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Weißwasser

Eine Liga runter statt eine hoch

Philipp Domko wollte mit den Görlitzer Handballern in die Oberliga aufsteigen. Jetzt geht er zurück nach Rietschen.

Philipp Domko hat sich viel Autorität erworben, auch wenn er selbst eigentlich noch im Spieleralter ist.
Philipp Domko hat sich viel Autorität erworben, auch wenn er selbst eigentlich noch im Spieleralter ist. © Hans-Ernst Friedrich

Diese Nachricht traf die Görlitzer Handball-Fans im Dezember mitten ins Herz: Trainer Philipp Domko, der derzeit wohl „heißeste“ Handballtrainer in Ostsachsen, hatte trotz der bislang überaus erfolgreichen Sachsenliga-Saison bekannt gegeben, nach dem Saisonende den Verein zu verlassen. Damals konnte oder wollte er noch nicht sagen, wohin. Jetzt ist klar: Der 31-Jährige wechselt zurück zu seinem Heimatverein SSV Stahl Rietschen, wird dort ab der kommenden Saison in der Verbandsliga, also eine Liga tiefer, an der Seitenlinie stehen.

Damit ist auch klar, dass die erhöhte familiäre Belastung des Verwaltungsfachangestellten – Domko ist in dieser Saison Vater geworden – nicht der Grund war, den zeitaufwendigen Trainerjob bei Koweg aufzugeben. Dieses Gerücht kam auf, nachdem er seinen Abschied im Dezember verkündet hatte. Auf direkte Nachfrage hatte Philipp Domko aber damals schon klar verneint: „Die Familie steht hundertprozentig hinter mir und lässt mir genügend Freiraum“, kommentierte er die Gerüchte damals. Seine Begründung für die angekündigte Beendigung des Trainerjobs damals: „Die fehlende Möglichkeit des Aufstiegs ist der absolut ausschlaggebende Punkt. Weil es mir ja auch vor meiner Verpflichtung ganz anders verkauft worden ist. Damals war das ganz klare Ziel, binnen zwei, drei Jahren in die Oberliga aufzusteigen. Das hat sich aus meiner persönlichen Sicht als nicht realistisch erwiesen, und ganz klar nicht aus sportlichen Gründen. Der Verein ist aus meiner Sicht strukturell und finanziell nicht auf einen Aufstieg eingestellt – leider.“ An dieser Einschätzung hat sich für Philipp Domko bis heute nichts geändert.

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Die Enttäuschung über das Ende der vorherigen Saison saß immer noch tief. Zu einem Zeitpunkt, als der Aufstieg in der letzten Saison sportlich gesehen im Bereich des absolut Machbaren lag, wurde dies von der Vereinsführung abgeschmettert. Dennoch sprang am Ende der Saison ein Podestplatz heraus. Zum ganz großen Wurf Sachsenmeister) fehlten am letzten Spieltag ganze zwei Tore. Und auch in dieser Saison spielt das Team, überwiegend bestehend aus einheimischen Handballern, wieder ganz oben mit, ist derzeit Tabellenzweiter mit nur drei Punkten Rückstand auf den Tabellenführer, der in einer Woche nach Görlitz kommt. Die Wertschätzung im Verein für Domko war riesengroß: Koweg-Sportmanager Mario Ahnert sagte zum Beispiel: „Das ist ein Trainer, der trotz seines jungen Alters genau weiß, was er will und das auch kommuniziert“ und später bei der Beleuchtung des Erfolgs: „Dazu kam dann noch der Kick des neuen Trainers, der klar, fordernd und strukturiert modernen Handball spielen lässt und damit einen extra Motivationsschub bringt.“

Entscheidung fiel nicht leicht

Trotz alldem glaubt Domko wieder nicht an den Aufstieg: „Die Mannschaft hat zwei Jahre hintereinander vor dem letzten Spieltag gesagt bekommen, dass der Aufstieg trotz der sportlichen Chance nicht drin ist. Jetzt ernsthaft daran zu glauben, fällt natürlich schwer.“

Und warum jetzt der Heimatverein Rietschen, der ja eine Klasse tiefer spielt und derzeit keine Aufstiegsambition hat? Philipp Domko äußert sich zu seiner Entscheidung wie folgt: „In der Region gibt es einfach nichts Höheres als Koweg Görlitz. Meine handballerischen Wurzeln liegen in Rietschen.“ Nach seiner ersten Trainerstation in Pulsnitz übernahm Domko die Männermannschaft beim SSV Stahl, zwei Jahre später gelang der Aufstieg in die Verbandsliga. Die kommende Saison als Liganeuling wurde mit einem guten Mittelfeldplatz abgeschlossen. „Es folgten nun die beiden Jahre in Görlitz, wo ich mit der ambitionierten Truppe viele schöne Stunden verbringen durfte. Wegen der beschriebenen Unstimmigkeiten mit der Vereinsführung über die Ausrichtung innerhalb des Vereins habe ich meinen Vertrag dort nicht verlängert. Diese Entscheidung fiel mir wegen der Mannschaft nicht leicht, den aufkommenden Unmut einiger Fans kann ich auch nachvollziehen. Als der SSV Stahl Rietschen wieder auf mich zukam, musste ich aber nicht lange überlegen und freue mich nunmehr sehr auf das erneute Engagement bei meinem Heimatverein.“

Der Abteilungsleiter der Rietschener Handballer, Heiko Hentschel, sagt dazu: „Der SSV Stahl Rietschen freut sich auf ein neues Kapitel Domko. Nach zwei erfolgreichen Jahren bei Koweg Görlitz bestand die Chance, unseren Aufstiegstrainer zurückzubekommen. Philipp soll und will die gute Arbeit der letzten Jahre fortsetzen und mit seiner Leidenschaft für den regionalen Handball unsere Vereinsarbeit mit prägen sowie die Kommunikation in der Trainerschaft weiter fördern. Er findet in Rietschen die Grundlagen für eine lange, erfolgreiche Zusammenarbeit.“

Der SSV Stahl Rietschen bedankt sich herzlich bei Trainer Eric Gähler für seine Arbeit in den letzten 1,5 Jahren. Gähler hatte viele Jahre bei Koweg Görlitz Handball gespielt und hatte nach seinem Wechsel nach Rietschen und einer Verletzung auf den Trainerposten übernommen.

Wer derweil bei den Görlitzer Sachsenliga-Handballern den Trainerposten nach dieser Saison übernimmt, ist derzeit zumindest öffentlich noch nicht bekannt. Zu hoffen ist, dass dieses (gemeinsam mit den Oberliga-Handballerinnen von Koweg) größte sportliche Aushängeschild der Stadt keinen weiteren Schaden nimmt. (mit Uwe Holubek)