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Ein 40-Meter-Mast vor dem Wohnzimmer?

In Zeithain soll ein Handymast entstehen, der fast so hoch wie der Kirchturm ist. Betroffene Nachbarn sind entsetzt.

Diesen Anblick wollen etliche Anwohner der Langenberger Straße in Zeithain vermeiden: Der Funkmast im Hintergrund steht bislang nur in dieser Bildmontage - in der Höhe ist er aber gegenüber der Einfamilienhäuser (rechts) geplant.
Diesen Anblick wollen etliche Anwohner der Langenberger Straße in Zeithain vermeiden: Der Funkmast im Hintergrund steht bislang nur in dieser Bildmontage - in der Höhe ist er aber gegenüber der Einfamilienhäuser (rechts) geplant. © Foto/Montage: Sebastian Schultz

Zeithain. In der Bildmontage steht er schon: der 40 Meter hohe Funkmast, den das Bonner Unternehmen Deutsche Funkturm in Zeithain plant. Tatsächlich existiert er bislang nur auf Papier. Das Vorbild für die Bildmontage steht tatsächlich im Nachbardorf Röderau, wo die Telekom-Tochter erst kürzlich so einen Mast aufgestellt hat.

Doch einen erheblichen Unterschied gibt es: In Zeithain ist der Mast in direkter Nähe zur Wohnbebauung an der Langenberger Straße geplant. So dicht, dass er theoretisch fast ein Eigenheim treffen könnte, wenn er der Länge nach umkippen würde. "Ein Mast von der Höhe gehört dort einfach nicht hin", sagt ein Anwohner. Er verweist darauf, dass das geplante Projekt nur zwei Meter niedriger ist als der Zeithainer Kirchturm.

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Mittlerweile haben die Anwohner mobilisiert, Dutzende Unterschriften und Einsprüche beim Kreisbauamt eingereicht. Die Behörde hatte im jüngsten Kreis-Amtsblatt mitgeteilt, dass die Baugenehmigung für das Projekt "Errichtung Antennenträger mit Outdoortechnik" erteilt wird. Aber warum ausgerechnet direkt neben Einfamilienhäusern? 

"Das Problem ist, dass dort direkt neben den Wohngrundstücken der sogenannte Außenbereich beginnt", sagt Zeithains Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos). Die Langenberger Straße ist eine Sackgasse, die zwischen der Bahnstrecke Dresden-Leipzig, der B 169 und dem Sportplatz liegt. Und im Außenbereich seien solche Bauvorhaben eben zulässig. 

Die Gemeinde hatte zuvor dem Projekt zwar sein "kommunales Einvernehmen" versagt - eine Hinderung für die Genehmigung durch das Landratsamt ist das allerdings nicht. "Es sieht ganz danach aus, als würde die Deutsche Funkturm alle gesetzlichen Vorgaben einhalten", sagt Hänsel. Da habe man als Behörde auch nur begrenzt Möglichkeiten, eine Genehmigung zu versagen. "Ob die Widersprüche der Anwohner begründet sind, wird die Prüfung zeigen."

Das Grundstück an der Langenberger Straße gehört bereits der Telekom. So müsste deren Tochtergesellschaft für einen Mast dort auch keine Pacht an die Gemeinde zahlen.
Das Grundstück an der Langenberger Straße gehört bereits der Telekom. So müsste deren Tochtergesellschaft für einen Mast dort auch keine Pacht an die Gemeinde zahlen. © Sebastian Schultz

Und Widersprüche haben die Anwohner eine ganze Menge: Neben der direkten Nähe zur Wohnbebauung führen sie einen möglichen Schattenwurf auf die Häuser an, eine erhöhte Blitzeinschlags-Gefahr, einen Wertverlust für die Grundstücke. Der Wahlkreis-Landtagsabgeordnete Carsten Hütter (AfD) befürchtet auch noch eine Geräuschentwicklung durch Wind an Gitterrosten und Antennenanlagen. Der Politiker war durch einen Anwohner auf das Thema angesprochen worden. 

Und dann sind dann noch mögliche Schäden durch Eis, das im Winter abstürzen könnte. "Nicht umsonst stehen an Windrädern und Antennenmasten Warnschilder", sagt der Zeithainer, der nebenan wohnt. "Wer garantiert uns, dass das bei Wind nicht bei jemandem aufs Haus fällt?"

Nicht zuletzt gibt es die Furcht, dass durch die Rammarbeiten für die 18 Meter tiefe Gründung Schäden entstehen - Risse im Haus durch die Vibrationen etwa oder ein weiteres Absacken des Grundwasserspiegels, weil der Grundwasserhorizont beeinträchtigt werden könnte. "Dann vertrocknen hier die nächsten Bäume", sagt der Anwohner.

Er fragt sich, warum der Mast nicht einfach ein Stück weiter weg von der Wohnbebauung errichtet werden kann. Richtung Rohrwerk etwa. "Dort würde er wesentlich weniger stören." Das sieht auch Bürgermeister Ralf Hänsel so. "Ich verstehe die Anwohner: Es ist nicht schön, so einen Mast direkt vor die Nase gesetzt zu bekommen." Die Gemeinde habe im Verfahren einen alternativen Standort angeboten, dichter am Sportplatz, auf kommunaler Fläche. Der sei aber nicht berücksichtigt worden, womöglich weil er etwas spät eingereicht wurde.

Von der Deutschen Funkturm heißt es auf Nachfrage, dass die Gemeinde "ihre in der Vereinbarung eingeräumten Einflussmöglichkeiten auf die Standortwahl nicht genutzt" habe. Dabei habe man die Gemeinde bereits im Dezember 2018 über die Suche und im Februar 2019 über die Planung für den Standort informiert, so Firmensprecher Benedikt Albers.

Der Standort an der Langenberger Straße sei aus funktechnischer Sicht geeignet, könne dort gut angebunden werden und sei daher ideal, um die Mobilfunkversorgung in Zeithain zu verbessern. Eine Rolle dabei spiele dabei auch die direkt benachbarte Bahnlinie Dresden-Leipzig, die genauso wie die B 169 nebenan sowie die weitere Umgebung vom Mast aus mit Mobilfunk versorgt werde.

Finanziell würde die Gemeinde in diesem Fall aber nicht profitieren - während auf einem kommunalen Standort Pacht fällig würde, gehört das Wunsch-Grundstück bereits der Deutschen Telekom, die dort ein größeres Technik-Gebäude stehen hat.

Geplant ist der Mast aktuell, um das LTE-Netz der Telekom zu ergänzen. Anwohner befürchten, dass später immer mehr Antennen drauf kommen, 5G inklusive. Das wird von der Deutschen Funkturm explizit nicht ausgeschlossen. "Wir bauen den modernen Mast mit ausreichend statischer Kapazität für mögliche künftige Erweiterungen durch neue Technik oder andere Mobilfunkanbieter, so dass diese keine eigenen Masten bauen müssen", sagt Benedikt Albers auf SZ-Anfrage.

In Röderau am Tennisplatz hatte die Deutsche Funkturm zuletzt einen Sendeplatz errichtet. Ein ähnliches Projekt ist nun in Zeithain geplant.
In Röderau am Tennisplatz hatte die Deutsche Funkturm zuletzt einen Sendeplatz errichtet. Ein ähnliches Projekt ist nun in Zeithain geplant. © Sebastian Schultz

"Wenn der Mast erst einmal steht, ist man als Anwohner nur noch Zuschauer", sagt der Nachbar. Er hofft, dass das Landratsamt die eingereichten Beschwerden berücksichtigt. Mittlerweile hätten nicht nur Anwohner von der Langenberger Straße selbst, sondern auch vom Ring der Freundschaft und der Bahnhofstraße unterschrieben. Auch Bürgermeister Ralf Hänsel wünscht sich, dass im Verfahren noch einmal der angebotene Ausweich-Standort zur Sprache kommt.

Die Deutsche Funkturm setzt dagegen darauf, mit dem Wunsch-Grundstück der Telekom voran zu kommen. "Wir planen den Beginn der Bauarbeiten für Mitte bis Ende September, so dass der Mast je nach Witterung gegen Ende des Jahres steht und Anfang nächsten Jahren in Betrieb gehen kann", so der Firmensprecher.

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