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Ein paar Morde am Abend

Seit zehn Jahren schreibt Daniela Wiedmer Krimis. Ihre Zutaten: Tragik, Logik und Lokalkolorit.

„Dies ist das Ende“ heißt der neue Krimi von Daniela Wiedmer. Es ist ihr vierter Görlitz-Krimi. Die Buchhändlerin Vi geht darin auf eine spannende Mördersuche.
„Dies ist das Ende“ heißt der neue Krimi von Daniela Wiedmer. Es ist ihr vierter Görlitz-Krimi. Die Buchhändlerin Vi geht darin auf eine spannende Mördersuche. © Miriam Schönbach

Bautzen. Daniela Wiedmer hat es wieder getan. Am liebsten setzt sie sich dazu mit ihrem Laptop ins Bett. Die Katze muss daneben liegen und kräftig schnurren. „Abends widme ich mich den Abgründen der menschlichen Psyche. Da passieren mir einfach ein paar Morde“, sagt die Krimi-Autorin. Ihre Protagonisten verlieren natürlich nur auf dem Papier im Leben. Ihr vierter Görlitz-Krimi „Dies ist das Ende“ führt nun ins Jahr 1877. Die ermittelnde Buchhändlerin Vi muss dabei den Fall des getöteten Richter Bertholds aufklären. Manche heiße Spur gilt es da zu verfolgen.

Daniela Wiedmer blättert im Buch. „Dieser Krimi hat sich lange gewehrt, obwohl Vi immer bei mir ist, wenn ich durch Görlitz laufe“, sagt die 32-Jährige. Ihren Krimi-Erstling schreibt sie vor knapp zehn Jahren. Im „Mörderischen Sagenkreis zu Görlitz“ schickt die ausgebildete Buchhändlerin ihre Vi zum ersten Mal auf Verbrecherjagd. Das Buch erscheint 2014 im Selbstverlag. Damals arbeitet sie in der Bautzener Buchhandlung Kretschmar. Inzwischen hat sie eine Ausbildung in der Görlitzer Kreisverwaltung angefangen und absolviert gerade ihre Station im Rechnungsprüfungsamt. Dort ist Daniela Wiedmer jedoch nicht der Einfall für die jüngste Mordwaffe gekommen. Stattdessen sind wohl im Unterricht an der Zittauer Berufsschule im Fach Personalrecht die Gedanken einmal abgeschweift. Mit einem doppelzackigen Hefter-Ordnungssystem bringt der Mörder den Richter zu Fall. Mehr soll aber nicht verraten werden, nur so viel: Der Gemeuchelte verliert nicht nur sein Augenlicht. Auf Seite 6 wird ihm das Leben ausgehaucht. „Ich hole meine Figuren ins Leben, und dann werden sie wieder umgebracht. Manchmal muss ich meine Figuren auch ausnutzen. So funktioniert ein Krimi“, sagt die Autorin mit einem Lächeln.

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Ihre literarische Karriere beginnt die künftige Verwaltungsfachangestellte mit kleinen Gedichten. „Das Schreiben gehört schon immer zu mir“, sagt sie. Ihre erste Schreibmaschine bekommt sie gerade eingeschult von ihrer Großmutter, sie kauft ihr auch mit zwölf Jahren den ersten Computer. Zu den Reimereien kommen bald Kurzgeschichten, auch Charakter aus der Anime-Welt – so werden japanische Cartoons bezeichnet – erschafft sie.

Absage knabbert am Selbstbewusstsein

Nebenbei schmökert die Schülerin alles, was ihr in die Hände fällt. Auch aus diesem Grund entscheidet sie sich nach dem Abitur, Germanistik zu studieren. Doch während des Studiums in Chemnitz merkt die Görlitzerin, dass sie nochmals einen anderen Weg einschlagen möchte. Damals nutzt sie am liebsten Zugfahrten zum Schreiben und die Gedanken in Wörter und Sätze zu formen. An einem Liebesroman versucht sie sich in dieser Zeit. Sogar ein Verlag interessiert sich für den Stoff. Dann kommt eine Absage. Diese Ablehnung knabbert am Selbstbewusstsein der zierlichen Frau. Dann schwenkt sie um und wechselt ins Krimi-Genre.

Auch beruflich geht sie neue Wege: An das Germanistik- Studium schließt sich die Ausbildung zur Buchhändlerin an. In ihrer Bautzener Zeit hat Daniela Wiedmer ihrer Ermittlerin Vi eine kurze Pause gegönnt. Stattdessen holte sie mit der „Gespaltenen Seele“ ein Ermittlerduo an der Spree ins Leben, die ihren ersten kniffligen Fall zwischen Reichenstraße und Ortenburg lösen mussten. Die beiden Kommissare bleiben auch vorerst zwischen den Buchdeckeln, allerdings arbeitet die Krimiautorin bereits an einer neuen mörderischen Idee. Bei dieser Geschichte müssen eine Bautzener Kriminalistin und ein Kollege aus Görlitz zusammenarbeiten und den aktuellen Fall verschwundener Mädchen aufklären. 24 Seiten A4 sind im Computer schon fertig. 2018 spielt die Geschichte.

Freunde sind die ersten Kritiker

Die ersten Kritiker des neuen Stoffs sind übrigens gute Freunde und ehemalige Kollegen, die auch mal sagen, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Manchmal helfen sie der Autorin auch bei der Entscheidung, wer über die Klinge springen soll. Schließlich begleitet Daniela Wiedmer ihre Protagonisten oft über einen langen Weg, gewinnt sie lieb und muss sie dann doch wieder loslassen. „Ein guter Krimi braucht Tragik, Logik und Lokalkolorit. Zudem muss der Autor Begeisterung für die Figuren wecken. Vi ist so ein richtiger Charakter, zu dem man als Leser eine Verbindung herstellen kann“, sagt die Görlitzerin.

Doch wie geht es nun mit der ermittelnden Buchhändlerin weiter? Schließlich heißt das Buch „Dies ist das Ende“. „Ich kann mir noch nicht vorstellen, dass ich diese Figur zu den Akten lege“, sagt Daniela Wiedmer. Ihr Nachttisch ist übrigens auch fest in Krimi-Hand. Besonders liebt sie die Thriller ihres Schriftstellerkollegen Andreas Winkelmann. Und wenn sie dann das Buch aus der Hand legt, ist oft noch Zeit, in Gesellschaft der schnurrenden Katze die Abgründe der Menschen für ihren eigenen kriminellen Stoffe auszuleuchten.

„Dies ist das Ende“ – ein Görlitz-Krimi von Daniela Wiedmer, Paperback, 396 Seiten, ISBN-13: 9783748139508, 12,99 Euro