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Ein Interview am Set

Die Serie „Jenny – Echt gerecht!“ begeistert junge Leute wie Michael Tischer aus Oberlichtenau. Er war als Komparse da.

Für Michael Tischer (Mitte) aus Oberlichtenau war das Treffen mit Birte Hanusrichter und August Wittgenstein, den Hauptdarstellern von „Jenny. Echt gerecht!“, das Highlight seines Komparsenausflugs.
Für Michael Tischer (Mitte) aus Oberlichtenau war das Treffen mit Birte Hanusrichter und August Wittgenstein, den Hauptdarstellern von „Jenny. Echt gerecht!“, das Highlight seines Komparsenausflugs. © Sabine Leipert

Michael Tischer ist Jugendredakteur der SZ in Kamenz. Im vergangenen Herbst besuchte er für einen Tag das Set zur Produktion der RTL-Serie „Jenny – Echt gerecht!“ (die SZ berichtete). Mittlerweile läuft die neue Staffel im Fernsehen. Immer donnerstags. Die Serie ist vor allem bei junge Leuten sehr beliebt. Michael Tischer war ein Tag lang Komparse in Berlin und könnte an diesem Donnerstag durchs Bild laufen. Der Auftritt als Komparse ermöglichte es Michael, unter anderen mit den beiden Drehbuchautorinnen der beliebten Serie, Suki Roessel und Sabine Leipert, ein Interview zu führen. Es interessierte ihn besonders, wie die beiden Frauen (Foto unten) zur Serie kamen, was ihr Erfolgsgeheimnis ist – und wie die beiden Power-Frauen im Privaten ihren Ausgleich finden.

Wie sind Sie auf die Idee von „Jenny“ gekommen?

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Suki Roessel: Unser Produzent Carsten Kelber kam auf uns zu und hat uns gefragt, ob wir Lust hätten, ein Konzept für RTL zu schreiben, mit dem Pitch von „Erin Brockovich“ als Serie.

Sabine Leipert: Erin Brockovich ist ein Film, etwas länger her, mit Julia Roberts. Er basiert auf einer wahren Geschichte. Eine Frau aus einfachen Verhältnissen deckt letztendlich einen riesigen Skandal auf.

Suki Roessel: Genau, das Grundwasser wurde vergiftet. Sie hat sich für den kleinen Bürger starkgemacht.

Sabine Leipert: Am Ende haben die Leute große Schadenersatzzahlungen bekommen. Der Gedanke hinter „Jenny“ ist genau jener, dass sich die „Kleinen“, in diesem Fall die Frau von nebenan, für Gerechtigkeit einsetzt, anstatt die studierte Juristin.

Suki Roessel: Und wir haben diese Thematik im Grunde aufgegriffen. Wir wollten eine Frau aus der Mitte der Gesellschaft zeigen, die sich überhaupt gegen Ungerechtigkeit starkmacht – über alle sozialen Schichten hinweg.

Sabine Leipert: Dazu haben wir ein Serienkonzept geschrieben. Eine Redakteurin bei RTL, Brigitte Kohnert, hat sich dann sofort für unser Konzept interessiert.

Suki Roessel: Im Herbst 2015 durften wir das Pilotdrehbuch schreiben, das erste Drehbuch, und wir waren damit im Januar fertig. Dann hat es erst einmal wieder etwas gedauert, bis unser Pilotdrehbuch tatsächlich zum Dreh kam. Im Januar reichten wir die finale Fassung der Pilotfolge ein, und die letzte Entscheidung kam am 2. September 2016. Drehbeginn war dann schließlich im Oktober/November.

Was macht Ihrer Meinung nach Jenny so beliebt? Warum findet „Jenny – Echt gerecht!“ so viel Zuspruch?

Sabine Leipert: Jenny ist so beliebt, weil sie wirklich eine Person aus der Mitte der Gesellschaft ist. Eine Person wie du und ich. Sie geht an das Thema Gerechtigkeit mit Bauchgefühl heran. Das spricht vermutlich viele Menschen an. Jenny Kramer hat ganz oft das Gefühl, dass sie sich einmischen muss. Damit spricht sie vielen aus dem Herzen. Manchmal fühlt man sich ohnmächtig, etwas gegen Ungerechtigkeiten zu tun. Und Jenny geht dann aber hin und packt an.

Suki Roessel: Jenny Kramer trägt ihr Herz auf der Zunge. Das Aufspüren von Ungerechtigkeit ist ihre Stärke. Aber auch das sofortige Erzeugen von Aufmerksamkeit auf diese Missstände. Jenny mobilisiert alle Kräfte, sie selbst und ihre Entwicklung bleibt dabei manchmal ein bisschen auf der Strecke. Aber das macht sie auch sympathisch. Jenny macht sich stark für andere und ist alles andere als egoistisch.

Sabine Leipert: Was dabei auch gut ankommt, ist dieses Wechselspiel zwischen Jenny und Max, diesen zwei komplett konträren Charakteren. Trotzdem lernen die Beiden immer etwas voneinander. Jenny lernt, dass man sich an bestimmte Gesetze halten muss, auch wenn diese scheinbar der Gerechtigkeit im Weg zu stehen scheinen. Max erkennt aber auch, dass man vielleicht ab und an tatsächlich die Perspektive wechseln muss. Der karriereorientierte Volljurist entdeckt andere Seiten an sich und merkt auch, dass es andere Dinge im Leben gibt als Karriere und Erfolg.

Und dann spielen ja auch noch die Gefühle füreinander hinein. Ist das für die Serie nötig?

Suki Roessel: Abgesehen von den Fällen der Beiden ist es natürlich auch dieses „love interest“ (Liebesinteresse – d.R.) bzw. eigentlich das „unresolved love interest“ (ungelöstes Liebesinteresse) zwischen den Jenny und Max, das die Zuschauer anspricht.

Sabine Leipert: Man hofft, dass die beiden zusammen passen. Ich glaube, das spornt den Zuschauer an. Die Frage nach dem, wie es weiter geht; ob sich die beiden vielleicht doch auch persönlich näher kommen.

Suki Roessel: Man spürt, Jenny und Max passen wie Arsch auf Eimer zusammen, aber äußere Umstände lassen es nicht zu, dass sie zusammenkommen – und dieses ewige Knistern und Lechzen danach, dass die beiden irgendwie Nähe miteinander erleben, es aber nicht tun oder zumindest immer nur partiell. Das ist das, was den Zuschauer bei der Stange hält, weil das die Aufmerksamkeit hebt und das ist auch das, was mich auch wahnsinnig an anderen Serien interessiert. Ich brauche immer irgendwie eine Figur oder zwei Figuren, die so in dem Verhältnis stehen, wie Max und Jenny. Zum Beispiel war die Serie „Castle“ eine unserer Lieblingsserien.

Sabine Leipert: Wir schauen selber gerne die Sachen, die wir jetzt auch schreiben. Dann macht das auch einfach Spaß.

Sabine Leipert (l.) und Suki Roessel.
Sabine Leipert (l.) und Suki Roessel. © Michael Tischer

Was haben Sie bisher so geschrieben?

Sabine Leipert: Ich habe tatsächlich angefangen mit Action-Filmen, weil ich erst bei einer Action-Firma als Autorin fest angestellt war. Das ist ein Genre, für das ich eigentlich gar nicht so prädestiniert bin. Dann ging es weiter mit der „Küstenwache“. Die gibt es nicht mehr. Das war eine ZDF-Vorabendserie, also in Richtung Krimi.

Suki Roessel: Die Küstenwache haben wir auch schon zusammen gemacht.

Sabine Leipert: Das stimmt. Wir haben auch viele Filme für den Sonntagabend im ZDF geschrieben, die sogenannten Schmonzetten, also zum Beispiel „Inga Lindström“.

Suki Roessel: Sonntagabend und Freitagabend. Das waren insgesamt zehn Folgen á 90 Minuten, die wir damals auch mit Julia Neumann zusammen entwickelt haben. Wir haben vier Jahre in dieser Konstellation zusammen geschrieben. Ich habe mich dann irgendwann etwas zurückgezogen, um mein Regiedebüt zu machen und um einen Thriller zu schreiben. Im selben Jahr, also 2015, sind wir aber dann auch wieder als Autorenteam aufgetreten.

Sabine Leipert: Bevor „Jenny“ anfing, habe ich auch für „Alarm für Cobra 11“ geschrieben. Dabei stand Action im Mittelpunkt. Ich kannte das Team, und meine Anfänge lagen auch in diesem Bereich. Seit eigentlich drei Jahren machen wir im Grunde fast nur noch „Jenny“. Etwas anderes schafft man nebenher auch gar nicht.

Was ist Ihre Abwechslung; Ihr Ausgleich zum Beruf? Wie bekommen Sie den Kopf frei?

Sabine Leipert: Ich bin eine passionierte Läuferin. Dabei kann ich über Probleme, die sich vielleicht beim Drehbuchschreiben ergeben haben, nachdenken und auch Lösungen dafür finden. Ansonsten habe ich noch zwei Kinder, die mich sowieso auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

Suki Roessel: Ich mache seit vielen Jahren Yoga. Das ist mittlerweile mein Ausgleich. Gutes Essen mag ich auch. Und für mich ist Spaß bei der Arbeit super wichtig – und wenn ich den nicht habe, geht auch nichts.

Sabine Leipert: Das stimmt. Spaß haben wir zum Glück eigentlich immer .

Suki Roessel: Neben Spaß ist aber auch das Lernen wichtig. Wenn ich nicht das Gefühl hätte, jeden Tag etwas Neues gelernt zu haben, dann könnte ich das nicht machen.

Gespräch: Michael Tischer

Hinter der Geschichte: die Gesprächspartnerinnen

SZ-Jugendredakteur Michael Tischer hat am Set von „Jenny – Echt gerecht!“ auch mit den Autorinnen gesprochen. Sabine Leipert (l.) und Suki Roessel freuten sich sehr über das Interesse des Schülers aus Oberlichtenau und waren sehr kooperativ.

In der Serie geht es um die alleinerziehende Mutter und Anwaltsgehilfin Jenny Kramer (Birte Hanusrichter), die unermüdlich für Gerechtigkeit kämpft und dabei oftmals nicht nur sich selbst in schwierige Situationen bringt. Darüber hinaus bringt sie vor allem ihren Chef, Maximilian ‚Max‘ Mertens (August Wittgenstein), völlig um den Verstand: Gemeinsam löst das Duo auch in der zweiten Staffel spannende Fälle.

Die zweite Staffel von „Jenny – Echt gerecht“ läuft bereits seit dem 4. Juli, donnerstags, 20.15 Uhr, auf RTL. Die neue Staffel hat zehn Folgen.

Michael Tischer könnte zweimal zu sehen sein. Das erste Mal in dieser Woche.

Wer nicht warten will, kann die gesamte zweite Staffel (und auch die erste Staffel) schon jetzt auch auf TV-now (kostenpflichtig) streamen.

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