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Wechselt Philip Heise ins Ausland?

Für den Dynamo-Profi hat sich in dieser Saison viel verändert. Womöglich ist es seine letzte in Dresden.

Philip Heise hat Dynamo im Rücken – zumindest auf diesem Bild. Und was hat er vor Augen?
Philip Heise hat Dynamo im Rücken – zumindest auf diesem Bild. Und was hat er vor Augen? © Robert Michael

Manche Dinge brauchen ihre Zeit. Philip Heise musste 27 werden, um erstmals als Profifußballer in einem Pflichtspiel die Binde am linken Oberarm zu tragen. Gegen St. Pauli vertrat er die verletzten oder pausierenden Marco Hartmann, Sören Gonther und Patrick Ebert. In der Kapitänshierarchie von Dynamo steht der gebürtige Düsseldorfer an Nummer vier – und die Chance entsprechend schlecht.

Umso mehr genoss er den seltenen Moment. „Das war eine Ehre, ganz klar“, meint Heise. Dabei sind die Aufgaben und Einflussmöglichkeiten eines Kapitäns überschaubar. Abgesehen von der Seitenwahl gibt es kaum was zu tun. Selbst als Schlichter oder Vermittler zwischen Mitspielern und dem Schiedsrichter war Heise nicht gefragt. „Wir haben uns sehr gut verhalten auf dem Platz, ich musste nicht eingreifen“, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Auch der Trainer schmunzelt, als er sich zur Leistung des zweiten Stellvertreters des Stellvertreters äußern soll. „Er hat als Kapitän nicht verloren, das ist doch in Ordnung“, sagt Maik Walpurgis.

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Am Millerntor steht Heise mit der Binde am Arm im Mittelpunkt, auf dem Platz sonst aber eher abseits. Bei einem Linksverteidiger ist das logisch, doch in seinem Fall gilt das auch im übertragenen Sinn. Nach der Systemumstellung auf eine Dreier-Abwehrkette und dem Trainerwechsel hat sich sein Anforderungsprofil gewandelt – „zu einhundert Prozent“, wie er findet. „In der Viererkette konnte ich viele Bälle hinten abholen und beim Spielaufbau mitwirken. Das fällt gerade komplett weg. Ich stehe auf Höhe der gegnerischen Verteidigerlinie, muss Sprints hinter die Kette machen und Räume schaffen für unseren Verteidiger, der dann aufrücken kann“, erklärt er.

Das ist die taktisch-fachspezifische Erklärung, man kann es auch anschaulicher formulieren: Heise ist seltener am Ball als früher. Den Eindruck kann er selbst mit Zahlen belegen. „Früher hatte ich zwischen 80 und 100 Kontakte pro Spiel, jetzt sind es 50 bis 60.“ Kein Fußballer der Welt, egal in welchem Alter, freut sich, wenn man ihm das Spielgerät vorenthält. Das ist auch bei Heise nicht anders.

Das fehle ihm schon, gesteht er. „Aber wir haben ein neues Konzept, da ist nicht wichtig, was ich gerne möchte. Wichtig ist, dass wir als Mannschaft vernünftig auftreten, und das tun wir.“ Also fügt er sich in seine neue Rolle und in das neue System, bei dem die Mannschaft generell weniger am Ball ist. Sein einstiger Partner auf der linken Seite, Haris Duljevic, mit dem Heise viele Doppelpässe gespielt hat, kommt unter Walpurgis maximal zu Kurzeinsätzen. Es hat sich viel verändert für Heise, nur seinen Stammplatz, den hat er weiterhin.

Ob das auch nach dieser Saison so bleibt, ist ungewiss, sein Vertrag läuft im Juni aus. Gespräche habe es noch keine gegeben, sagt er, das werde in der Rückrunde geklärt. Wie er sich seine Zukunft vorstellt, weiß er aber genau: „Ich habe extrem Lust aufs Ausland.“ Das ist nicht neu. Im Sommer 2017 lag ihm ein millionenschweres Angebot der Wolverhampton Wanderers vor, Sportvorstand Ralf Minge legte jedoch sein Veto ein. Vor einem halben Jahr hätte er wohl gehen können, doch diesmal mangelte es am Interesse. Im Juni ist er nun ablösefrei, was die Chance auf einen Wechsel nicht verschlechtert. Mit 27 ist er zudem im besten Alter.

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Andere Profis winden sich, wenn sie sich zu ihrer sportlichen Zukunft äußern sollen, bei Heise war das schon immer anders. „Das Fußballleben ist kurz, wenn ein Verein kommt, bei dem man weiß, das könnte eine rosige Zukunft geben – warum sollte man da nicht hingehen?“ Aussagen wie diese kosten ihn womöglich einige Sympathiepunkte bei den Fans, doch das ist für Heise kein Grund, sich zu verbiegen. „Wenn einer von ihnen ein besseres Angebot bekommt, dann bleibt er doch auch nicht bei seinem Arbeitgeber.“ Eins würde er auf keinen Fall machen: sich aus dem Vertrag rausekeln. „Da bin ich mir auch treu geblieben.“

Vielleicht bastelt er über die Feiertage an seiner Zukunft. Über Weihnachten fliegt Heise mit seiner Familie ins Warme. Vor vier Monaten wurde er zum zweiten Mal Vater. Mit dem Nachwuchs klappte es eher als mit dem Kapitänsamt.