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Wo der Chef ein E-Bike spendiert

Putzkaus Agrarbetrieb macht seinen Mitarbeitern ein besonderes Angebot - und ist damit Vorreiter in der Region.

Die fünf Kilometer von Naundorf nach Putzkau bewältigt Tilo Jähne mit dem E-Bike, finanziert von seinem Chef.
Die fünf Kilometer von Naundorf nach Putzkau bewältigt Tilo Jähne mit dem E-Bike, finanziert von seinem Chef. © Steffen Unger

Sobald es wärmer wird, wird Tilo Jähne  am Morgen wieder häufiger aufs Fahrrad steigen und von Naundorf nach Putzkau zur Arbeit fahren.  Fünf  Kilometer, ein Katzensprung für den 56-Jährigen. Noch dazu, da er ein E-Bike  besitzt. Das ist nichts Besonderes mehr -  in diesem Fall aber doch. Denn finanziert wird das Rad von seinem Chef.     

Marco Birnstengel, Geschäftsführer der Firma Landbewirtschaftung Wesenitztal in Putzkau,   gehört  damit  zu den  Vorreitern im Raum Bischofswerda. Im Rahmen der Aktion „Jobrad“ finanziert  er seit Mai 2019  jedem seiner fünf Mitarbeiter ein Elektrofahrrad. Die Beschäftigten dürfen das natürlich nicht nur für ihren Arbeitsweg, sondern auch privat nutzen. „Ich fahre oft mit dem E-Bike, auch privat. Es ist eine tolle Sache“,  sagt Landwirt Tilo Jähne.   

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Steuerliche Vorteile für die Mitarbeiter

Bereits seit dem Jahr 2012 sind Jobräder in Deutschland steuerlich den Dienstwagen gleich gestellt. Das Fahrradleasing über den Arbeitgeber, das in größeren Städten seit mehreren Jahren erfolgreich praktiziert wird, bricht sich nun auch im ländlichen Bereich Bahn.  Marco Birnstengel nennt als erstes  folgenden Grund, warum er sich dafür entschieden hat, es seinen Mitarbeitern anzubieten:  „Ich möchte, dass meine Mitarbeiter gesund bleiben.“  Das Rad vom Chef soll zudem motivieren und Beschäftigte an das Unternehmen binden. Zudem tut es der Umwelt gut.  Auch der Chef fährt E-Bike. „Wir wollen doch auch mal einen Betriebsausflug per Rad machen“,  sagt Marco Birnstengel.   

Der Chef des Landwirtschaftsbetriebes hätte seinen Mitarbeitern statt des Fahrrades auch eine Lohnerhöhung geben können. Doch die wäre zum Teil durch die Steuern und Sozialabgaben aufgefressen worden. Beim Fahrradleasing kann  Marco Birnstengel die Zuwendung fast 1:1 weitergeben. Denn es ist eine  so genannte  Lohn- bzw. Gehaltsumwandlung, die mit nur 0,25 Prozent versteuert wird.      

Fahrradhändler Axel Koller bietet seit vergangenem Jahr das Leasing durch den Arbeitgeber an. Den Anstoß hatten Kunden gegeben, die sich bei ihm meldeten.  
Fahrradhändler Axel Koller bietet seit vergangenem Jahr das Leasing durch den Arbeitgeber an. Den Anstoß hatten Kunden gegeben, die sich bei ihm meldeten.   © Steffen Unger

Kunden sparen bis zu 40 Prozent

Bisher sind es in der Region noch nicht allzu viele Firmenchefs, die diesen Weg gehen, sagt Axel Koller, Inhaber des Fachgeschäftes „Axels Fahrrad-Service“  in Bischofswerda. Er ist seit vergangenem Jahr Partner dieses Modells. Die Zahl der von ihm betreuten Firmen liege noch „im einstelligen Bereich“, sagt er. Der Putzkauer Agrarbetrieb ist einer seiner Kunden. Auf die Aktion Jobrad  ist er gekommen, weil Kunden bei ihm nachgefragt hatten.    In solchen Fällen erstellt der Händler nun  ein Angebot für das favorisierte Rad. Damit geht der Arbeitnehmer zu seinem Chef. Wenn  der grünes Licht gibt, wird das Rad ausgeliefert.

Leasingnehmer ist der Arbeitgeber, der das Fahrrad dann dem Mitarbeiter zur Nutzung überlässt.  Die Leasingrate wird direkt vom Bruttogehalt des Arbeitnehmers abgezogen oder, wie im Putzkauer Fall, gleich vom Arbeitgeber überweisen. Für ein E-Bike, das im Laden beispielsweise 3.000 Euro kostet, liegt die Rate bei einem Gehalt bzw. Lohn von 2.500 Euro brutto bei Steuerklasse 1 bei knapp 88 Euro monatlich. Dieser Betrag wird vor dem Versteuern abgezogen, sodass die tatsächliche Belastung bei rund 50 Euro liegt. Ein Leasingvertrag läuft über drei Jahre.  Nach Ende der Laufzeit kann der Beschäftigte  das Rad zurückgeben oder es zum zum Restwert – 17 Prozent  des Neuwertes – kaufen. Unterm Strich könne  man bis zu 40 Prozent sparen, sagt Axel Koller. Stimmt der Arbeitgeber zu, könne ein Mitarbeiter auch zwei Räder erwerben – für sich und den Partner bzw. ein Kinderrad.

Viel Potenzial durch E-Bike-Hype

Der Aufwand für den Arbeitgeber ist gering. Wie beim Dienstwagen beauftragen viele Unternehmen Leasingfirmen, um sich nicht selbst um die Abwicklung und den Umgang mit den Mitarbeiterfahrzeugen kümmern zu müssen.  Allerdings  muss der Mitarbeiter selbst aktiv werden und ein passendes Rad finden.

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Für Fahrradhändler Axel Koller ist das Jobrad ein noch junges Geschäftsfeld. Beim Gesamtumsatz falle es noch nicht groß ins Gewicht, sagt er. Aber er betont das Potenzial. Vor allem durch E-Bikes  erlebt Radfahren  seit mehreren Jahren einen regelrechten Hype. Er spürt es an der Nachfrage seiner Kunden, und er setzt darauf, dass sich das Leasingangebot über den Arbeitgeber herumspricht.  Jeder Kunde entscheidet selbst, zu welchem Händler er geht.   Bischofswerdas Fahrradhändler liefert bis ins Rödertal.  Seine Erfahrung: Wegen der Steuereinsparung lasse mancher Arbeitgeber seine Mitarbeiter wählen, ob sie eine Lohnerhöhung oder ein Fahrrad möchten. Bei der Putzkauer Landbewirtschaftung  war man sich da im vergangenen Jahr schnell einig.     

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