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Wofür die Kirstens ein Trikot von Kroos versteigern

Vater Ulf und Sohn Benny gehören für die Fans zu Dynamos Legenden. Jetzt sammeln sie Spenden für den Fußball-Nachwuchs - mit prominenter Hilfe.

Benjamin Kirsten versteigert ein Original-Trikot von Nationalspieler Toni Kroos für die Kirsten-Stiftung, die den Fußball-Nachwuchs in Sachsen unterstützt.
Benjamin Kirsten versteigert ein Original-Trikot von Nationalspieler Toni Kroos für die Kirsten-Stiftung, die den Fußball-Nachwuchs in Sachsen unterstützt. © Fotos: Christian Juppe & dpa

Dresden. Die Auktion ist erfolgreich angelaufen. Am Donnerstagabend liegt das bisher höchste Gebot bei 505 Euro. Es ist ein besonders kostbares Stück, das derzeit über das Internetportal eBay für charity versteigert wird: Das Trikot von Toni Kroos, das er beim 2:2 von Real Madrid gegen Celta Vigo am 16. Februar getragen hat, in der Partie erzielte der deutsche Nationalspieler ein Tor für die "Königlichen".

Es sei ungewaschen, habe aber nur einige grüne Flecken. "Toni spielt halt nahezu körperlos, technisch herausragend", berichtet Benjamin Kirsten. Gemeinsam mit seinem Vater Ulf sammelt er über die  Kirsten-Stiftung Spenden, mit denen sie den Fußball-Nachwuchs unterstützen.

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Diese Erfolgsgeschichte beginnt mit einem Abschied. Am 16. November 2003 sind mehr als 30.000 Fans im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion genauso zu Tränen gerührt wie die Hauptperson. Ulf Kirsten sagt danke. Der Torjäger beendet seine Karriere dort, wo er mit Dynamo seine ersten großen Erfolge gefeiert hat, bevor die Mauer fiel und ihm die Fußball-Welt offenstand.

Er wechselte zu Bayer Leverkusen und blieb dort, wurde dreimal Torschützenkönig in der Bundesliga, machte nach 49 Länderspielen für die DDR die 100 in der gesamtdeutschen Auswahl voll. Beeindruckende Bilanzen. Positiv ist auch das Ergebnis an diesem emotionalen Abend: Mit den 75.000 Euro gründet Kirsten eine Stiftung, um den Nachwuchs bei Dynamo zu unterstützen. Die einstige Fußballschule, die nahezu in jedem Jahrgang ein, zwei Top-Talente herausbrachte, war mit der Wende quasi eingestellt worden.

Die emotionalen Bilder vom Abschiedsspiel

Fast 15 Jahre lang werden Spendengelder genauso wie seine Honorare für öffentliche Auftritte überwiesen. In der Zwischenzeit hat Kirstens Sohn Benjamin, den alle Benny nennen, für die Schwarz-Gelben gespielt. Anders als der Vater schießt er keine Tore, sondern verhindert sie. Allein in der Saison 2012/13 hält er vier Elfmeter und Dynamo mit ihm als Nummer eins die Klasse in der zweiten Liga. Als sein Vertrag 2015 nicht verlängert wird, bedeutet das auch für Ulf Kirsten einen kurzzeitigen Bruch, er lässt die Stiftung ruhen.

Doch Firmen und Privatleute wollen weiter für den guten Zweck spenden, sodass Vater und Sohn die Kirsten-Stiftung gemeinsam reaktivieren und breiter ausrichten, um den Kinder- und Jugendsport zu fördern. "Wir nutzen unsere Kontakte und unser Standing in der Region, um Partner zu gewinnen und Aktionen zu starten", sagt Benny Kirsten, der das Projekt inzwischen leitet. Es ist sozusagen ein Familienunternehmen, denn seine Mutter Diana kümmert sich um den reibungslosen Ablauf und die Abrechnung. "Wir halten den Verwaltungsaufwand so gering wie möglich, damit das Geld wirklich beim Nachwuchs ankommt", meint Kirsten junior.

Die Ideen kommen oft von den Geldgebern selbst. Zum Beispiel bietet das Gewandhaus-Hotel in Dresden seinen Gästen bei mehrtägigen Aufenthalten an, ihr Zimmer einen Tag nicht reinigen zu lassen. Von den so gesparten Kosten gehen fünf Euro an die Stiftung, die Kirstens bedanken sich mit einer Autogrammkarte. Im Restaurant "Burgerlich" kann man 50 Cent als Spende auf seine Rechnung setzen lassen, das Dankeschön kommt via Tablett an den Tisch. "Wir geben den Werbewert unseres Namens als Gegenleistung, deshalb achten wir darauf, dass es passt", betont Benny Kirsten.

Eine wichtige Einnahmequelle sind inzwischen Auktionen von Utensilien bekannter Spieler. Zuletzt hat Dynamo-Torwart Kevin Broll seine Handschuhe zur Verfügung gestellt, mit denen er beim 2:1-Sieg im Sachsenderby gegen Erzgebirge Aue am 8. März gehalten hat. "Die waren noch feucht von seinem Schweiß", erzählt Kirsten und lacht. 270 Euro haben sie gebracht, demnächst kommt eine Summe X für ein Paar von Markus Schubert dazu.

Wie Broll möchte auch der ehemalige Dynamo-Profi, der nun bei Schalke 04 in der Bundesliga spielt, dass vom Erlös Handschuhe für die Nachwuchskeeper bei der SGD gekauft werden. "Unser Ziel ist es, aus einem Paar 20 zu machen", meint Kirsten. Dafür handelt er mit seinem Ausrüster Uhlsport die Konditionen aus. Seit 2016 steht der 32-Jährige bei Lok Leipzig unter Vertrag, konnte allerdings seit knapp einem Jahr kein Spiel mehr bestreiten. Er muss sich einer Meniskus-Transplantation im rechten Knie unterziehen und wartet derzeit auf ein Spenderorgan.

Benny Kirsten bei Dynamo - die Bilder der Karriere

Deshalb musste er auch seine Torwartschule vorerst einstellen, obwohl er seine Erfahrungen gern als Trainer an Talente weitergeben würde. Er freut sich aber, Vereine über die Stiftung sowohl mit Ausrüstungen als auch seinem Rat unterstützen zu können, wobei es ihm wie seinem Vater ein Anliegen ist, im doppelten Sinn an die Kleinen zu denken. "Wir haben unsere Wurzeln nicht vergessen, Papa hat bei der BSG Chemie Riesa angefangen. Wir wollen auch solche Vereine unterstützen, die sonst nie etwas vom Kuchen abbekommen, sie sind schon dankbar für ein paar neue Bälle", erklärt Benny Kirsten.

Er ahnt, dass der Bedarf besonders hoch sein wird, wenn nach der Corona-Krise das Sportleben endlich wieder in Gang kommt. Mindestens 7.500 Euro hält die Stiftung bereit, um Material zu kaufen oder auch Honorare für Übungsleiter zu zahlen. Diesem guten Zweck dient auch die Versteigerung des Trikots von Toni Kroos.

Mal wieder hat der gute Name von Ulf Kirsten geholfen, denn ursprünglich hatte sich der Weltmeister von 2014 bei ihm per SMS mit der Bitte gemeldet, eine Videobotschaft zur Hochzeit seines Bruders Felix zu senden. "Papa ist grundsätzlich skeptisch bei solchen  Anfragen. Deshalb hat er Toni gebeten, ihm einen Nachweis zu schicken, ob er es wirklich ist", erzählt Benny. "Prompt kam ein Selfie zurück: Toni auf der Couch, Daumen hoch: Ulf, ich bin`s!"

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Das Trikot ist sozusagen ein Dankeschön - und es soll einiges einbringen. Den bislang höchsten Wert hat Marco Reus erzielt. Für das Trikot des Kapitäns von Borussia Dortmund wurden vor einem Jahr 1.200 Euro geboten. Für die Stiftung ist jeder Erlös von großem Wert, weil er direkt dem Fußball-Nachwuchs in Dresden und der Region zugute kommt. Genauso also, wie es sich Ulf Kirsten nach seinem Abschiedsspiel gedacht hatte.

Den Link zur Versteigerung finden Sie hier.

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