereits für Ärger: Der Start der neuen E-Scooter sei nicht im Einklang mit der Stadt erfolgt, teilte diese am Freitag überraschend mit. Kurz zuvor hatte Tier Mobility den Start seiner E-Scooter in Dresden in einer Pressemitteilung verkündet. Darin hieß es unter anderem, es sei eine "enge Zusammenarbeit mit der Stadt Dresden vereinbart" worden.

Die Stadt selbst erklärte nun, man setze auf freiwillige Vereinbarungen mit Anbietern von E-Rollern, für besonders sensible Orte wie den Altmarkt, den Neumarkt, den Fürstenzug, den Theaterplatz, den Palaisplatz und rund um den Goldenen Reiter seien sogenannte "rote Zonen" vereinbart. Dort dürfen keine Roller abgestellt werden.

Das wurde von Tier Mobility offenbar nicht berücksichtigt. Nach Aussage der Stadt habe der Anbieter am Donnerstagabend mit dem Aufstellen der ersten Roller begonnen. "Zu diesem Betriebsstart gibt es keine Abstimmung mit der Landeshauptstadt Dresden", heißt es aus der Stadt. 

Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain kommentierte: "Tier Mobility ist der Inhalt unserer Kooperationsvereinbarung bekannt. Das Unternehmen hat uns aber bis heute seine Daten nicht mitgeteilt. Die Vereinbarung ist deshalb nicht zustande gekommen." 

Mit dem Betriebsstart würden die roten Zonen missachtet. "Wenn Tier Mobility in seiner heutigen Pressemitteilung schreibt, eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt Dresden sei vereinbart, kann ich dies von unserer Seite nicht bestätigen. Wir werden das Unternehmen in diesem Sinn anschreiben." 

Das sagt der E-Roller-Anbieter Tier dazu:

Auf Anfrage von Sächsische.de antwortete am Freitag Tier-PR-Manager David Krebs zu den Vorwürfen der Stadt. Man habe bereits am 15. Dezember die unterzeichnete Kooperationsvereinbarung an die Stadt Dresden geschickt, erklärte er. Darin seien auch die Kontaktdaten des Tier-City-Managers in Dresden mitgeteilt worden. "Die Stadt weiß seit dem 4. November, dass wir Mitte Januar 2020 starten wollen", so Krebs.

Eine Reaktion der Stadt Dresden stehe noch aus, sagt Krebs, "es freut uns aber, dass Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain angekündigt hat, uns nun kontaktieren zu wollen". 

Auch zu den roten Verbotszonen äußert sich der PR-Manager: Man arbeite "mit Hochdruck an einer Aktualisierung der Daten des Geschäftsgebiets, um hier allen Anforderungen der Stadt schnellstmöglich gerecht zu werden". 

Der Hintergrund zum Roller-Start von Tier:

Zu limettengrün kommt türkis: Seit Freitag gibt es in Dresden einen zweiten E-Scooter-Anbieter. Der Verleiher Tier Mobility, nach eigener Aussage der "führende deutsche und europäische Anbieter im Bereich Mikromobilitätsdienste", will zunächst 200 Elektro-Roller an zentralen Punkten in der Stadt zur Verfügung stellen. Das Besondere: Der Verleih soll CO²-neutral sein. 

Während beispielsweise die Scooter des Anbieters Lime, die es bereits in Dresden gibt, bei niedrigem Akku von sogenannten "Juicern" meist mit Pkw eingesammelt und über Nacht aufgeladen werden, sollen die Tier-Roller eine austauschbare und wiederaufladbare Batterie besitzen. 

"Mit einer neuen Flotte, bestehend aus zwei E-Vans, kann das lokale Team in Dresden leere Batterien direkt vor Ort durch geladene Batterien ersetzen, ohne Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren nutzen zu müssen", erklärt Tier Mobility. Das sei Teil des Maßnahmenpakets, um ab Januar nicht nur alle Geschäftsabläufe CO²-neutral zu gestalten, "sondern auch jede einzelne Fahrt mit einem Tier-Scooter". 

Seit' an Seit': Nun hat Dresden zwei verschiedene E-Roller-Anbieter in der Stadt. 
Seit' an Seit': Nun hat Dresden zwei verschiedene E-Roller-Anbieter in der Stadt.  © SZ/Henry Berndt

So funktioniert das Ausleihen:

Um einen Scooter zu nutzen, muss man sich vorher die App herunterladen. Den Roller startet man über einen integrierten QR-Code. Dafür wird eine Aktivierungsgebühr von einem Euro fällig, jede genutzte Minute kostet 15 Cent. Die Bezahlung erfolgt mit Paypal oder Kreditkarte. "Nach der Fahrt kann der Roller dank des Free Floating Systems flexibel an geeigneten Stellen geparkt werden", erklärt Tier Mobility. Die Fahrten seien durch eine AXA-Haftpflichtversicherung abgesichert.

Tier-Roller gibt es bereits in mehreren deutschen Städten, unter anderem auch in Heidelberg. 
Tier-Roller gibt es bereits in mehreren deutschen Städten, unter anderem auch in Heidelberg.  © dpa

Über den Anbieter:

Die Firma Tier Mobility hat ihren Hauptsitz in Berlin und beschäftigt über 400 Mitarbeiter. Nach eigener Aussage will das Unternehmen dazu beitragen, die Nutzung von Autos erheblich zu reduzieren und Städten helfen, sich auf alternative Elektrofahrzeuge zu konzentrieren 

Dresden ist die erste sächsische Stadt, in der Tier-Scooter angeboten werden.

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