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Eine Pirnaerin im Zyklongebiet

Die Medizinstudentin erlebt die Überschwemmungen und deren Folgen in Simbabwe. Ein Hilferuf.

Die Menschen in Simbabwe leiden unter den Folgen der schweren Überschwemmungen, die der Zyklon Idai verursachte. Jetzt droht die Ausbreitung von Cholera.
Die Menschen in Simbabwe leiden unter den Folgen der schweren Überschwemmungen, die der Zyklon Idai verursachte. Jetzt droht die Ausbreitung von Cholera. © dpa

Erst kommt der Sturm. „So schlimm, wie ich noch nie einen Sturm erlebt habe“, sagt Studentin Charlotte Knobloch. Dann folgt der Regen, ein endloser Regen, der das Land in Leid und Chaos stürzt.

Es ist März. Charlotte Knobloch aus Pirna studiert seit Herbst 2015 Medizin in Regensburg. Jetzt steht für sie die Famulatur an, ein vierwöchiges Pflichtpraktikum. Da es Verbindungen zwischen Regenburg und dem Regina Coeli Missions Hospital in Simbabwe gibt, entschließt sich die Studentin, das Praktikum in Afrika zu absolvieren.

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Zusammen mit vier anderen Kommilitoninnen landet sie am 7. März in Simbabwe. Von den Schwestern der Missionsdominikanerinnen vom Heiligen Herz Jesu, die das Krankenhaus betreuen, werden die Neulinge sehr herzlich aufgenommen.

Ein Krankenhaus mit vielen Patienten und wenig Personal. Für deutsche Standards unvorstellbar. „Diese Klinik hat 120 Betten und eine Ambulanz mit circa 40 Besuchern täglich, für die neben Krankenschwestern und Pflegehelfern ein einziger Arzt zuständig ist“ berichtet Charlotte Knobloch. Schnell finden sich die fünf Studentinnen in die Arbeit rein, von der es wahrlich genug gibt.

Dann wird es heftig. Tropensturm Idai beginnt zu wüten. Mit über 170 Stundenkilometern fegt der Zyklon am 14. März über die ostafrikanische Küste. Besonders schwer sind die Länder Mosambik, Malawi sowie Simbabwe betroffen. Auch das Krankenhaus in Regina. Der Strom fällt aus. „Wir mussten mit Kerzen und Taschenlampen arbeiten“, sagt die Studentin.

Zwar gibt es im Krankenhaus Solarenergie und einen Generator, doch die daraus gewonnene Energie ist endlich. Lieferungen mit Medikamenten und Lebensmittel kommen nicht mehr durch. Ein weiteres Problem, das der Zyklon mit sich bringt, ist die Verunreinigung des Trinkwassers. Infektionskrankheiten wie Cholera oder Typhus verbreiten sich rasch und sind auch für die Krankenhäuser ein großes Problem. Ebenso vermehren sich die Moskitos, Mücken, die Malaria übertragen. Ein Anstieg der Infektionen zum eigentlichen Ende der Regenzeit ist wahrscheinlich, befürchtet Charlotte Knobloch. Dann bricht auch noch das Telekommunikationsnetz in Regina zusammen.

Charlotte Knobloch (3. v. li.) macht ein Medizinpraktikum in Simbabwe. 
Charlotte Knobloch (3. v. li.) macht ein Medizinpraktikum in Simbabwe.  © privat

Den 18. März wird Charlotte Knobloch nicht vergessen. Um fünf Uhr morgens klopfen die Nonnen an die Fenster der deutschen Studentinnen, um sie sicherheitshalber in die Hauptstadt Harare zu bringen. „Sie baten uns, das Krankenhaus zu unserer eigenen Sicherheit zu verlassen, da weder Informationen über die Entwicklung des Zyklons eingeholt werden konnten, noch hätten wir im Notfall schnell wegfahren können“, berichtet Charlotte Knobloch. Die fünf jungen deutschen Frauen folgen der Aufforderung und verbringen den Rest ihres Praktikums in einem Krankenhaus, welches ebenfalls zum Orden der Dominikanerinnen gehört.

Den Kontakt nach Regina halten sie dennoch. Nach ihrer Abreise regnet es dort noch für mehrere Tage weiter. Dann legt sich der Sturm allmählich. Das Krankenhaus ist zum Glück nicht von größeren Schäden betroffen, kämpft jedoch mit Problemen wie verschmutztem Wasser, Ressourcenknappheit, Stromausfällen und einer größeren Patientenzahl.

Dafür hat es das Umland, besonders im Osten, umso härter getroffen. Aufgrund von Erdrutschen, Schlammlawinen und Überschwemmungen kommen mehrere Hundert Menschen ums Leben. Es sind Dramen, die sich in den Katastrophengebieten abspielen. „Ein Helfer berichtete von der Suche nach Überlebenden. Er hat zuerst den Arm eines Babys gesehen und zog dann das tote Kind aus dem Schlamm“, sagt Charlotte Knobloch, die entsetzt ist von dem Elend. Besonders die Menschen, die in Lehmhütten und nur unzureichend befestigten Häusern leben, trifft es.

Aber nach der Zerstörung durch den Sturm setzt eine große Hilfswelle ein. Ärzte und Krankenschwestern, die im ganzen Land für den Orden arbeiten, und auch Nonnen des Ordens reisen in die Krisengebiete, um dort Soforthilfe zu leisten.

Charlotte Knobloch und ihre Freundinnen sehen in Harare Busse voll mit Hilfsgütern in Richtung Katastrophenregion fahren. „Jeder, der die Möglichkeit hat, versucht zu helfen und sein Bestes zu tun, um die betroffenen Menschen zu unterstützen“, erklärt sie.

Für sie und ihre Kommilitoninnen geht die Zeit in Simbabwe zu Ostern zu Ende. Dann fliegen sie zurück nach Deutschland. Ihre Gedanken bleiben jedoch bei den Menschen in Afrika, die unter dem Sturm leiden, ihre Familien verloren haben und gegen Krankheiten kämpfen.

Deshalb will Charlotte Knobloch weiterhin Kontakt zum Krankenhaus halten und in Deutschland von dem Elend berichten. „Ich möchte möglichst viele Menschen in Deutschland dazu anregen, nicht wegzuschauen, sondern zu helfen und zu spenden. Wir alle können etwas tun.“

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