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Wie Dynamos Sportchef über den Aufstieg denkt

Im Trainingslager spricht Dynamos Sportdirektor Ralf Becker über die Neuzugänge, die Erwartungen und Zuschauer im Stadion.

Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker sagt im Interview auch, warum er die Testspiel-Ergebnisse nicht überbewertet und ob noch Spieler gehen.
Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker sagt im Interview auch, warum er die Testspiel-Ergebnisse nicht überbewertet und ob noch Spieler gehen. © Lutz Hentschel

Herr Becker, mit Paul Will wurde am Samstag der 13. Neuzugang vorgestellt. Kann Dynamo damit die Transfertätigkeiten bereits einstellen?

Mit solchen endgültigen Aussagen muss man aufpassen. Wir haben alle Positionen und fast alle Namen, die wir uns am ersten Tag für den Neuaufbau der Mannschaft vorgestellt hatten, umsetzen können. Mit dem Gesamtergebnis sind wir sehr zufrieden – und auch, wie sich das Team präsentiert. Es ist nicht so, dass wir jetzt jemanden aktiv suchen. Aber ausschließen sollte man trotzdem nie etwas. Es könnte ja noch etwas passieren oder etwas Außergewöhnliches möglich sein.

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Werden denn noch Spieler Dynamo verlassen?

Das kann passieren. Wir haben den einen oder anderen bewusst in der Vorbereitung dabei gelassen, um zu schauen, wie sich die Dinge entwickeln. Wir werden uns nach dem Trainingslager zusammensetzen und besprechen, ob es nicht sinnvoll wäre, jemanden abzugeben oder zu verleihen.

Auffällig ist, dass Osman Atilgan in den Tests wenig Einsatzminuten bekommt, gegen Braunschweig war er der einzige Feldspieler, der draußen bleiben musste. Wäre er ein Kandidat?

Bei den ersten beiden Partien stand er aber auf dem Platz. Wir haben noch ein paar Tage und das Spiel gegen Norwich City – die Entwicklung nehmen wir mit und unterhalten uns dann, was für jeden Einzelnen das Beste ist.

Sie haben den neuen Kader im Vergleich zu den anderen Drittligisten sehr schnell zusammengestellt, obwohl die Transferperiode erst am 5. Oktober endet. Warum sollte es so schnell gehen?

Zum einen waren wir durch den Abstieg gezwungen, zu reagieren, weil etliche Verträge ausliefen und die Leihspieler weg waren. Deshalb mussten wir einiges machen. Und viele unserer Ideen konnten wir überraschend schnell umsetzen. Das ging teilweise rascher, als ich mir das zu Beginn vorgestellt hatte.

Ralf Becker mit Geschäftsführer Michael Born während des Trainingslagers.
Ralf Becker mit Geschäftsführer Michael Born während des Trainingslagers. © Lutz Hentschel

Durch die coronabedingten Unsicherheiten und finanziellen Engpässe bei einigen Profiklubs könnten noch einige attraktive Spieler auf den Markt kommen. Fürchten Sie, vielleicht doch zu schnell gewesen zu sein?

Nein, weil ich von allen Spielern, die hier sind, absolut überzeugt bin. Und andersherum ist es genauso: Alle Spieler, die wir verpflichtet haben, sind mit Überzeugung bei Dynamo. Das ist mir lieber, als darauf zu warten, ob am Ende vielleicht noch etwas möglich sein sollte. Dann ist die Gefahr größer, dass ein Spieler kommt, der nicht mit diesem Herzblut dabei ist.

Also hat Dynamo auch nicht davon profitiert, dass Profis in diesen Zeiten eher das erste Angebot annehmen, als auf ein womöglich attraktiveres zu warten?

Nein, überhaupt nicht. Die Jungs, die zu uns gekommen sind, hätten sicher auch warten und etwas anderes machen können, weil sie einen Marktwert haben. Aber sie haben sich alle ganz bewusst für uns entschieden. Sie wollten hierher, weil wir viel zu bieten haben: die Größe und Wucht des Vereins, die neue Akademie, Verlässlichkeit und Perspektiven. Wir mussten keine Geschichten erfinden, um Spieler zu überzeugen. Trotz des Abstiegs sind wir eine attraktive Adresse.

Auch wenn bei der Kaderzusammenstellung fast alle Wünsche in Erfüllung gingen: Nach drei Tests stehen drei Niederlagen. Wie bewerten Sie das?

Wir können in diesen Corona-Zeiten nur gegen Mannschaften spielen, die wie wir regelmäßig getestet werden. Aber es war auch wichtig, schnell gute Gegner zu haben. Dass die Ergebnisse nicht so waren, wie gewünscht, dass wir gegen Braunschweig dominiert, aber keine Tore geschossen haben, spielt jetzt keine Rolle. Wenn es dann um Punkte geht, müssen solche Partien natürlich gewonnen werden. Das muss unser Anspruch sein.

Ralf Becker mit Scout Kristian Walter.
Ralf Becker mit Scout Kristian Walter. © Lutz Hentschel

Die Spieler reden sehr offen vom Aufstieg als Saisonziel. Sie dagegen haben vom Zweijahres-Plan gesprochen. Hat sich der schon überholt?

Wenn man wie ich neu zu einem Verein kommt, muss man eine Idee, ein Konzept präsentieren. Wenn ich sage, dass Dynamo in den zwei Jahren, die ich hier unter Vertrag stehe, wieder zurück in die 2. Bundesliga soll, ist das die eine Sache. Die andere ist: Natürlich holen wir Spieler, die ehrgeizig sind und den maximalen Erfolg wollen. 

Aber ich finde es nicht vernünftig und nicht richtig, sich jetzt hinzustellen und zu sagen: Trotz des Abstiegs, trotz des Umbruchs, trotz der großen Aufgabe, viele neue Spieler zu integrieren, kommt nichts anderes als der Aufstieg infrage. Trotzdem wollen wir natürlich in der neuen Saison möglichst jedes Spiel gewinnen. Zu behaupten, der Ralf Becker will nicht aufsteigen, wäre absoluter Quatsch.

Wie es aussieht, werden in den Bundesligen bis Ende Oktober keine Zuschauer in den Stadien erlaubt sein. Wenn das auch in der 3. Liga gilt, der weitaus weniger Fernsehgeld zur Verfügung steht: Würden das alle Vereine überleben?

Wenn es tatsächlich so kommen sollte und das Verbot womöglich sogar noch verlängert wird, wäre das für viele Klubs eine ganz große Herausforderung. Dynamo ist durch die vergangenen Jahre ein gesunder Verein und könnte das einigermaßen kompensieren.

Ist es für Sie nachvollziehbar, wenn in der Regionalliga Zuschauer in die Stadien dürfen, eine Klasse höher nicht?

Ich persönlich möchte und hoffe, dass die Leute ins Stadion kommen. Aber ich glaube, dass sich die 3. Liga wie in der Vergangenheit an den Bundesligen und der DFL (Deutsche Fußball-Liga/d. A.) orientieren und einen gemeinsamen Weg finden wird. Es ist eine schwere Entscheidung.

Sprechen Sie sich für eine bundesweit einheitliche Regelung aus oder befürworten Sie, dass dies von jedem Bundesland spezifisch geregelt wird?

Um den Wettbewerb fair zu gestalten, muss es meiner Meinung nach eine einheitliche Regelung geben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Verein X 8.000 Zuschauer ins Stadion lässt und Verein Y ein halbes Jahr vor leeren Rängen spielt. Bei den Corona-Zahlen in Sachsen könnte man natürlich auch argumentieren, dass hier Dinge möglich sind, die anderswo nicht gehen. Aber ich sehe trotzdem keine andere Möglichkeit, als dies einheitlich zu regeln.

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