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Bautzen

Feste Gitter gegen den Fahrradklau

Vandalismus und Diebstahl sind an vielen Bahnhöfen ein Problem, in Bautzen geht deshalb ein besonders System an den Start.

Christoph Mehnert vor dem neuen Bike-Hostel am Bautzener Bahnhof. Der stellvertretende Geschäftsführer des Zvon ist froh, dass es hier nun eine sichere Abstellmöglichkeit für Fahrräder gibt.
Christoph Mehnert vor dem neuen Bike-Hostel am Bautzener Bahnhof. Der stellvertretende Geschäftsführer des Zvon ist froh, dass es hier nun eine sichere Abstellmöglichkeit für Fahrräder gibt. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Wie ein überdimensionaler Tierkäfig sieht das neue Bauwerk am Bautzener Bahnhof aus der Ferne aus. Engmaschige Streben aus Edelstahl erschweren den Blick ins Innere. Eine Metalltür versperrt den Weg. Ein Dach schützt vor Schnee und Regen. Auf zwei Etagen reihen sich links und rechts futuristisch anmutende Vorrichtungen aus Metall. Gedacht ist das stählerne Bauwerk aber nicht, um wilde Tiere in Schach zu halten.

Die Anlage ist ein Fahrrad-Hostel. Es soll Langfingern ihr Ansinnen vermiesen und Pendlern, die hier vom Rad auf die Bahn umsteigen, während ihrer Abwesenheit ein gutes Gefühl geben.

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Christoph Mehnert, stellvertretender Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon), erklärt: "Die 68 Stellplätze sind abschließbar. Diese Funktionalität soll den Fahrradbesitzern eine höhere Sicherheit gewährleisten."

Gebaut hat das moderne Rad-Parkhaus das Unternehmen Drews & Lucas Immobilien, das auch die Sanierung des Bahnhofs verantwortete. Der Zvon hat die Anlage gemietet. Betreut wird sie durch die DB Station & Service. "Das war für uns der einfachste Weg, ein solch zeitgemäßes System am Bautzener Bahnhof zu installieren", sagt Christoph Mehnert und ergänzt: "Die Nachfrage ist da. Immer mehr Radfahrer nutzen hochpreisige Räder bekannter Hersteller. Viele von ihnen nehmen sie im Zug mit, um sie nicht unbeobachtet abstellen zu müssen." 

Elf Prozent kommen mit dem Rad

Mehnert selbst hat bereits anderthalb Fahrräder am Bahnhof eingebüßt, wie er mit einem Schmunzeln erzählt. "Ein ganzes Rad und ein Hinterrad, das ist aber schon länger her." Mit Zahlen untermauert er den Bedarf nach sicheren Abstellgelegenheiten: "Es gab 2017 eine Befragung, in der die Fahrgäste angeben sollten, wie sie zum Bahnhof gekommen sind. Von 338 Fahrgästen kamen elf Prozent mit dem Fahrrad."

Etwa ein Drittel der Befragten habe eine gewisse Zahlungsbereitschaft signalisiert, wenn sie dafür ihr Rad sicher geparkt wissen. Im Durchschnitt hätten die Befragten angegeben, dafür bis zu 85 Cent pro Tag zahlen zu wollen.

Kraftsport muss auch nicht betreiben, wer sein Rad in der oberen der beiden Ebenen parkt: Mithilfe eines Mechanismus lässt sich die Vorrichtung nach vorn und unten schieben. Das Rad kann so bequem in dem Rahmen platziert und abgeschlossen werden. Danach kommt das Schiebesystem bequem wieder an seinen Platz.

Auf zwei Ebenen können hier ab April Fahrräder diebstahlsicher abgestellt werden. In die obere Etage geht's ganz bequem per Schiebemechanismus.
Auf zwei Ebenen können hier ab April Fahrräder diebstahlsicher abgestellt werden. In die obere Etage geht's ganz bequem per Schiebemechanismus. © SZ/Uwe Soeder

Derzeit ist das Bike-Hostel noch abgeschlossen. Voraussichtlich ab April soll sich das ändern. "Das hängt damit zusammen, dass die Beleuchtung noch nicht vorhanden ist. Dazu sind vandalismussichere Leuchtstoffröhren notwendig, die erst noch geliefert werden", sagt Christoph Mehnert. 

Neben dem offiziellen Nutzungsbeginn ist derzeit auch noch völlig offen, nach welchen Kritierien die Berechtigungen für die Nutzung vergeben werden und welches Schließsystem die Fahrräder künftig vor Diebstahl schützen soll. "Wir sehen beispielsweise an den Schließfächern auf dem Bahnsteig,  wie schnell durch Vandalismus finanzielle Schäden entstehen. Etwa dann, wenn jemand den Schlüssel entfernt und wegschmeißt. Das wollen wir beim Bike-Hostel vermeiden. Nach einer Lösung suchen wir grad", sagt Mehnert.

Probezeit für Frühaufsteher

Auch wer nicht bereit ist, für das Abstellen seines Fahrrades zu löhnen, findet seit der Fertigstellung des Bahnhofs ein verbessertes Angebot: Die Anzahl der Stellplätze für Fahrräder wurde im Zuge der Sanierung verdoppelt. "Auf der östlichen Bahnhofsseite ist die Fahrrad-Abstellanlage, die der DB Station & Service gehört, um 35 Stellplätze erweitert worden", sagt Christoph Mehnert. 208 überdachte Fahrradstellplätze gibt es nun auf dem Gelände  insgesamt. Darüber hinaus befinden sich vor dem Haupteingang nicht überdachte Fahrradbügel, die Platz für etwa zehn Räder bieten.

Sobald die Beleuchtung installiert ist, soll das Bike-Hostel für Pendler zur Verfügung stehen. Bis das Schließsystem installiert ist, profitieren Frühaufsteher, denn zunächst wird das Rad-Parkhaus kostenfrei nutzbar sein. "Vermutlich werden wir dann vorerst die Tür aushängen", sagt Mehnert.

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