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Rosenkrieg erledigt Wachpolizist  

Eine Dresdnerin zeigte ihren Freund an, hält ihn in seinem Beruf für ungeeignet. Trotz eines Freispruchs ist er seinen Job los.

Einer Dresdner Ex-Wachpolizist musste sich am Mittwoch vor Gericht verantworten.
Einer Dresdner Ex-Wachpolizist musste sich am Mittwoch vor Gericht verantworten. © Symbolbild/dpa/Roland Weihrauch

Ein Polizist, eine gut aussehende Kollegin und eine eifersüchtige Freundin: Am Dresdner Amtsgericht ist am Mittwoch allerhand schmutzige Wäsche gewaschen worden. Was war passiert? Der Dresdner Wachpolizist Ronny H. hatte seinen Vorgesetzten gebeten, nicht mehr mit seiner attraktiven Kollegin auf Streife geschickt zu werden. Weil seine Freundin zu Hause eifersüchtig gewesen sei, so der 30-Jährige. Als Beweis habe er das Gespräch mit dem Handy heimlich aufgenommen – behauptete zumindest seine Freundin, von der er sich inzwischen getrennt hat. Monate später zeigte ihn die Partnerin an. Nun musste sich H. wegen Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes verantworten.

Was trieb sie überhaupt zu der Anzeige? Ausschlaggebend soll die Trennung gewesen sein, meinte H. Erst habe sie ihm hinterhergeweint. Dann habe er gehört, sie wolle ihn ausnehmen wie eine Weihnachtsgans und ihn auf den Knien sehen. Er vermute eine gezielte Attacke, damit ihm die Ausbildung zu einem richtigen Polizisten verwehrt werde. Eifersucht sei schon früher oft ein Thema in der Beziehung gewesen. „Ich konnte mein Handy nirgendwo liegen lassen, sie hat überall herumgeschnüffelt.“ Aufgezeichnet habe er das Gespräch mit seinem Vorgesetzten aber nicht.

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„Er fand seine Arbeitskollegin toll, da war ich eifersüchtig“, gab die Ex-Freundin am Mittwoch zu. Grund für die Anzeige sei das aber nicht gewesen. Ronny H. sei mit dem Druck im Job nicht zurechtgekommen, habe sich oft bis zum Erbrechen zulaufen lassen und habe Selbstmordgedanken geäußert. „Ich finde, dass er als Polizist untragbar ist“, sagte sie und bekräftigte ihre Aussage, H. habe ihr die Aufzeichnung des Gesprächs vorgespielt.

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Den Rosenkrieg zu klären, sei nicht seine Aufgabe, sagte Richter Philip Socher schließlich. „Es geht auch nicht darum, ob der Angeklagte als Wachpolizist geeignet war.“ Zu klären sei, ob er das Gespräch mitgeschnitten habe. „Und das kann ich nicht nachweisen.“ Denn einen Beweis, also das angebliche Video selbst, lag der Justiz nicht vor. Es stehe damit Aussage gegen Aussage, sodass H. freizusprechen sei. Wachpolizist ist er nicht mehr, auch zur Ausbildung für den Polizeidienst ist er nicht angenommen worden, obwohl ihm der Medizinische Dienst mittlerweile physische und psychische Gesundheit bescheinigt habe, sagte sein Anwalt. Aber wegen des ganzen Vorfalls laufe derzeit parallel ein Disziplinarverfahren bei der Polizei gegen ihn. H. arbeitet nun als Lagerist.