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Kauczinskis Vorgaben für eine neue Mannschaft

Der Dynamo-Trainer erklärt vor dem Saisonfinale, nach welchen Kriterien er den Kader zusammenstellt – und welche Rolle dabei sein neuer Chef spielt.

Dynamo-Trainer Markus Kauczinski dürfte in den nächsten Wochen öfter über die eine oder andere Neuverpflichtung nachdenken. Eine klare Vorstellung von seiner Mannschaft hat er bereits.
Dynamo-Trainer Markus Kauczinski dürfte in den nächsten Wochen öfter über die eine oder andere Neuverpflichtung nachdenken. Eine klare Vorstellung von seiner Mannschaft hat er bereits. © dpa/Robert Michael

Dresden. Es ist nur eine Schätzung, sie dürfte der Wirklichkeit aber nahe kommen. Auf "0,0000001 Prozent" beziffert Markus Kauczinski die Chance, dass Dynamo am Sonntag beim Saisonfinale gegen den VfL Osnabrück noch auf den Relegationsplatz klettert. Ein Sieg mit zwölf, dreizehn Toren Unterschied wäre dafür die Voraussetzung. Wobei die Schwarz-Gelben in den 33 Partien bisher nur 30 Mal getroffen haben. Das Dilemma ist ein unlösbares. "So richtig glaubt da natürlich keiner dran", sagt der Trainer und meint ein Wunder.

Es wird also ein Abschiedsspiel – aus der zweiten Liga und damit für viele Dynamo-Profis. Eine offizielle Zeremonie, sonst üblich beim Saisonabschluss, gibt es nicht. "Da müssten wir ja eine Stunde eher anfangen", frotzelt Kauczinski mit Blick auf die lange Liste mit den auslaufenden oder in der 3. Liga nicht mehr gültigen Verträgen. „Es macht auch keinen Sinn, vor leeren Rängen Bilder und Sträuße zu verteilen", findet er. Verabschiedet wird sich intern im Mannschaftskreis. "Herzlich, aber kurz. Es werden ohnehin alle froh sein, wenn es vorbei ist."

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Das gilt auch für den Cheftrainer selbst. Man hört ihm an, wie sehr er sich danach sehnt, all den Frust und Ärger, die Enttäuschungen und Misserfolge der vergangenen Wochen hinter sich zu lassen. "Erst wenn das Alte abgeschlossen ist, kann was Neues beginnen", sagt er, und es klingt beinahe schon philosophisch.

Neues Trainingszentrum lockt neue Spieler

Ein Neuanfang wird es auf jeden Fall, vielleicht sogar eine Zäsur. Nach der Sommerpause trifft sich die Mannschaft im neuen Trainingszentrum. Den Kader für die 3. Liga stellt Kauczinski mit dem neuen Sportdirektor Ralf Becker zusammen. In den nächsten Tagen sollen bei einem ersten Treffen wesentliche Fragen geklärt werden: "Wie wollen wir uns aufstellen? Für was wollen wir stehen? Und gibt es unter den Spielern, die keinen gültigen Vertrag mehr haben, Kandidaten, die uns weiter gut zu Gesicht stehen würden?"

Seine Vorstellungen von einer Mannschaft, die möglichst schnell, also am liebsten sofort, wieder in die zweite Liga zurückkehrt, hat der Cheftrainer bereits. Er beschreibt sie als "ein Gemisch". Zu dem gehören für ihn "erfahrene Leuten, die ein Rückgrat bilden und an denen man sich orientieren kann". Zudem seien "Physis, Durchsetzungsvermögen sowie eine absolute Leidenschaft" wichtig, es brauche "Charaktere, die zu diesem Umfeld passen" und letztlich "eine gute fußballerische Qualität". All das zusammen soll eine Mannschaft ergeben, "mit der man sich identifizieren kann". Vergleicht man diese Vorgaben mit dem aktuellen Kader, passt da einiges nicht zusammen.

Das neue Trainingszentrum könnte ein Argument sein, sich für Dresden zu entscheiden, doch Kauczinski bleibt bei aller Freude über den schmucken Neubau realistisch. "Das macht was her, und es sind natürlich tolle Voraussetzungen", sagt er, "Aber die haben andere Vereine auch."

"Bestimmte Regale sind für uns von vornherein vergriffen."

Einen Umbruch hätte es also wohl auch ohne Abstieg gegeben, nun fällt er gravierender aus. Und um den werden sich vor allem Becker und Chefscout Kristian Walter kümmern. Sie hätten "ein gutes Netzwerk, sind gut verdrahtet", meint Kauczinski. Entscheidungen würden dann natürlich zusammen getroffen.

Namen möglicher Neuzugänge will er noch keine nennen, dafür sei es zu früh. "Wir müssen erst einmal einen Überblick gewinnen, wie der Markt aussieht, wer verfügbar ist." Und eins sei auch klar: "Nach dem Abstieg sind bestimmte Regale für uns von vornherein vergriffen." Anders formuliert: Mancher Kandidat passt zwar hervorragend ins Profil, will aber nicht in der 3. Liga spielen oder hat unerfüllbare Gehaltsvorstellungen. Dynamo muss also Abstriche machen. 

Das neue Duo Kauczinski/Becker ist ein völlig anderes als Cristian Fiel/Ralf Minge, das vor einem Jahr angetreten war und eine Mannschaft zusammenstellte, die schönen wie erfolgreichen Fußball spielen sollte, aber nur die erste Anforderung ansatzweise erfüllte. Die Nachfolger haben keinen Dynamo-Stallgeruch, womöglich ist das in der jetzigen Situation ein Vorteil. Es könnte helfen, emotionsloser und realistischer auf die Dinge zu schauen.

Becker jedenfalls kennt sich aus mit Neuanfängen nach einem Abstieg, mit Holstein Kiel kehrte er gleich wieder zurück in die zweite Liga. Er sei "ein absoluter Fußballfachmann, der bereits bewiesen hat, dass er gute Mannschaften zusammenstellen kann", schwärmt Kauczinski. "Ich glaube, dass wir auch menschlich gut zusammenpassen."

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Auch mit seinem Co-Trainer Heiko Scholz könnte es weiter passen. "Es ist angedacht, dass er bleibt", formuliert Kauczinski vorsichtig. Die Fragen rund ums Betreuerteam seien noch nicht bis ins letzte Detail geklärt. Offensichtlich soll Becker bei der Besetzung mitentscheiden.

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