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Spielpause, Gehaltsverzicht, Kurzarbeit: So plant Dynamo

Die Dresdner übernehmen in der Corona-Krise eine Vorbildrolle. Der Geschäftsführer muss trotzdem neu rechnen, inklusive harter Einschnitte.

Die Lage ist ernst, das weiß Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born. Die Finanzplanung für die neue Saison muss er komplett überarbeiten. In der Existenz bedroht ist der Verein aber nicht.
Die Lage ist ernst, das weiß Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born. Die Finanzplanung für die neue Saison muss er komplett überarbeiten. In der Existenz bedroht ist der Verein aber nicht. © Robert Michael

Dresden. Die guten Nachrichten sind rar in der Corona-Krise und deshalb besonders wichtig. Für Dynamo Dresden gibt es so eine: Der Hauptsponsor, Internetdienstleister All-inkl.com aus Friedersdorf bei Löbau, wird für diese Saison die volle Summe zahlen, egal, ob sie mit oder ohne Zuschauern fortgesetzt oder sogar vorzeitig abgebrochen wird.

Mit dem siebenstelligen Betrag kann Michael Born also weiter rechnen. „Das ist ein ganz tolles Zeichen. Dafür sind wir sehr dankbar und wünschen uns natürlich, dass sich diesem positiven Beispiel viele weitere Sponsoren und Partner anschließen werden, die trotz der Corona-Krise wirtschaftlich dazu in der Lage sind“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer. Er muss gerade mehrere Szenarien mit einigen Unbekannten durchrechnen.

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Bereits am vergangenen Donnerstag wurden Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, für andere die Arbeitszeit verkürzt. Wie viele davon betroffen sind, verrät Born nicht, es gehe aber außer in der Nachwuchsakademie, die komplett geschlossen wurde, vor allem um die Bereiche, die direkt mit der Organisation des Spielbetriebes zu tun haben. Der soll bis 30. April ausgesetzt werden.

Mit der Mannschaft "sehr gute Lösung gefunden“

„Wir mussten reagieren, auch wenn uns der Schritt nicht leichtgefallen ist, weil uns bewusst ist, was unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten“, sagt Born. Derzeit gebe es zum Beispiel keine Sicherheitsberatungen. „Ich habe gerade den Posteingang bekommen, das sind mittlerweile zehn Prozent dessen, was wir während der laufenden Saison normalerweise erhalten“, verdeutlicht der Geschäftsführer den Einschnitt. 

Nicht auf Kurzarbeit gesetzt sind die Profis, die weiter individuell trainieren, sowie der Trainerstab. „Wir haben mit der Mannschaft eine sehr gute Lösung gefunden, für die uns eine Menge Respekt gezollt worden ist“, sagt Born.

Der Geschäftsführer verzichtet genauso wie der für den Sport verantwortliche Ralf Minge, die Spieler und die Trainer um Chefcoach Markus Kauczinski auf einen Teil seines Gehalts, zusammen mehr als 300.000 Euro. Dynamo war damit ein Vorreiter im Profi-Fußball. 50.000 Euro sollen sozialen Zwecken zugutekommen. „Wo es jetzt besonders dringend gebraucht wird. Dazu führen wir Gespräche“, so Born. Der Mannschaft war es wichtig, dass die Mitarbeiter einen Ausgleich bekommen, die durch die Kurzarbeit finanzielle Einbußen haben.

Dynamo, erklärt Born, sei durch die Corona-Krise nicht existenziell bedroht. „Wir müssen natürlich schauen, wie wir den Verein möglichst stabil halten, sprechen mit unseren Partnern und Sponsoren“, sagt der Geschäftsführer. „Nichtsdestotrotz haben wir den Verein in den vergangenen Jahren finanziell auf solide Säulen gestellt und müssen alles tun, damit diese Säulen weiterhin tragen.“ 

Zuletzt mehr als 10 Millionen Euro von Sponsoren

Wie hoch die Verluste durch Corona sein werden, lässt sich kaum abschätzen, trotzdem blickt Born bereits voraus. „Es ist absehbar, dass die Wirtschaft von dieser Krise stark getroffen wird. Für uns ist das Sponsoring die größte Einnahmequelle noch vor dem TV-Geld.“

Mehr als zehn Millionen Euro hatte Dynamo in der Vorsaison über den Vermarkter Lagadere erzielt, in dieser zeichnete sich ein ähnliches Ergebnis ab. Dementsprechend hat Born für die nächste Saison geplant. „Das müssen wir komplett überarbeiten. Es wird Partner geben, die uns nicht mehr wie bisher unterstützen können, und ich betone: können. Dafür haben wir Verständnis“, sagt er.

Der Dynamo-Manager geht fest davon aus, dass im Fußball finanziell abgespeckt werden muss. „Ich habe mit sehr vielen Kollegen telefoniert. An manchen Standorten ist die Lage sehr angespannt, angespannter als bei uns. Natürlich wird das Folgen haben, welche, kann man im Moment nicht absehen“, meint Born. „Unsere Verantwortung ist es, uns darauf einzustellen, damit nicht das mit einem Schlag Makulatur wird, was wir uns aufgebaut haben.“

Sportlich droht weiterhin der Abstieg in die 3. Liga

Und über allem schwebt ein drohender Abstieg in die 3. Liga, der es wirtschaftlich noch schwieriger machen würde. „Ja, wir stehen an letzter Stelle. Natürlich wollen wir die Saison fortsetzen“, sagt Born, aber: „Die Integrität des Wettbewerbs müsste absolut gegeben sein.“ Er ist offenbar skeptisch. „Nicht nur wir haben Zweifel daran, dass es unter den gegebenen Bedingungen möglich ist.“ 

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