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Eintauchen in eine Sagenwelt

Die Krabatmühle in Schwarzkollm bietet während der Sommerferien Familienführungen an.

Neben der Sage gilt es, auch die Mühle zu entdecken und zu verstehen. Ein Blick in das Innere offenbart die Funktionsweise. Hier werden die Stufen vom Korn zum Mehl gezeigt.
Neben der Sage gilt es, auch die Mühle zu entdecken und zu verstehen. Ein Blick in das Innere offenbart die Funktionsweise. Hier werden die Stufen vom Korn zum Mehl gezeigt. © Foto: Gernot Menzel

Schwarzkollm. Sagen leben von ihrer besonders ausgeschmückten Art der Erzählung. Und je nach Erzähler kommen Details hinzu oder gehen verloren. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch die Figur des Krabat in vielen Geschichten unterschiedliche Lebenswege angedichtet bekommt. Erste Erwähnungen gehen bis in die 1830er zurück. Eine erste längere Geschichte verfasste erstmals Měrćin Nowak-Njechorński (Martin Nowak-Neumann) in sorbischer Sprache. Das war 1954. Und damit inspirierte er Jurij Brězan, der eine Übersetzung ins Deutsche anfertigte und später Otfried Preußler, dessen Buch heute noch beliebte Lektüre ist.

Magdalena Schaffer wird an diesem sonnigen Nachmittag eine Variante der Sage auswählen, um den Gästen der Krabatmühle in Schwarzkollm die Figur näher zu bringen – darunter auch Familie Berthold aus Ruhland. Gemeinsam mit Mutter Simone und Großmutter Waltraud ist Sabrina hier. Sie haben den Tag in Hoyerswerda verbracht und beenden hier ihren Ausflug.

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Zunächst beginnt die „Erlebnisführung für Familien“ an dem Brunnen, der im letzten Jahr vor dem Brězan-Haus eingeweiht wurde. Am Rand des Brunnens sitzt eine Sorbin in Form einer Bronzeplastik, – zur Ehrung von Getrud Winzer, die als Ideengeberin der Krabatmühle gilt. Und da kommen schon die Wandergesellen ins Spiel, die sie zahlreich nach Schwarzkollm brachte und die bis heute eine große Hilfe bei den Bauvorhaben darstellen. Heute ist die Mühle von zahlreichen Gebäuden umgeben. Die Gesellen bauten sich zunächst ein Gesindehaus, das seitdem als ständige Unterkunft zur Verfügung steht.

An diesem Gebäude erinnert ein Foto bis heute an die Helfer aus dem Sommer 2006. Hier weist Magdalena Schaffer auf die unterschiedlichen Gewerke hin, die sich versammelt haben und an ihrer typischen Kleidung zu erkennen sind. So steht die schwarze Jacke für Tischler (Holz), die blaue für Schmiede, Klempner, Schlosser (Metall), rot für Maler (Farbe) und Schneider (Textil) und ist sie kariert, dann trägt sie ein Bäcker, Koch oder Brauer (Lebensmittel) und Steinmetze (Stein) sind in beige gekleidet.

Nach dieser kurzen Einführung in die Geschichte des Hofes und die Rolle der Wandergesellen, sind die beiden Familien, die an der Führung teilnehmen, eingeladen, die Sage genauer kennenzulernen. Dafür geht es in die Kammer des Schwarzen Müllers – ein aufwendig ausgeschmückter Raum, der durch Details und Requisiten beide Seiten dieser Figur aufzeigen soll. Da sind unter anderem Getreidesiebe, Brotschieber und ein Spinnrad mit Flachs. All das deutet auf das Handwerk eines Müllers hin. Magdalena Schaffer zeigt eine weiße Kappe als typische Kopfbedeckung. Sie erklärt die Zusammenhänge kindgerecht und nimmt die Anwesenden anschaulich mit in diese Sagenwelt.

Dem Handwerk steht die Schwarze Magie gegenüber. „Einige Dinge deuten darauf hin, dass er sich nicht nur mit der Müllerei beschäftigt hat.“ Magdalena Schaffer fragt nach weiteren erkennbaren Details. Da wäre das große Zauberbuch an der Wand, das nicht zu übersehen ist. Ein großer Stab lehnt am Tisch, Fackeln stehen in einer Ecke des Raumes. Und das Symboltier, der schwarze Rabe, schwebt über dem Tisch. Die Kappe wird gegen einen schwarzen Dreispitz getauscht. Krabat, vorher ein Betteljunge, wird wiederholt im Traum nach Schwarzkollm gerufen. Er folgt dem Ruf und geht bei dem Schwarzen Müller in die Lehre und schließt einen Pakt, der fatale Folgen haben wird. Magdalena Schaffer berichtet über die Lehrjahre und, dass Krabat auch in der Schwarzen Magie ein gewisses Talent zeigt. Mit einer List kann sich Krabat vom Schwarzen Müller befreien und ihn später mit einer weiteren letztendlich besiegen.

Der Weg führt nun zur Scheune, die in einem großen Keramikrelief die wichtigsten Lebensstationen von Krabat zeigt. Zuletzt geht es für die Besucher zur Mühle, die mit einem Wasserrad betrieben wird. Im Inneren wird zum einen das Handwerk eines Müllers und das Mahlwerk einer Mühle genauer erläutert. Gespannt wird den Worten gefolgt. Korn, Schrot, Kleie, Mehl. Diesen Vorgang konnten früher nicht alle Bauern verstehen. Umso einprägsamer ist es für die Kinder und ihre Begleiter, wenn das Rad draußen läuft und die Steine drinnen aufeinander mahlen. Ergänzt wird das Ganze mit Erläuterungen, wie das Leben in einer Mühle aussieht. Eine Küche ist mit allerhand historischen Gerätschaften ausgestattet, die einen Eindruck vom damaligen Alltag vermitteln. Nicht allen Küchenutensilien kann auf Anhieb der richtige Zweck zugeordnet werden.

Zuletzt wird noch die Zauberkammer vorgestellt, die allerlei Zeichen an den Wänden trägt. Hier taucht auch das Zauberbuch wieder auf. Ein Balken hält genug Platz für die Schüler bereit, die der Müller regelmäßig in Raben verwandelt.

Um den Bogen wieder zum Anfang zu spannen, gibt es noch ein Rätsel, das sorbische Sätze und ihre deutsche Entsprechung zusammenbringt. Somit steht am Ende der Führung ein „Božemje!“ von Magdalena Schaffer. Die Teilnehmer bedanken sich für den Einblick. Die 13-jährige Sabrina war überrascht von dem großen Gelände und mochte die interaktiven Spiele. Familie Berthold hat an diesem Nachmittag viel gelernt und wird vermutlich wiederkommen. Fazit: „Es ist etwas Schönes, was man hier geschaffen hat und pflegt.“

Erlebnisführungen für Familien: während der Sommerferien Montag-Freitag, 14 Uhr, 3 Euro p. P., um Voranmeldung wird gebeten: [email protected] oder 1 035722 951133

Am Gesindehaus wird erklärt, wie eine Vielzahl an Wandergesellen, bei Bauvorhaben auf dem Gelände geholfen hat.
Am Gesindehaus wird erklärt, wie eine Vielzahl an Wandergesellen, bei Bauvorhaben auf dem Gelände geholfen hat. © Foto: Gernot Menzel
In der Kammer des Schwarzen Müllers gibt es viel aufzuspüren.
Gemeinsam erschließen sich die Besucher mithilfe von Magdalena Schaffer den Ausgang der Sage. Es geht um Verwandlungen und eine List.
In der Kammer des Schwarzen Müllers gibt es viel aufzuspüren. Gemeinsam erschließen sich die Besucher mithilfe von Magdalena Schaffer den Ausgang der Sage. Es geht um Verwandlungen und eine List. © Foto: Gernot Menzel
Das große Zauberbuch liegt hier bereit. Schutzsymbole an den Wänden erinnern etwa an Hieroglyphen.
Das große Zauberbuch liegt hier bereit. Schutzsymbole an den Wänden erinnern etwa an Hieroglyphen. © Foto: Gernot Menzel
Zum Abschluss der Führung wird eine Kette magischer Symbole gebildet.
Zum Abschluss der Führung wird eine Kette magischer Symbole gebildet. © Foto: Gernot Menzel

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