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Dresdens Problem mit dem Müll

An den Elbwiesen werden immer wieder Plastik, Flaschen oder sogar Elektrogeräte entsorgt. Das schadet auch den Tieren.

Viele Menschen genießen die Dresdner Stadtsilhouette bei einem Getränk auf den Elbwiesen: Dort bleibt besonders viel Müll liegen.
Viele Menschen genießen die Dresdner Stadtsilhouette bei einem Getränk auf den Elbwiesen: Dort bleibt besonders viel Müll liegen. © Marion Doering

Dresden. Leere Weinflaschen, alte Plastikbecher, überfüllte Papierkörbe - dieser Anblick ist an vielen Stellen in Dresden in nicht ungewöhnlich. Vor allem, wenn die Sommerabende warm sind und sich viele Menschen draußen treffen. Nicht jeder nimmt seinen Müll wieder mit. Ein Problem, mit dem sich das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft seit Jahren herumschlägt. Ein Schwerpunkt ist das Elbufer in Pieschen und Mickten. 

Dass die Dresdner einfach ihren Müll auf der Elbwiese , im Park oder Wald hinterlassen, ist offenbar ein Negativ-Trend, der immer stärker wird. 2019 wurden laut Umweltamt 418 Tonnen Restabfall, Sperrmüll und Grünabfall entsorgt. Zum Vergleich: 2018 waren es 414 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden außerdem deutlich mehr Elektrogeräte eingesammelt, darunter Mixer und Waschmaschinen, die einfach so im Grünen abgestellt worden waren. Für die Sammlung und Entsorgung der illegalen Ablagerungen musste die Stadt 2019 insgesamt 201.150 Euro zahlen, gegenüber dem Vorjahr ist das eine Steigerung um 12 Prozent.

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Vor allem im Bereich der Kötzschenbroder Straße reichen die vorhandenen Mülleimer offensichtlich nicht aus. In einer Anfrage hakt SPD-Stadtrat Stefan Engel bei der Verwaltung nach,  was die Stadt unternimmt, um das Problem dort in den Griff zu bekommen. Die Stadt verweist auf verschiedene Aktionen, unter anderem die Projektwoche "Sauber ist schöner", in der gezielt Müll gesammelt werde. Den Abschluss dieser Woche bildet die jährliche Elbwiesenreinigung. 

Mehr Party-Abfälle in den Papierkörben

Neben etlichen weiteren Sammelaktionen durch die Stadtbezirke werden allerdings auch Firmen beauftragt. "Zusätzlich findet eine Reinigung der Elbwiesen durch das gebundene Entsorgungsunternehmen statt", so die Stadt. "Dabei werden Verunreinigungen - teilweise täglich - auf den am stärksten frequentierten Bereichen der Elbwiesen abgesammelt." 2019 wurde außerdem an drei Stellen große Müllbehälter aufgestellt, die jeweils 1.100 Liter fassen. In diesem Jahr sollten weitere dieser Großbehälter dazukommen, unter anderem in Pieschen - aufgrund der Corona-Pandemie und ihren Folgen konnte das bislang allerdings noch nicht umgesetzt werden.

Wie oft die Papierkörbe geleert werden, entscheidet der Bedarf. Sollte es vor Ort Veränderungen geben, werde angepasst, heißt es. Das würde auch die sieben Papierkörbe auf einem 600 Meter langen Abschnitt entlang der Kötzschenbroder Straße betreffen. Sie fassen jeweils 50 Liter Müll. Im Winter wird dreimal wöchentlich geleert, im Sommer fünfmal. In den letzten Wochen kamen die Entsorger sogar zweimal am Tag. Bis zu fünf Kubikmeter Abfall können dort wöchentlich entsorgt werden - im Vergleich zu anderen Stadtgebieten sei das eine überproportionale Kapazität, so die Stadt. Das Problem: Eigentlich sind die Papierkörbe nur für den "Unterwegsabfall" gedacht. Genutzt werden sie allerdings auch für Rest- und Partyabfälle wie Einweggrills und Grillreste. 

Kampagne wegen Corona verschoben

Für ganz Dresden gilt: Auf beiden Seiten der Elbe stehen im Abschnitt zwischen Altstadt und dem Blauen Wunder insgesamt 50 Papierkörbe. Im Sommerhalbjahr von Anfang April bis Ende September werden sie fünfmal pro Woche geleert. Im Winterhalbjahr von Anfang Oktober bis Ende März zweimal in der Woche. Am Elberadweggibt es derzeit zwölf große Papierkörbe mit einem Volumen von jeweils 800 Litern. Deren unterirdische Sammelbehälter seien laut Stadt generell immer aufnahmebereit. "Grundsätzlich gilt im Überflutungsgebiet der Elbe, dass die Anzahl der Papierkörbe auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt bleibt", so das Umweltamt. 

Stefan Engel regt an, am Pieschener Elbufer Hinweistafeln aufzustellen, um dort auf den korrekten Umgang mit der Müllentsorgung aufmerksam zu machen. Einzelne Tafeln in Pieschen hält die Stadt indes nicht für sinnvoll, weil es das Müllproblem im gesamten Verlauf der Elbe gibt. Die Verwaltung verweist auf die Aktionswoche und die steigende Teilnehmerzahl, die zeigen würde, "dass eine Mehrheit der Dresdner Bevölkerung um das Problem weiß." Und: "Generell liegen keine belastbaren Daten vor, ob mit dem Platzieren von Hinweisschildern oder Bannern ein korrekter Umgang mit Abfällen erreicht wird", antwortet die Stadt auf die SPD-Anfrage. Die Kosten für zwölf Schilder, die an den zwölf Zugängen zwischen Eisenberger und Böcklinstraße aufgestellt werden könnten, gibt die Stadt mit insgesamt 12.000 Euro an. In Anbetracht der verhängten Haushaltssperre könnten zusätzliche Leistungen nicht erbracht werden.

Zudem gebe es seit letztem Jahr die Kampagne #nichtganzsauber, bei der unter anderem 120 Plakate auf die Verschmutzung der Elbwiesen und anderer Grünflächen im Dresdner Stadtgebiet hinweisen. Auch in diesem Jahr ist so eine Kampagne geplant, sie  wurde aber auf die zweite Jahreshälfte verschoben.

Lebensgefahr für Dresdens Tiere

Die Abfälle sind nicht nur unschön und teuer, sondern auch gefährlich. Generell könnten von ihnen Gefahren ausgehen, etwa eine Zerstörung der Grasnarbe. Gleiches gelte für Tiere, wenn sie Verpackungskunststoffe oder Glasscherben fressen, betont das Umweltamt. Auch Robert Michalk vom Nabu Dresden sagt: "Wir sind  bestürzt über die anhaltende Vermüllung der Elbwiesen."  Und er sieht noch ein anderes Problem: Die Abfälle seien selbst noch für Meerestiere gefährlich, da 80 Prozent des Plastikmülls in den Müllstrudeln im Meer aus dem Land kämen. Der Wind wehe den Müll in die Elbe, die ihn bis in die Nordsee bringe.

Aber auch Landtiere seien direkt von den liegengebliebenen Abfällen - nicht nur an den Elbwiesen - betroffen. "Eichhörnchen und Igel suchen nach Futter und durchwühlen auch gerne mal den Müll auf der Suche nach was Leckerem", sagt der Bildungsreferent. "Hier können sich die Tiere lebensbedrohlich oder tödlich in  To-Go-Bechern oder anderen schmalen Behältern mit ihren Köpfen verfangen." 

Vögel etwa könnten leicht in Gefahr geraten. Es gebe Fotos von Enten, die sich in Plastikringe um Hals und Schnabel eingehakt haben und geradezu deformiert seien.

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"Ein richtiger Giftcocktail sind allerdings Zigarettenstummel, die es auch an der Elbe massenhaft gibt", so Michalk weiter. Eine einzige Kippe könne zwischen 40 und 60 Liter sauberes Grundwasser verunreinigen oder das Pflanzenwachstum negativ beeinflussen.  

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