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Dynamo-Fans reagieren auf Vorwürfe

Nach dem Spiel beim FC St. Pauli wurden Ordner und Polizisten bei einem Gewaltausbruch von Dresdner Anhängern verletzt. Wie ist es dazu gekommen?

Szenen direkt nach dem Schlusspfiff: Ein gewalttätiger Dynamo-Fan attackiert einen Ordner mit einem Fußtritt.
Szenen direkt nach dem Schlusspfiff: Ein gewalttätiger Dynamo-Fan attackiert einen Ordner mit einem Fußtritt. © dpa/Christian Charisius

Hamburg. Bei einem Gewaltausbruch einiger Dresdner Fußball-Fans nach dem Zweitliga-Spiel des FC St. Pauli gegen Dynamo sind nach Angaben der Polizei zwölf Ordner und sechs Polizeibeamte verletzt worden. Insgesamt gab es 22 Festnahmen. Die Polizei betonte, dass sich die Zahl der Festnahmen aber nicht allein auf die Vorfälle unmittelbar nach dem Spiel, sondern auf den Gesamteinsatz vor, während und nach der Partie beziehe. 

Inzwischen gibt es erste Berichte von mehreren Fangruppen, wonach die Dresdner Anhänger zuvor von den Zuschauerrängen über ihnen massiv provoziert worden seien. Wie Augenzeugen berichten, ist es nicht bei den üblichen Sprüchen und Spuckattacken geblieben. Demnach sollen massiv Gegenstände geflogen sein, besonders Getränkebecher. Als die Dynamo-Fans dabei offenbar auch mit Urin beworfen worden, seien einige durchgedreht. Es sei, so die Darstellung der Fangruppen, keine gezielte Aktion gewesen, sondern eine spontane Reaktion. Dennoch sei jede Form der Gewalt entschieden abzulehnen, betonen Fanclub-Mitglieder.

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Diese war in jedem Fall überzogen und traf mit Polizisten und zum Teil ehrenamtlichen Ordnern Unbeteiligte. Für eine abschließende Beurteilung der Vorkommnisse bedarf es weiterer Aufklärung sowohl von Seiten der Polizei und des Ordnungsdienstes als auch der Vereine und ihrer Fan-Verantwortlichen. Das Sicherheitskonzept müsse hinterfragt werden, fordern Dynamo-Fans. Ihr Vorwurf: Die beiden Fanlager, die sich seit Jahren gegenseitig provozieren, seien nicht ausreichend voneinander getrennt worden, die Ordner letztlich mit der Situation überfordert gewesen.

Beide Vereine kündigten noch via Twitter an, die Vorgänge aufzuarbeiten. Zwischen den Fans der beiden Klubs herrscht seit Jahren ein angespanntes Verhältnis.

Nach dem 0:0 hatten Dynamo-Anhänger versucht, aus ihrem Stehplatz-Block in den Sitzplatzbereich mit St. Pauli-Fans zu klettern. Die Randalierer griffen Ordner an, die sie daran hindern wollten. Dabei wurden einige Sicherheitsleute verletzt. Auch eine Rakete wurde gezündet, die unter das Tribünendach flog und von dort zurück auf die Zuschauerränge fiel. Erst durch den Einsatz der Polizei konnte die Situation beruhigt werden.

Dynamo-Fans zündeten eine Rakete in Richtung Polizei.
Dynamo-Fans zündeten eine Rakete in Richtung Polizei. © Christian Charisius/dpa

"Der FC St. Pauli wird die Ereignisse nach Spielende in der Nordkurve intensiv aufarbeiten. Allen Verletzten wünschen wir gute Besserung: You'll never walk alone!", schrieb der FC St. Pauli auf Twitter. Ähnlich äußerte sich Dynamo Dresden: "Wir werden die Ereignisse nach dem Spiel am Gästeblock mit allen Beteiligten in Ruhe aufarbeiten. Fest steht aber schon jetzt: Jeder verletzte Mensch ist einer zu viel. Wir wünschen allen Betroffenen auch auf diesem Wege gute und schnelle Genesung."

Schon unmittelbar nach dem Spiel hatte es deutliche Stellungnahmen gegeben. "Das ist schade. Das gehört sich nicht", sagte St. Paulis Trainer Jos Luhukay über das Verhalten der Dynamo-Anhänger. "Es soll ein Fußball-Fest sein." Dresdens Abwehrspieler Chris Löwe meinte im TV-Sender Sky: "Wir wollen hier Fußball spielen und Spaß haben. So etwas gehört hier nicht her."

Seit Jahren kommt es bei den Spielen zwischen Dynamo und St. Pauli zu meist gegenseitigen Provokationen. Diesmal waren im Vorfeld Sticker verbreitet worden, die im Dynamo-Emblem statt des D eine fallende Bombe zeigten, der Schriftzug Dresden steht darauf in Flammen. Außerdem wurde eine „Antisächsistische Aktion“ ausgerufen. Im Stadion hing vor dem Anstoß ein Banner, das auf das Dresdner Gedenken an die Zerstörung der Stadt vor 75 Jahren anspielte: „Sowas kommt von sowas. Gegen den doitschen Opfermythus.“ 

Bereits vor zwei Jahren, als die Partie einen Tag vor dem 13. Februar ausgetragen worden war, hieß es an gleicher Stelle: „Schon eure Großeltern haben für Dresden gebrannt – gegen den doitschen Opfermythos.“ Diese Aktion hatten beide Klubs genauso als „nicht zu akzeptierende Fehlverhalten“ verurteilt wie das Auftreten von Dynamo-Anhängern bei der Begegnung im Dezember 2018. Die Bilanz damals laut Verein: „Ein frauenverachtendes Spruchband, Körperverletzungen, ein ,Hitlergruß‘, das Werfen von Gegenständen und die komplette Zerstörung der Sanitäranlage im Gästeblock.“ 

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Zuletzt kam es beim Hinspiel in Dresden im September 2019 zu Vorkommnissen, zwei Ordner trugen T-Shirts mit einer eindeutig nationalsozialistischen Botschaft. Außerdem wurden erneut Transparente mit frauenfeindlichen und menschenverachtenden Spruchbändern gezeigt.​ (mit dpa)