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Dresdner Wasserwerke stärker gefragt

Wie die Drewag trotz der anhaltenden Trockenheit den steigenden Trinkwasserbedarf sichern will.

Trockenheit prägt nicht nur das Bild am Elbufer, sondern in ganz Dresden. Der fehlende Regen wirkt sich nicht nur auf den Elbpegel aus.
Trockenheit prägt nicht nur das Bild am Elbufer, sondern in ganz Dresden. Der fehlende Regen wirkt sich nicht nur auf den Elbpegel aus. © René Meinig

Dresden. Der Trinkwasserverbrauch nimmt seit Jahren zu, die Stadt wächst.  Allerdings fällt seit 2015 zu wenig Regen. Das spüren die Wasserwerker der Drewag. Besonders extrem ist  es seit 2018:  Bäche trocknen aus, die Pegel der Flüsse sind niedrig und der Grundwasserstand ist kräftig abgesackt. Trotzdem soll auch künftig eine zuverlässige Trinkwasserversorgung gesichert sein. Wie das geschehen soll? Die SZ analysiert die Lage und gibt einen Überblick.

Die Nachfrage: Verbrauchsrekord bei 156.000 Kubikmetern

Wurden 2011 täglich im Durchschnitt noch rund 102.000 Kubikmeter Trinkwasser verbraucht, so waren es 2015 bereits 112.000 Kubikmeter. Im besonders warmen und trockenen Jahr 2018 ging die Verbrauchskurve mit knapp 118.000 Kubikmetern Trinkwasser noch weiter nach oben, im vergangenen Jahr waren es sogar 121.000 Kubikmeter.

Der Trend liege hauptsächlich an der Industrie, die stark wächst. So baut Bosch eine neue Mikrochipfabrik im Rähnitzer Gewerbegebiet Airportpark. Schon jetzt benötigt die gesamte Mikroelektronikbranche im Dresdner Norden so viel Wasser, wie das Tolkewitzer Werk aufbereiten kann.

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Ein Mädchen trinkt Leitungswasser aus einem Wasserhahn.
Ein Mädchen trinkt Leitungswasser aus einem Wasserhahn. © dpa-Zentralbild

Einen Trend zu größerem Verbrauch gibt es auch bei der Bevölkerung: Der Durchschnittswert ist seit 2011 pro Einwohner und Tag von 96 auf 99 Liter leicht gestiegen. Betrachtet man den Bundesdurchschnitt liegt der allerdings mit  121 Litern am Tag deutlich darüber. Zunehmend ist auch die Zahl der Tage, an denen mit über 130.000 Kubikmetern sehr viel Wasser verbraucht wird. War es 2013 noch keiner, so weist die Statistik 2014 zwei, 2017 zehn und im Hitzejahr 2018 sogar 68 Spitzentage aus. Tendenz steigend.

Lag der Spitzenwert für 2018 am 1. August noch bei über 158.000 Kubikmetern, so wurde der 2019er Verbrauchsrekord am 26. Juni mit 169.000 Kubikmetern erreicht. Im aktuellen Jahr mussten die Wasserwerke am 7. August mit knapp 156.000 Kubikmetern die bisher größte Menge liefern, teilt Drewag-Sprecherin Gerlind Ostmann mit. 

Die Wasserwerke: Großteil kommt aus Coschütz

Für die drei Werke ist es bisher kein Problem, genügend Trinkwasser aufzubereiten. Immerhin liegt ihre Kapazität bei knapp 240.000 Kubikmetern täglich. Rund 60 Prozent davon kommen aus Coschütz, ein Viertel aus Hosterwitz und 15 Prozent aus Tolkewitz. Ins 1946 übergebene Coschützer Werk, das das größte Sachsens ist, fließt Wasser über Stollen und Leitungen aus dem Talsperrensystem Lehnmühle und Klingenberg, was bisher auch bei Trockenheit immer funktionierte. In den Jahren 2020/2021 werden laut der aktuellen vertraglichen Regelungen mit der Landestalsperrenverwaltung täglich etwa 77.000 Kubikmeter und in den Jahren 2023 bis 2025 etwa 69.000 Kubikmeter in Aussicht gestellt, erklärt die Sprecherin.

Im Coschützer Wasserwerk wird Talsperrenwasser aufbereitet. Es kommt über eine 20 Kilometer lange Verbindung aus der Talsperre Klingenberg.
Im Coschützer Wasserwerk wird Talsperrenwasser aufbereitet. Es kommt über eine 20 Kilometer lange Verbindung aus der Talsperre Klingenberg. © René Meinig

Das Großprojekt: Hosterwitz wird noch leistungsfähiger

Im 1908 unter Stadtbaudirektor Hans Erlwein fertiggestellten Hosterwitzer Werk und in der bis 1898 gebauten Tolkewitzer Anlage werden Grundwasser und Uferfiltrat aus der Elbe aufbereitet. Das Hosterwitzer Werk wurde von 1987 bis 1992 und das Tolkewitzer von 1997 bis 2000 komplett erneuert.

Das Wasserwerk Hosterwitz wird noch leistungsfähiger. Vorn ist eines der beiden Becken zu sehen, in dem sich bei der Vorreinigung der Schlamm absetzt. Der wird in die bereits außen begrünten Speicher gepumpt, von denen einer hinter dem Becken zu sehen ist
Das Wasserwerk Hosterwitz wird noch leistungsfähiger. Vorn ist eines der beiden Becken zu sehen, in dem sich bei der Vorreinigung der Schlamm absetzt. Der wird in die bereits außen begrünten Speicher gepumpt, von denen einer hinter dem Becken zu sehen ist © René Meinig

Die Drewag hat rund 6,4 Millionen Euro investiert, damit der bei der Elbwasseraufbereitung anfallende Schlamm in Hosterwitz separat gespeichert werden kann. Die Arbeiten sind jetzt abgeschlossen. Derzeit wird die Anlage getestet. Mit ihr wird das Werk noch leistungsfähiger.

Das Coschützer Wasser ist mit einem Härtegrad von 5,8 weich, das Hosterwitzer (8,9) etwas härter und das Tolkewitzer mit 13,3 mittelhart. 

Die Situation: Bei Trockenheit sinkt Grundwasser-Pegel

Seit 2015 hatte es viel weniger geregnet als üblich. Das hat Konsequenzen. Zwar ist die Trinkwasserversorgung nicht gefährdet. Aber es gibt einige Häuser, bei denen die eigenen Hausbrunnen versiegt sind. Neues Grundwasser bildet sich vor allem im Winterhalbjahr, da es dann im Normalfall viel regnet oder schneit und nicht so viel Wasser verdunstet. Seit 2015 kam allerdings viel weniger Nachschub. Deshalb fiel seitdem der Grundwasserstand.

Die Trockenheit hat enorme Konsequenzen. Die meisten Bäche sind ausgetrocknet. so auch der Graupaer Bach, dessen Bett zu Füßen des Pillnitzer Elbhangs ausgebaut wurde.
Die Trockenheit hat enorme Konsequenzen. Die meisten Bäche sind ausgetrocknet. so auch der Graupaer Bach, dessen Bett zu Füßen des Pillnitzer Elbhangs ausgebaut wurde. © René Meinig

Die Perspektive: Weniger Regen bei größerer Hitze

Schon jetzt ist dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge die Temperatur seit Beginn der flächendeckenden Aufzeichnung 1881 um 1,4 Grad gestiegen. In Sachsen regnet es elf Prozent weniger als 1881. Aufgrund des Klimawandels ist ein weiterer Temperatur-Anstieg prognostiziert. Bei entschiedenen Anstrengungen, mit denen keine zusätzlichen Treibhausgase produziert werden, soll die Temperatur bis zum Jahr 2100 um zwei Grad zunehmen. Wird weiter wie bisher gehandelt, könnte es dem DWD zufolge bis dahin um fünf Grad wärmer werden.

Der Nachschub: Niedriger Elbpegel kann Probleme bringen

Dass der Regen fehlt, wird auch am Elbpegel deutlich. Er liegt derzeit zwar bei 1,3 Metern. Beim diesjährigen Tiefststand wurde am 22. Mai mit 62 Zentimetern aber weniger als die Hälfte gemessen. Normal sind 1,65 Meter. Am 29. Juli 2019 wurde mit 48 Zentimetern der geringste Wert im vergangenen Jahr erreicht. Der bisher niedrigste Pegelstand der Elbe in Dresden seit Beginn der Aufzeichnung wurde am 6. Januar 1954 mit 30 Zentimetern verzeichnet. 

Der Elbpegel ist auch dieses Jahr wieder niedrig. Allerdings führt derzeit wieder etwas mehr Wasser als in den besonders trockenen Jahren 2018 und 2019.
Der Elbpegel ist auch dieses Jahr wieder niedrig. Allerdings führt derzeit wieder etwas mehr Wasser als in den besonders trockenen Jahren 2018 und 2019. © René Meinig

Besonders für die Werke in Hosterwitz und Tolkewitz hat das Konsequenzen, erklärt die Drewag-Sprecherin. Diese Wasserwerke würden überwiegend Vorräte aus Uferfiltration und in Hosterwitz noch durch ‚künstliche‘ Infiltration der Elbe nutzen. „Für die Vorräte aus Uferfiltration ist der Elbe-Wasserstand von Bedeutung. Aus den Erfahrungen der Extremwetterlage 2018 mit über Monate anhaltender Trockenperiode, schätzen wir einen Elbwasserstand von unter 50 Zentimetern bei gleichzeitig hohem Wasserbedarf als kritisch ein.“   

Die Notwendigkeit: Stärkere Zusammenarbeit

Dennoch wird der Wasserbedarf in Dresden weiter steigen. Die Drewag prognostiziert für 2022 einen Durchschnittsverbauch rund 125.000 Kubikmeter täglich, für 2016 von 138.000 Kubikmetern und für 2030 von 145.000 Kubikmetern. Da vor allem der Verbrauch der Industrie wächst, hält die Drewag neue Lösungen für die Versorgung der Betriebe für nötig. Als ein Beispiel führte Geschäftsführer Brinkmann an, dass Betriebe mit nicht ganz so fein aufbereitetem Rohwasser aus einem möglichen Wasserwerk im Ostragehege versorgt werden könnten. Er kritisiert zudem die „Kleinteiligkeit“ der Wasserversorgung in der Region mit 48 Unternehmen in Ostsachsen. Hier müsse sich die Landespolitik um neue Strukturen kümmern, die noch vor 2030 greifen.

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